Fällt bei börsengehandelten Rohstoffen der englische Begriff „Softs“, so ist im engen Sinne eine kleine, aber wichtige Gruppe von Erzeugnissen gemeint: Kaffee, Kakao, Zucker und gefrorenes Orangensaft-Konzentrat. Im weiteren Sinne umfaßt der Begriff auch die Getreide sowie die Ölsaaten und damit alles an agrarischen Produkten, was dem menschlichen Verzehr dienen kann.
Teils um zu vereinfachen, teils aber auch aus sachlichen Gründen wird die Baumwolle noch zu diesen Agrar-Rohstoffen gerechnet. Baumwolle zeichnet sich durch einen Doppelcharakter aus. Zum einen ist es die Faser, aus der Textilien und Bekleidung hergestellt werden. Der andere Part ist das Baumwollsaatöl, das aus der Frucht gewonnen und als pflanzliches Öl verwendet wird.
Große Mengen der „Softs“ kommen vom Land am Zuckerhut
Alle „Softs“ im engen Sinne sind Genußmittel, die überwiegend in den Tropen und/oder in subtropischen Gebieten erzeugt werden. Bei Kaffee und Kakao handelt es sich nicht um die verbrauchsfertigen Erzeugnisse, sondern um die jeweils noch zu verarbeitenden Rohstoffe in Bohnenform.
Geographischer Schwerpunkt der Erzeugung von dreien dieser vier eigentlichen „Softs“, nämlich Kaffee, Zucker und Orangen, ist Brasilien. Bei Kakao war das Land einmal der zweitgrößte Erzeuger, doch nimmt es inzwischen nur noch den fünften Rang ein. Die Versorgung der Welt mit Agrar-Rohstoffen hängt also in hohem Maße von diesem Land ab, und das kann einmal kritische Bedeutung erlangen.
Es ist zwar schwer vorstellbar, daß ungünstige Witterungs- und Wuchsbedingungen dort mit einem Streich alle vier Erzeugnisse treffen und damit das Angebot drastisch verändern könnten. Dennoch halten es Fachleute für möglich, daß das wirtschaftlich aufstrebende und sich finanziell zunehmend stabilisierende Land auf längere Sicht über eine nachhaltige Aufwertung seiner Währung, dem Real, zu Gunsten anderer Konkurrenten an Wettbewerbsfähigkeit verliert.
Ein starkes Brasilien kann Preise diktieren
Ob diese Konkurrenten dann in der Lage sein werden, mögliche Ausfälle brasilianischen Angebots auszugleichen, erscheint Fachleuten fraglich. Daher besteht für Brasilien eine nicht geringe Chance, das Risiko währungsbedingter Wettbewerbseinbußen über höhere Weltmarktpreise für seine Erzeugnisse auszugleichen. Im Klartext bedeutet dies, daß die Weltmarktpreise aus dieser Sicht gut nach unten abgesichert erscheinen, ja womöglich tendenziell steigen.
Von Bedeutung ist ferner, daß ein großer Teil des Angebots an Agrar-Rohstoffen aus Ländern stammt, die politisch und/oder finanziell instabil sind. Dies kann die Erzeugung und den Export vorübergehend oder auch für längere Zeit erschweren oder behindern, so daß sich auch aus dieser Sicht Potential für steigende Preise ergibt.
Ein Beispiel liefert die Elfenbeinküste, das mit Abstand führende Erzeugerland für Kakao und ein bedeutender Produzent von Kaffee. In diesem westafrikanischen Staat herrscht seit Jahren Bürgerkrieg. Bisher ist die Produktion dieser beiden Rohstoffe zwar noch nicht nennenswert beeinträchtigt worden, doch haben sich die Vermarktungskanäle verändert. Mehr als zehn Prozent der jährlichen Kakaoerzeugung werden nach Schätzung von Fachleuten wegen der Gewalttätigkeiten in benachbarte Länder geschmuggelt.
Eigenverbrauch nimmt zu
Soweit die finanziellen Bedingungen in Produzentenländern angespannt bis kritisch sind, stehen staatliche Förderprogramme oder andere Hilfen auf dem Spiel, mit denen die Produktion zumindest gestützt wird. Kürzungen können vor allem bei Kaffee und Kakao langfristig ungünstige Folgen zeitigen. Werden die Plantagen nicht optimal bewirtschaftet, schlägt sich dies unter Umständen auf Jahre hinaus in sinkender Erzeugung nieder. Auch müssen Kaffeesträucher und Kakaobäume auf den Plantagen immer wieder durch neue ersetzt werden, wenn sie keine zufriedenstellenden Erträge mehr liefern oder über neue Züchtungen andere, ergiebigere zur Verfügung stehen.
Auf der Nachfrageseite liegt der Schwerpunkt bei den wirklichen Genußmitteln Kaffee, Kakao und Orangensaft in den traditionellen Industrieländern. Viele von ihnen waren in früheren Zeiten Kolonialmächte und hatten damit unmittelbaren Zugriff besonders auf die Produktion von Kakao und Kaffee. Dies kann heute noch an gewachsenen Handelsstrukturen nachvollzogen werden.
Doch je weiter sich die wirtschaftlich aufstrebenden Länder entfalten und somit die Einkommen ihrer Bevölkerung wachsen, desto mehr nimmt auch dort die Nachfrage nach Genußmitteln zu. Interessengruppen wecken gezielt Bedarf, der zum Beispiel bei Kaffee in Asien bereits meßbar zu Lasten des traditionellen Teeverbrauchs geht. Diese Region gilt daher als gigantischer Wachstumsmarkt für Kaffee und Kakao.
Die neue Rolle des Zuckers
Zucker, der aus Zuckerrohr und Zuckerrüben gewonnen wird, wurde noch vor wenigen Jahrzehnten fast überall als Grundnahrungsmittel betrachtet. Diese Sichtweise hat sich jedoch gewandelt. In den Industrieländern, in denen zunehmend auf gesundheitliche Aspekte geachtet wird, gilt er heute als kalorienreiches und auch sonst nicht unproblematisches Genußmittel, seit sich die Erkenntnisse der Medizin gegen die Kampagnen der Erzeuger durchsetzen konnten.
In den armen und den wirtschaftlich aufstrebenden Ländern wird Zucker wegen seines Kaloriengehalts jedoch als Grundnahrungsmittel betrachtet. Neben der Verwendung besonders von Zuckerrohr für den menschlichen Bedarf gewinnt dieses Erzeugnis in der verarbeiteten Form von Äthanol zunehmend Bedeutung auch als Bio-Treibstoff. In Brasilien ist dies bereits jahrzehntelange Tradition. Seit der drastischen Verteuerung von Benzin entstehen jedoch in nahezu allen Ländern, die Überschüsse an Zuckerrohr erzeugen, Anlagen zur Herstellung von Äthanol. Damit scheint sich eine neue, stark wachsende Nachfragebasis nach Zuckerrohr herauszubilden.
Das in New York gehandelte Orangensaft-Konzentrat (“Frozen Concentrated Orange Juice“ oder FCOJ) ist ein Genußmittel mit eindeutig hohem Zivilisationscharakter. Herausragendes Merkmal ist sein Vitaminreichtum. Daher liegt der Schwerpunkt der Nachfrage in den traditionellen Industrieländern. Seine Erzeugung und Verteilung in Form von Kühlketten erfordern einen hohen Grad von Infrastruktur, die bisher nur in diesen Ländern besteht.
