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Bericht vom internationalen Finanzmarkt Gestiegene Rohstoffpreise spielen nur eine Nebenrolle

08.07.2007 ·  Obwohl die Zinsen an den Anleihemärkten stiegen, fiel die Korrektur an den Aktienmärkten gemäßigt aus. Die Kurse erholten sich in der vergangenen Woche sogar schon wieder einigermaßen. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

Von Bettina Schulz, London
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Allzu dramatisch ist die Korrektur an den Aktienmärkten angesichts der gestiegenen Zinsen an den Anleihemärkten nun doch nicht ausgefallen. In der vergangenen Woche haben sich die Aktienkurse schon wieder erholt. In den Vereinigten Staaten legte der Aktienindex S&P 500 im Wochenverlauf um 1,7 Prozent zu. Auch der Deutsche Aktienindex Dax berappelte sich wieder und legte leicht um 0,5 Prozent zu. Das Bild hätte auch ganz anders aussehen können.

Die Stimmung unter den Anleiheinvestoren war in den vergangenen Tagen von Nervosität geprägt. Nach einem überraschend starken Arbeitsmarktbericht in den Vereinigten Staaten rentierten zehnjährige amerikanische Staatsanleihen (Treasuries) zum Wochenschluss mit 5,19 Prozent. Das waren 15 Basispunkte mehr als zu Wochenbeginn - auch wenn die Rendite derzeit unter dem Juni-Höchststand von 5,32 Prozent liegt. In Europa reagierten die Anleihemärkte auf Andeutungen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, dass vielleicht schon im September mit einer weiteren Zinserhöhung auf 4,25 Prozent zu rechnen sei. Trichet bezeichnet die Geldpolitik immer noch als expansiv wirkend.

Höhere Notierungen an Rohstoffmärkten ignoriert

Dies erklärt auch die Erwartung an den Märkten, dass der Leitzins Ende des Jahres sogar bei 4,5 Prozent liegen könnte. Zudem schien die EZB bei ihren Äußerungen ein verstärktes Augenmerk auf die Inflationsrisiken zu richten. Eine Rolle bei den Erschütterungen an den Anleihemärkten mag auch gespielt haben, dass die Bank von England ihren Eckzins auf 5,75 Prozent anhob und in Großbritannien bis Jahresende von einer weiteren Zinserhöhung ausgegangen wird. Der Verweis der Notenbanken auf möglicherweise andauernde Inflationsgefahren übte erheblichen Druck auf die europäischen Anleihemärkte aus, so dass die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen am Freitag auf 4,68 Prozent kletterte.

Die Aktienmärkte ignorierten in der vergangenen Woche auch die deutlich höheren Notierungen an den Rohstoffmärkten - besonders für Öl, Kupfer und Blei. Vergessen scheint, dass sich die Aktienmärkte nach der Schwächephase im Frühjahr vergangenen Jahres erst wieder erholten, als deutlich wurde, dass die gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise eine Entspannung bei den Inflationsgefahren bedeuteten. Nun ist der Ölpreis für die Sorte Brent aber am Freitag wieder in der Spitze bis auf 76 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Das ist nicht mehr weit von dem Rekord im Sommer 2006 mit 78,64 Dollar entfernt.

Energiepreise könnten Inflationsängste schüren

Die Deutsche Bank warnt davor, dass die Märkte das Potential steigender Energiepreise unterschätzen. Im zweiten Halbjahr sei mit Blick auf die Lieferengpässe und die kräftige globale Konjunktur mit andauernd höheren Rohstoffpreisen zu rechnen. Es ist erstaunlich, dass die Börsianer ignorieren, was für Inflationssorgen der hohe Ölpreis und die festen Rohstoffnotierungen im vergangenen Jahr auslösten. Dabei ist es wahrscheinlich, dass in den nächsten Wochen der Ölpreis-Rekordstand aus dem vergangenen Jahr getestet wird und die höheren Energiepreise sowie die gestiegenen Agrarpreise auf Dauer wieder Inflationsängste schüren könnten.

Die Strategen der Investmentbank Goldman Sachs glauben allerdings, dass die Sorgen vor Inflationsgefahren und Erschütterungen an den Kreditmärkten völlig überzogen sind. Die verbesserten Arbeitsmarktzahlen in den Vereinigten Staaten zeigten derzeit nur, dass sich die Situation im amerikanischen verarbeitenden Gewerbe wieder etwas erhole. Dies ist ein Teil der Volkswirtschaft, der in den vergangenen Jahrzehnten stark abgebaut hat.

Führen steigende Zinsen zu ernsthaften Turbulenzen?

Eine Stärkung des verarbeitenden Gewerbes dürfte daher das Wachstum der Gesamtwirtschaft nicht außerordentlich anregen, zumal der amerikanische Immobilienmarkt immer noch mit einer auf den Konsum wirkenden Schwächephase kämpfe. Die Inflationsgefahren in den Vereinigten Staaten würden somit von der schwachen Entwicklung des Immobilienmarktes im Zaum gehalten. Auch sonst sei in der Welt nicht absehbar, dass sich die globale Inflation erhöhe.

Ähnlich entspannt äußert sich Goldman Sachs zu der Furcht, die steigenden Zinsen könnten zu ernsthaften Turbulenzen an den Kreditmärkten führen. Steigende Zinsen verteuern die Fremdkapitalaufnahme. Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) werden daher zunehmend mit spitzem Bleistift rechnen müssen, ob sich Übernahmen noch lohnen. Die steigenden Aktienkurse bedeuten, dass es für Unternehmen wieder günstiger wird, Kapital an den Börsen aufzunehmen. Der Vorteil billigen Fremdkapitals relativiert sich.

Globales Wachstum bleibt wohl zukünftig stark

In einigen Fällen mag es sich daher nicht mehr lohnen, börsennotierte Unternehmen aufzukaufen, um mit einem höheren Fremdkapitalanteil eine entsprechend kräftige Eigenkapitalrendite einzufahren. Tatsächlich fällt auf, dass relativ viele Übernahmevorhaben derzeit lautlos verpuffen. Goldman Sachs betont jedoch, dass all dies nur bedeute, dass sich die Renditen an den Anleihe- und Kreditmärkten langsam wieder normalisierten. Dies heiße noch lange nicht, dass es mit der Hausse an den Aktienmärkten vorbei sei.

Das globale Wachstum bleibt nach Ansicht der Investmentbank stark - die Unternehmen würden ein Gewinnwachstum von gut 9 Prozent in diesem Jahr vorlegen, weshalb die Hausse an den Aktienmärkten ungebrochen weiterlaufen könnte. Auch Lehman Brothers beruhigt die Marktteilnehmer und betont, die Aktienmärkte könnten einen weiteren Anstieg der Anleiherenditen gut verkraften. So konsolidieren die Märkte in diesen Sommermonaten vielleicht etwas - aber im Herbst, wenn die Unternehmen in der Berichtssaison wieder mit kräftigen Unternehmensgewinnen überraschen, setzen sie möglicherweise wieder zu einer neuen Rally an.

Quelle: F.A.Z., 09.07.2007, Nr. 156 / Seite 24
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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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