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Bericht vom internationalen Finanzmarkt Die Finanzmarktkrise ist noch nicht überstanden

30.09.2007 ·  Wie ernst ist die Finanzkrise? Einerseits sind die Zinssätze am europäischen Geldmarkt noch ungewöhnlich hoch. Andererseits findet gerade eine Hausse an diversen Märkten statt. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

Von Bettina Schulz, London
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Es scheint, als ob es derzeit diametral unterschiedliche Sichtweisen am Markt gibt, wie ernst die Finanzkrise ist. Einerseits sind die Zinssätze am europäischen Geldmarkt immer noch ungewöhnlich hoch. Dies signalisiert, dass die Banken ihre Liquidität nach wie vor im eigenen Haus behalten, extrem zurückhaltend am Geldmarkt operieren und somit die Krise an den Kreditmärkten nicht überstanden ist. Sorgenvoll wird beobachtet, welche große Investmentbank es mit einem derben Verlust im Zuge dieser Krise erwischen könnte. Andererseits findet gerade eine atemberaubende Hausse an den Märkten für Rohstoffe, Edelmetalle und Schwellenländeraktien statt. Dort schnellen die Notierungen täglich höher. Es herrscht eine Euphorie, die nicht zu der Angst an den Geld- und Kreditmärkten passen will.

Am Wochenende endete das dritte Quartal - ein Stichtag, an dem die Banken ihre Handelspositionen bewerten und im Zweifel Verluste ausweisen müssen. Mit Spannung wird nun darauf gewartet, wie die Banken sich in der sommerlichen Krise geschlagen haben. Solange dies nicht geklärt ist, dürften hohe Risikoprämien am Geldmarkt gefordert werden. Zwar ist dort die Lage zum Ende eines Quartals immer etwas angespannt. Aber vergangene Woche lagen die Sätze trotz der von der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Verfügung gestellten Liquidität mit 4,3 Prozent für Tagesgeld und 4,79 Prozent für Drei-Monats-Geld extrem über dem Euro-Leitzins von 4 Prozent - ein Zeichen der andauernden Skepsis der Banken untereinander.

Dow-Jones-Aktienindex nahe an Rekordmarke

An den Aktienmärkten geht diese Anspannung inzwischen nahezu spurlos vorüber. Der Schlüssel liegt in der Zinssenkungspolitik der amerikanischen Federal Reserve auf der einen Seite und dem kräftigen Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern auf der anderen. An den Finanzmärkten ist die Hoffnung groß, die Federal Reserve werde auf die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt am 31. Oktober und 11. Dezember mit weiteren Zinssenkungen reagieren - zumal die Inflation in den Vereinigten Staaten moderat ausfällt. Die Lage am amerikanischen Häusermarkt hat sich weiter verschlechtert, und das Verbrauchervertrauen ist gesunken. Dies wurde am amerikanischen Aktienmarkt fast schon mit Erleichterung aufgenommen. Denn es schürt die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen, die wiederum der Konjunktur auf die Sprünge helfen könnten. Der Dow-Jones-Aktienindex kam wieder nahe an seine Rekordmarke von 14.000 Punkten heran.

Jetzt steht die Berichtssaison der Unternehmen für das dritte Quartal vor der Tür. „Mit der unterstützenden Zinspolitik der Federal Reserve, den moderaten Bewertungen am Aktienmarkt und einem stabilen Kapitalzufluss der Fonds müssten sich die Unternehmensergebnisse dramatisch verschlechtern, um den Aktienmarkt zu unterminieren“, meint die Investmentbank Lehman Brothers.

Die Stimmung hat sich in Europa eingetrübt

Die Erwartung bevorstehender Zinssenkungen der Federal Reserve drückt den Wechselkurs des Dollar. Vergangene Woche gab der Kurs gegenüber dem Euro auf 1,42 Dollar nach - der niedrigste Stand seit Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung. „Wir erwarten, dass der Wechselkurs des Dollar bis Dezember auf 1,45 Dollar je Euro und im ersten Quartal des nächsten Jahres bis auf 1,48 Dollar je Euro nachgeben wird“, heißt es bei der Investmentbank JP Morgan. Die EZB dürfte nämlich trotz der Finanzkrise auf eine präventive Zinssenkung verzichten.

Zwar hat sich die Stimmung in Europa eingetrübt, was nicht zuletzt ein schwächerer Ifo-Geschäftsklimaindex in Deutschland, niedrigere Auftragseingänge, Produktionspläne und ein sinkendes Industrievertrauen zeigen. Die Inflationsrate in Deutschland ist aber im September auf 2,5 Prozent gestiegen. Außerdem sprechen der hohe Ölpreis und die Verteuerung der Rohstoffe und Lebensmittel für höhere Inflationsrisiken. Die EZB wird deshalb vielleicht auf die Konjunkturrisiken hinweisen, gleichzeitig aber signalisieren, dass sie die Inflationsrisiken nicht aus den Augen verliert. Marktteilnehmer gehen daher überwiegend davon aus, dass der EZB-Rat den Leitzins am kommenden Donnerstag bei 4 Prozent belassen wird.

Nachfrage der Schwellenländer reißt nicht ab

Der schwächere Dollar sorgt für eine stärkere Nachfrage an den Rohstoffmärkten, zumal die Konjunktur in Asien floriert. Die Peoples Bank of China hob vergangene Woche die Wachstumsschätzung ihres Landes für dieses Jahr auf 11,6 Prozent an. Die Schwellenmärkte erleben einen kräftigen Aufschwung: Immer mehr Investoren schleusen ihr Kapital hinein. Dies führt zu einer Aufwertung ihrer Währungen, kurbelt die Inlandsnachfrage an und beschleunigt das Wachstum. Zugleich können die Notenbanken keine restriktive Geldpolitik fahren, weil dies die Währungen nur noch mehr aufwerten würde. Die Aktienmärkte der Schwellenländer stehen fast überall wieder auf dem Niveau vor der Finanzkrise.

Die Nachfrage der Schwellenländer nach Rohstoffen wird daher nicht abreißen - mithin die kräftigen Preissteigerungen am Markt für Basismetalle und die rasanten Kursgewinne der Minenaktien unterstützen. Auch der Ölpreis legte trotz der schwächeren Konjunkturdaten in den Vereinigten Staaten weiter zu. Ende der Woche kostete die Sorte Crude 83 Dollar je Barrel (159 Liter). Analysten schätzen, dass der Preis gar auf 90 Dollar steigen könnte, sollte der Winter in Nordamerika mit einer Kältewelle einsetzen. Die langfristig von Teilen des Marktes befürchteten Inflationsgefahren, der schwache Dollar und die andauernde Finanzkrise haben darüber hinaus zu einem rasanten Anstieg des Goldpreises geführt. Das Edelmetall kostete Ende vergangener Woche 752,80 Dollar je Feinunze.

Quelle: F.A.Z., 01.10.2007, Nr. 228 / Seite 28
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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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