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Behavioral Finance „Finanzprofis begehen systematische Fehler bei der Geldanlage“

19.08.2001 ·  Wer einem Fondsmanager sein Geld anvertraut, erwartet einen kühlen Kopf. Experten für Behavioral Finance warnen jedoch vor psychologische Fallen.

Von Thilo Körkel
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Viele Anleger weichen der Krise an den Aktienmärkten aus, indem sie ihre Gelder in Fonds anlegen. Deren Manager, so hoffen sie, haben auch in Krisenzeiten einen klaren Blick für die fundamentalen Stärken und Schwächen ihres Portfolios. „Manchmal zu Unrecht“, sagt Joachim Goldberg, Experte für die Analyse-Disziplin Behavioral Finance.

Diese „Synthese von Ökonomie und Psychologie“ zeigt, dass „auch professionelle Anleger systematische Fehler begehen können, die in der Psychologie begründet sind“, sagt Goldberg. Der ehemalige Chefanalyst der Deutschen Bank berät über seine Firma cognitrend Profis aus der Finanzwelt, die begonnen haben, an den Stärken der Fundamentalanalyse zu zweifeln.„Experten ebenso wie Kleinanleger lassen sich von ihren Wünschen und Erwartungen beeinflussen“, erläutert er, „insbesondere wenn Zeitdruck besteht oder komplexe Informationen verarbeitet werden müssen“.

Hat sich etwa ein Anleger in einem Wert engagiert, neigt er dazu, positive Nachrichten überzugewichten und Negatives zu verdrängen. Zudem bewertet er Verluste zweieinhalb mal stärker als Gewinne in gleicher Höhe: „Das führt dazu, dass Anleger im Verlustbereich risikofreudiger sind, das heißt ihre Verluste laufen lassen“. Steigen die Kurse, nehmen sie Gewinne zu früh mit.

Übersteigertes Selbstvertrauen der Profis

Bei den Profis sind zwei Phänomene besonders ausgeprägt: Experten tendieren laut Goldberg zu einem „übersteigerten Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten“. Ermutigt von ihrer Fachkenntnis, trauen sich Analysten häufig allzu präzise Voraussagen zu. Und bei der Beurteilung selbstentwickelter Szenarien überschätzen sie zuweilen deren Eintrittswahrscheinlichkeit. Diese kann, selbst wenn die einzelnen Prämissen hohe Wahrscheinlichkeiten aufweisen, auch bei einem schlüssigen Gesamtszenario leicht auf 25 Prozent sinken.

Während Goldberg den Praktiker anspricht, setzt die Universität Mannheim auf wissenschaftliche Methoden. Die empirischen Untersuchungen von Prof. Martin Weber, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzwirtschaft und Leiter der dortigen Behavioral Finance Group, basieren auf realen Daten von Entscheidungsträgern der Finanzwelt. Aber auch auf Experimenten, bei denen Versuchspersonen in Entscheidungssituationen gebracht werden.

Unrealistisch wäre es, sich aus den gewonnenen Erkenntnissen sichere Marktprognosen zu erhoffen. „Allenfalls auf individueller Ebene können Anleger ihr Verhalten optimieren“, sagt Alexander Klos, wissenschaftlicher Mitarbeiter Webers. Wer etwa dazu neigt, seine Verlierer zu halten, profitiert schon durch ein selbstauferlegtes Stop-Loss-Limit.

Neuere Fondsprodukte psychologisch gemanagt

Noch steht die Behavioral Finance „erst am Anfang“, so Klos. Im Ausbildungsprogramm der Analystenvereinigung DVFA kommen die Verhaltenswissenschaften bislang nicht vor. DVFA-Geschäftsführer Dr. Gerrit Volk sieht die Psychologie in der technischen Analyse ausreichend berücksichtigt. „Sie baut auf historischen Kursen auf, in die sowohl Fundamentaldaten als auch die Psychologie der Marktteilnehmer eingegangen sind“, so Volk.

Wer dennoch auf die neuen Erkenntnisse setzen will, kann sich etwa an den „Behavioural Finance Fund“ der ABN Amro halten. Dieser setzt laut Eigenwerbung auf Firmen, die aufgrund des „irrationalen Verhaltens von Investoren unterbewertet“ sind. Ob durch den ebenfalls behaupteten „Ausschluss aller emotionalen Einflüsse“ signifikante Vorteile erzielt werden, würden Kenner der Materie sicherlich in Zweifel ziehen. In diesem speziellen Fall kann sich der Laie aber auch gefahrlos von Gefühlen leiten lassen. Seit seiner Einführung hat der Fonds ein Viertel seines Werts verloren - und den MSCI-Europe um neun Prozentpunkte underperformt.

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