Andrew Bosomworth genügt ein einziger Satz, um die Lage bei Anleihen zu beschreiben: „Es herrscht der Ausnahmezustand.“ Dass ausgerechnet Bosomworth dies sagt, hat Gewicht. Denn er ist Deutschland-Chef der Investmentgesellschaft Pimco, des größten Anleiheinvestors der Welt.
Der Grund für die drastischen Worte: Die Schuldenkrise, die Europa seit Herbst 2009 beschäftigt, hat den Anleihemarkt auf den Kopf gestellt, es gelten neue Regeln - der Ausnahmezustand wird zum Dauerzustand.
Irrige Überzeugungen
Die neue Regel Nummer eins lautet: Risiko muss neu gedacht werden. Bis zum Ausbruch der Krise machten Investoren keinen Unterschied zwischen Bundesanleihen und Staatsanleihen aus dem übrigen Europa. Die Zinsunterschiede zwischen den Ländern waren minimal, weil nahezu alle Anleger eine Überzeugung teilten: Ein Mitglied des Euroraumes werde niemals pleitegehen, die Rückzahlung der Anleihen sei absolut sicher. Spätestens seit dem Schuldenschnitt in Griechenland ist nun klar: Diese Überzeugung war ein großer Irrtum.
Die neue Regel Nummer zwei hängt eng mit der ersten zusammen: Die Kursentwicklung vieler Anleihen wird der von Aktien immer ähnlicher. Vor der Krise zeichneten sich besonders europäische Staatsanleihen durch sehr niedrige Kursausschläge aus. Auch dies gilt nicht mehr: Die Kurse von Anleihen aus den südeuropäischen Krisenstaaten zeigen nun ein wildes Auf und Ab, spiegelbildlich dazu entwickeln sich die Renditen. Jede neue Zuspitzung der Krise lässt Letztere heftig ansteigen. Vom Versprechen eines sicheren Investments ist darum nichts mehr übrig.
Ertraglose Sicherheit
Für die Papiere, die diese Sicherheit noch bieten, gilt aber die neue Regel Nummer drei: Sicherheit bringt Investoren keinen Ertrag mehr ein. Bundesanleihen zum Beispiel gelten weiter als risikolos - nach Abzug der Inflation machen Investoren mit ihnen aber jetzt Verlust.
Keine leichten Zeiten also, um in Anleihen zu investieren. Die Schlussfolgerungen, die Pimco-Experte Bosomworth aus all dem zieht, sollten Neueinsteiger darum beachten: Er kauft keine Papiere aus den Euro-Krisenstaaten mehr, auch Bundesanleihen dienen höchstens noch als Geldparkplatz.
Besser ist es dagegen, auf Anleihen solider Firmen wie der Autokonzerne Daimler und BMW zu setzen. Unter einem Konjunktureinbruch würden Europas Unternehmen zwar leiden, aber sie haben vorgesorgt: Ihre Kassen sind gut gefüllt.
Eine weitere Alternative: Anleihen aus Schwellenländern wie Brasilien kaufen, am besten über Fonds. Der Schuldenstand dieser Staaten ist niedrig, die Renditen trotzdem auskömmlich. Von Ausnahmezustand ist dort nun wirklich nichts zu spüren.
