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Beck-Office Die bedrohte Spezies des Zinshamsters

16.03.2009 ·  Seit sich der Mensch die Erde untertan gemacht hat, sterben immer mehr Tier- und Pflanzenarten aus. An den Kapitalmärkten ist der gemeine Zinshamster, der homo zinseszinsis, bedroht.

Von Hanno Beck
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Seit sich der Mensch die Erde untertan gemacht hat, sterben immer mehr Tier- und Pflanzenarten aus. Auch an den Kapitalmärkten gibt es eine Spezies, die Gefahr läuft, in den kommenden Jahren ausgerottet zu werden: Es ist der gemeine Zinshamster, der homo zinseszinsis. Dieses possierliche Tierchen zeichnet sich durch eine ausgeprägte Risikoscheu aus, es investiert seine Ersparnisse lieber in festverzinsliche Anlagen und hamstert die dabei anfallenden Zinsen.

In der Vergangenheit konnte sich der homo zinseszinsis davon recht gut ernähren, doch die Zeiten werden schlecht. Es sind die weltweit als Zinssenkungen getarnten Notoperationen, die aus dem Sparspaß ein im schlechtesten Sinne des Wortes billiges Vergnügen machen und sich als Bedrohung für den gemeinen Zinshamster erweisen.

Er hat den Exzessen der vergangenen Jahre - Internet-Aktien, Immobilien oder Immobilienverbriefungen - nur von der Seitenlinie aus zugeschaut und sich von mageren Zinsen statt von satten Spekulationsgewinnen ernährt. Seit diese Spekulationsblasen geplatzt sind, eilen Staaten und Notenbanken rings um die Welt den vom finanziellen Exitus bedrohten Spekulanten zu Hilfe - indem sie die Zinsen senken und die natürliche Lebensgrundlage des Hamsters weiter zerstören. Schlimmerweise wird der Zinshamster auch von der Politik bedroht, die im vulgärkeynesianischen Politikjargon ihn der Mitschuld an der aktuellen Krise anklagt, da Sparen ja Konsumzurückhaltung sei und damit der Konjunktur schade.

Blickt man nach vorne, sieht es düster aus: Die expansive Geldpolitik weltweit wird früher oder später zu Inflation führen, und wer dann sein Geld langfristig zu festen Zinsen angelegt hat, wird durch die Hintertür kalt enteignet - wer will da noch zinshamstern? Wie sehr er uns fehlen wird, werden wir erst merken, wenn uns das Geld fehlt, mit dem uns der Zinshamster versorgt hat: Schließlich gehört vieles Kapital nicht uns, wir haben es uns nur von unseren Zinshamstern geliehen.

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