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Bericht vom internationalen Finanzmarkt An den Aktienbörsen fließt der Schampus

15.07.2007 ·  Dies- und jenseits des Atlantiks haben die großen Aktienindizes die Woche auf historischen Hochs abgeschlossen. Auslöser für den Nachfrageschub war die Ankündigung einer großen Übernahme. Der wöchentliche Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

Von Benedikt Fehr
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Sektlaune an den Aktienbörsen: Dies- und jenseits des Atlantiks haben die großen Aktienindizes die Woche auf historischen Hochs abgeschlossen. Nicht zuletzt der Deutsche Aktienindex Dax markierte am Freitag mit 8151 Punkten einen neuen Rekord; er überbot damit erstmals seinen bisherigen Höchststand vom März 2000. Auslöser für den Nachfrageschub nach Aktien war die Ankündigung einer großen Übernahme. Das besänftigte die Sorgen, dass die Übernahmewelle - einer der wichtigsten Treiber der Aktienhausse - auslaufen könnte.

Noch in der ersten Wochenhälfte hatten schlechte Nachrichten vom amerikanischen Hypothekenmarkt für schlechte Schuldner (“sub-prime“) die Risikoprämien für Unternehmenskredite ganz allgemein kräftig in die Höhe getrieben. Daran knüpften sich Sorgen über etwaige Verluste bei Investmentbanken und Hedge-Fonds, ferner auch über eine bevorstehende „Kreditklemme“, jedenfalls bei Krediten mit hohem Risiko: Leidtragende davon müssten nicht zuletzt die Private-Equity-Finanzinvestoren sein, die ihre Übernahmen zu einem Großteil mit solchen Krediten finanzieren.

Höhenflug des Euro trübt gute Stimmung nicht

Umso größer war die Erleichterung, als der Rohstoffkonzern Rio Tinto am Donnerstag ein Übernahmegebot für den großen Aluminiumproduzenten Alcan im Volumen von 38 Milliarden Dollar unterbreitete. Das verdeutlichte, dass die Finanzinvestoren im Übernahmegeschäft zwar die Rolle des Hechts im Karpfenteich spielen - aber nicht die wichtigsten Akteure sind: Mindestens zwei Drittel aller Übernahmen entfallen auf Konzerne, die ihre Marktposition durch Zukäufe ausbauen wollen. Dahinter steht oft, dass in vielen Branchen nicht länger der nationale Markt der Maßstab für Größe und Preissetzungsmacht ist, sondern vielmehr der Weltmarkt. Deshalb sind die Aussichten gut, dass die Übernahmewelle noch lange weiterläuft - und an den Aktienbörsen rund um den Globus die Kurse nach oben treibt.

Auch der Höhenflug des Euro, der zum Wochenschluss mit rund 1,38 Dollar und 169 Yen neue Hochs markierte, hat die gute Stimmung an den europäischen Aktienmärkten nicht getrübt. Zwar gibt es verschiedentlich Befürchtungen, dass die Euro-Stärke den europäischen Exporteuren das Wasser abgraben und die Gewinne verhageln könnte. Doch steht im Kalkül der Investoren derzeit im Vordergrund, dass die Euro-Stärke auf den Zufluss von ausländischem Kapital in den Euro-Raum zurückgeht. Ein guter Teil dieses Kapitals aber fließt an die Aktienmärkte - und treibt auch dort die Kurse.

Japaner investieren viel lieber im eigenen Land

Einiges spricht dafür, dass auch dieser Effekt noch lange fortdauert. So haben zum Beispiel die sparfreudigen Japaner bislang erst einen kleinen Teil ihrer Anlagen außerhalb Japans investiert. Auch die „Sovereign Wealth Funds“, also die staatlichen Investmentgesellschaften, die Währungsreserven in Billionen-Volumen ertragreicher als bisher anlegen sollen, dürften noch viel Anlagebedarf in europäischen Aktien haben. Zudem wenden sich auch amerikanische institutionelle Anleger verstärkt ins Ausland - nicht zuletzt, weil die Dollarabwertung Investoren, die in Dollar rechnen, Währungsgewinne beschert.

Laut Stephen Jen, dem Chefdevisenstrategen von Morgan Stanley, haben amerikanische Vermögensverwalter 20,5 Billionen Dollar in ihren Büchern. Eine Teilgruppe dieser Anleger, nämlich die Investmentfonds, hätten ihren Anteil an ausländischen Aktien seit 2003 bereits von 15 auf 22,5 Prozent erhöht, schreibt Jen. Die Zahlen illustrierten, dass es auch in Zukunft zu massiven Kapitalabflüssen weg aus Amerika kommen könnte - wovon ein Teil wohl hin nach Europa fließen dürfte.

Preise für Wohnimmobilien fallen immer weiter

Über der Euphorie an den Aktienmärkten ist in den Hintergrund getreten, dass die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt längst nicht mehr nur den „Sub- prime“-Markt betrifft. So ziehen nach einem Bericht der Großbank HSBC die Banken nun auch am Markt für solide Prime-Kredite die Zügel an: Der Nettosaldo von restriktiveren minus expansiveren Banken ist seit dem Sommer 2006 von minus 9,4 auf plus 15,1 gestiegen.

Kein Wunder: Im Mai stand die Rekordzahl von 4,4 Millionen Häusern zum Verkauf, seither dürften es noch mehr geworden sein. Im Durchschnitt musste ein Verkäufer 8,9 Monate bis zum Abschluss warten. Da kann man als Verkäufer schon nervös werden, zumal die Preise für Wohnimmobilien fallen: Im Juni lag der Durchschnittspreis um 2,7 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Und das ist ein geschöntes Bild: Denn die Bauherren und Makler bemühen sich händeringend, den Verkaufspreis, der in den öffentlichen Grundbüchern festgehalten wird, hoch zu halten - weil die Zurücknahme eines Preises den Wert aller Häuser in der Nachbarschaft mindert.

Auswirkungen auf Konsumlust der Amerikaner

Um dies zu vermeiden, offerieren sie Käufern jede Menge Anreize, von der Renovierung des Parketts bis zum Einbau einer Küche. So hat die Lennar Corp., Amerikas größter „Homebuilder“, Ende Juni im Quartalsbericht mitgeteilt, dass der durchschnittliche Verkaufspreis der Eigenheime um 7,5 Prozent auf 298.000 Dollar gefallen sei - und dies, obwohl man im Durchschnitt Kaufanreize von 43 700 Dollar je Haus gewährt habe. Die HSBC-Analysten merken zu diesen Zahlen an, der amerikanische Immobilienmarkt sei in desaströser Verfassung.

Früher oder später wird dies Wirkung zeigen - vor allem auch auf die Konsumlust der Amerikaner und die amerikanische Konjunktur. In Wall Street wurde am Freitag aber erst einmal ein Gerücht gefeiert, dem zufolge Starinvestor Warren Buffet sich an dem Immobilienunternehmen Hovnanian beteiligen könnte. Das trieb die Aktie um 12 Prozent auf 18,53 Dollar nach oben - und mit ihr gleich alle anderen 15 Papiere im Index der „Homebuilder“. Zu Jahresbeginn hatte die Hovnanian-Aktie freilich noch 36 Dollar gekostet.

Quelle: F.A.Z., 16.07.2007, Nr. 162 / Seite 24
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