Home
http://www.faz.net/-gv6-742bw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Bankenrettung Commerzbank nicht mehr systemrelevant

Die Commerzbank gilt international nicht mehr als systemrelevant. Dagegen zählt der internationale Finanzstabilitätsrat die Deutsche Bank weiter zu den vier wichtigsten und systemrelevantesten Geldhäusern der Welt.

© dapd Deutsche Bank in Frankfurt

Die Commerzbank gilt international nicht mehr als systemrelevant. Der internationale Finanzstabilitätsrat (Financial Stability Board/FSB) strich das zweitgrößte deutsche Institut am Donnerstag von der Liste der Geldhäuser, deren Zusammenbruch eine große Gefahr für die Stabilität der Weltwirtschaft bedeuten könnte. Für die seit der Finanzkrise geschrumpfte Commerzbank bedeutet der Verlust des „Too-big-to-fail“-Status zwar einen Prestigeverlust. Sie spielt damit auch offiziell nicht mehr in der Top-Liga der Branche. Zugleich ist das aber eine große Erleichterung. Denn damit dürften künftig weniger strenge Anforderung für sie gelten.

Die als systemrelevant eingestuften Banken müssen voraussichtlich einen zusätzlichen Kapitalpuffer von bis zu 2,5 Prozent auf ihre Risikoposition aufbauen. Eigenes Kapital ist teuer und drückt auf die Gewinne.

Einziges deutsches Institut auf der Liste der systemrelevanten Banken bleibt die Deutsche Bank. Schon mit Beginn der Diskussion über die Banken, die nicht zusammenbrechen dürfen, galt das Institut wie die amerikanischen Großbanken als gesetzt. Insgesamt stuft der FSB noch 28 (bisher waren es 29) Geldhäuser als systemrelevant ein. Nicht mehr dazu gehört die in der Abwicklung steckende belgisch-französische Bank Dexia und die britische Lloyds. Neu hinzu gekommen sind die spanische BBVA und die britische Standard Chartered.

Die Commerzbank hatte erst zu Jahresbeginn in einem schmerzhaften Prozess ihr Eigenkapital auf Geheiß der europäischen Bankenaufsicht EBA kräftig steigern müssen. Als nicht mehr systemrelevante Bank dürfte nun der Druck zu weiteren Schritten geringer sein. Die Commerzbank will in der kommenden Woche ihre neue Strategie vorlegen, wie sie künftig angesichts niedriger Zinsen und eines radikal eingedampften Geschäfts Geld verdienen will. Erst im Sommer hatte das Institut angekündigt, sich komplett aus der Gewerbeimmobilien- und Schiffsfinanzierung zurückzuziehen. Auch die Staatsfinanzierung wird abgewickelt.

Dagegen wird die Deutsche Bank zu den vier gefährlichsten Banken. Ihr Zusammenbruch würde das weltweite Finanzsystem am stärksten gefährden. Der deutsche Branchenprimus müsste damit von 2016 an einen zusätzlichen Eigenkapitalpuffer von 2,5 Prozent aufbauen, so dass er 2019 auf eine Mindestausstattung von 9,5 Prozent Grundkapital und Gewinnrücklagen kommen müsste. In die gleiche Kategorie wie die Deutsche Bank wurden die amerikanischen Banken Citigroup und J.P. Morgan Chase sowie die britische HSBC eingestuft - vier Institute, die Investmentbanking und Privatkundengeschäft betreiben.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.net mit dpa und Reuters

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Erzwungener Kreditumtausch Polens Politiker, die Banken und der Franken

Wegen der niedrigen Zinsen in der Schweiz hatten einst viele Polen Kredite in Franken aufgenommen, um ihr Haus zu finanzieren. Nun können sie nicht zurückzahlen. Und die Banken sollen die Kosten dafür tragen. Mehr

24.08.2015, 08:10 Uhr | Wirtschaft
Finanzkrise Griechische Banken öffnen wieder

Seit drei Wochen durften die griechischen Bürger pro Tag nur 60 Euro an den Geldautomaten abheben, nun können sie sich auch mehr Geld auf einmal auszahlen lassen. Allerdings bleibt die Höchstgrenze bei 420 Euro pro Woche. Mehr

20.07.2015, 10:28 Uhr | Politik
Finanzskandale Banken zahlen 260 Milliarden Dollar Strafe

Finanzkrise, Zinsmanipulationen, Steuerhinterziehung: Banken zahlen kräftig für ihre Skandale. Eine neue Studie zeigt: Das ist noch nicht das Ende. Mehr

24.08.2015, 15:50 Uhr | Wirtschaft
Finanzkrise Ausnahmezustand wegen griechischer Schuldenkrise

Nach der Zuspitzung der griechischen Schuldenkrise ist der Finanzsektor des Landes im Ausnahmezustand. Die Banken sollen bis mindestens 6. Juli geschlossen bleiben, einen Tag nach dem geplanten Referendum über die Forderungen von Griechenlands internationalen Gläubigern. Die Börse soll sogar frühestens am 8. Juli wieder öffnen. Ohne frisches Geld droht Griechenland binnen weniger Tage die Pleite. Mehr

29.06.2015, 12:24 Uhr | Politik
Abhebe-Gebühren Die Deutsche Bank verlangt mehr am Geldautomaten

Wer bei der Deutschen Bank Geld abheben will, muss künftig höhere Gebühren bezahlen. Für Kunden der Cash Group-Banken ändert sich dagegen nichts. Mehr Von Christian Siedenbiedel

21.08.2015, 16:10 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 01.11.2012, 21:49 Uhr

Trend Shopping-Berater aus dem Netz

Im Kampf um den Kunden galt individuelle Beratung lange als Domäne des stationären Textilhandels. Doch inzwischen locken auch immer mehr Online-Händler mit persönlicher Stilberatung. Zielgruppe sind vor allem Männer. Mehr 9

Wertpapiersuche