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Behavioral Finance Die Psychologie der Aktienmärkte besser verstehen

28.05.2001 ·  Die moderne Finanzanalyse braucht neue Ansätze wie Behavioral Finance, glaubt Christian Elsmark, Investment Director European Equities bei JP Morgan Fleming.

Von Christian ElsmarkJP Morgan Fleming
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Die vergangenen Monate haben deutlich gezeigt: Die Masse der Anleger verhält sich irrational. Die Entwicklung der weltweiten Aktienmärkte, insbesondere der Technologie-Börsen, ist deutlich übertrieben gewesen - nach oben wie nach unten. Nicht nur die Spekulationsblase im Technologie-Bereich entbehrte jeglicher Logik. Auch das Ausmaß der derzeitigen Baisse ist als Überreaktion der Anleger zu werten.

Doch wer denkt, solche irrationalen Kursverläufe finde man nur in jungen Wachstumsmärkten, der irrt. Auch die Old Economy spielt nicht immer nach klaren Regeln. Die beiden Ölkonzerne Royal Dutch und Shell sind jeweils in den Niederlanden und in Großbritannien als Kapitalgesellschaften eingetragen. Bereits im Jahr 1907 unterzeichneten sie ein Abkommen über einen Zusammenschluss im Verhältnis 60 zu 40 und beschlossen gleichzeitig, zwei separate Einheiten zu bleiben. Aufgrund der so geregelten Verbindung sollte sich das Verhältnis der beiden Aktienkurse eigentlich linear entwickeln. Die Bewertungsniveaus schwanken jedoch stark - und niemand weiß warum.

Herkömmliche Analyse-Instrumente reichen nicht aus

Schon längst hat sich gezeigt, dass die herkömmlichen Ansätze der Finanztheorie allein nicht ausreichen, um solche Phänomene zu erfassen und - noch wichtiger - in konkrete Investmententscheidungen umzusetzen. Die traditionelle Ökonomie steht auf dem Standpunkt, dass Anleger rational handeln und deshalb immer die Entscheidungen treffen, die den erwarteten Gewinn maximieren und gleichzeitig das Risiko reduzieren. Wenn sich alle Anleger so verhielten, müssten Aktienpreise immer alle verfügbaren Informationen enthalten. Ökonomen nennen das einen effizienten Markt. Doch was wir in den letzten Monaten erlebt haben, war alles andere als effizient und rational.

Die Aktienmärkte sind zu einem erheblichen Teil vom Faktor Psychologie abhängig. Anleger sind keine Maschinen. Jedes Verhalten wird durch Emotionen und psychologische Faktoren beeinflusst. Die Kernfrage lautet deshalb: Ist es möglich, Strategien zu entwickeln, um dieses Verhalten systematisch und konsequent auszunutzen?

Ungleiche Risikowahrnehmung

Ein viel versprechender Ansatz dazu ist Behavioral Finance. Es handelt sich dabei um einen relativ jungen Zweig der Kapitalmarktanalyse. Behavioral Finance versucht, Ansätze aus Ökonomie und Psychologie miteinander zu verbinden. Dabei werden die Verhaltensweisen der Marktteilnehmer analysiert. Untersucht wird vor allem, wie Informationen aufgenommen, ausgewählt und verarbeitet werden und wie daraus letztlich konkrete Entscheidungen resultieren.

Die Studien im Rahmen des Behavioral Finance haben klar gezeigt, dass Anleger meist immer wieder die gleichen Fehler machen. Ein häufig auftretenes Phänomen ist, dass Aktiengewinne zu früh realisiert, Aktien in der Verlustphase jedoch zu lange gehalten werden.

Der Grund ist vor allem eine ungleiche Risikowahrnehmung. Die Risikobereitschaft ist bei Verlustpositionen höher als in der Gewinnzone. Bei Verlustaktien überwiegt die Hoffnung, dass sich die Werte erholen und die Verluste ausgeglichen werden. Rational betrachtet erscheinen die meisten Verlustsituationen hingegen eher hoffnungslos. Denn: Hat eine Aktie beispielweise 80 Prozent verloren, muss sie um ganze 400 Prozent zulegen, um wieder den Einstiegskurs zu erreichen. Die logische Konsequenz wäre deshalb die rechtzeitige Verlustbegrenzung.

Christian Elsmark ist Investment Director European Equities bei JP Morgan Fleming Asset Management.

Quelle: @hh
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