09.03.2001 · Online-Broker haben ein positives Image. Doch laut der Behavioral Finance-Theorie müssten zu aktive Kunden anders urteilen.
Schon seit einiger Zeit gibt es auch in Deutschland zahlreiche Online-Broker. Obwohl der Konkurrenzkampf dadurch inzwischen sehr hart geworden ist, fehlt es an Originalität. Zumindest was die Werbekampagnen angeht. Denn die sind praktisch austauschbar. Fast immer lautet die Botschaft: Online-Anleger sind clever. Den potenziellen Kunden soll unterschwellig eingetrichtert werden, dass man bereits alleine durch die Eröffnung eines Depots bei einer Direktbank zu einem erfolgreicheren Anleger wird.
Diese Taktik ist für objektive Beobachter nicht nur einfach zu durchschauen, sondern die Botschaft ist auch noch falsch. Zumindest behaupten dies Vertreter der Behavioral Finance-Theorie. Die richtungsweisendste Studie hat Terrance Odean durchgeführt. Der an der University of California lehrende Professor hat rückblickend über einen Zeitraum von zehn Jahren 88.000 Online-Konten untersucht und dabei interessante Entdeckungen gemacht.
Zu aktives Handeln drückt die Performance
Dazu zählt die Erkenntnis, dass die aktivsten 20 Prozent unter den Tradern eine um 5,5 Prozent geringere jährliche Nettoperformance erzielten als die Anleger, die am wenigsten kauften und verkauften. Was noch schwerer wiegt: verglichen mit den Anlageergebnissen vor der Depoteröffnung bei einem Online-Broker verschlechterte sich die Performance der Anleger. Wobei Männer im Schnitt sogar noch ein Prozent mehr an Performance einbüßten als Frauen und ledige Männer sogar 1,4 Prozent. Kennzeichnend war außerdem noch, dass die Depots nicht breit genug gestreut waren und die Aktienauswahl auf scheinbar undifferenzierten Kriterien basierte.
Erklärt werden die verblüffenden Ergebnisse von Odean mit den allgemeinen Behavioral Finance-Erkenntnissen. Demnach schmälert zu aktives Handeln die Rendite, weil erwiesenermaßen die gekauften Aktien mittel- und langfristig schlechter abschneiden als die verkauften Titel. Bei Kunden von Online-Brokern verstärkt sich sogar der Drang zum Handeln noch. Wie Odean anhand einer anderen Studie unter 1.600 Investoren zeigt, steigen die Handelsaktivitäten nach Eröffnung eines Online-Depots um ein Drittel und die Zahl der spekulativen Geschäfte verdoppelt sich sogar. Dies dürfte damit zusammen hängen, dass sich Online-Anleger dank der vermeintlich besseren Informationsmöglichkeiten als kompetenter als zuvor einstufen.
Gefährliche Illusionen
Damit erschließt sich bereits eine weitere Fehlerquelle. Gemeint ist die Selbstüberschätzung, unter der viele Anleger - und insbesondere Männer - leiden. Denn die Selbstgefälligkeit führt zu Fehlern, weil man sich seiner Sache zu sicher ist und sich deswegen nicht mehr ausreichend informiert. Die Botschaft, die von den eingangs erwähnten Werbekampagnen ausgeht, scheint damit Wirkung zu zeigen. Allerdings nur auf die Psyche der Anleger. Bei der letztlich erzielten Performance kommt es dagegen zu einem genau gegenläufigen Effekt.
Investieren ist besser als spekulieren
Bei diesen Ergebnissen überrascht es nicht, dass Direktbanken ihre Kundendaten ungern zu Forschungszwecken hergeben. Auch Odean gelangte an seine Datenbank erst nach jahrelangen zähen Verhandlungen und dank des Versprechens, den Namen der zur Kooperation bereiten Online-Bank nicht zu nennen. Denn der Schluss, den Odean aus seinen Studien zieht, lautet schlicht und einfach: "Investieren ist profitabel, aber spekulieren ist gefährlich für das Vermögen." Klar, dass diese Botschaft den Online-Banken, die am meisten an möglichst aktiven Kunden verdienen, nicht ins Konzept passt. Als Anleger sollte man sich beim nächsten Mal, wenn es wieder in den Fingern juckt, aber an Odeans Erkenntnissen erinnern und erst noch einmal in aller Ruhe über den geplanten Kauf oder Verkauf nachdenken.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |