21.08.2007 · In der Finanzbranche geht die Angst vor einer „systematischen Bankenkrise“ um, bei der nicht nur einzelne Kreditinstitute in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, sondern die Finanzwirtschaft insgesamt in eine Krise gerät.
In der Finanzbranche geht die Angst vor einer „systematischen Bankenkrise“ um, bei der nicht nur einzelne Kreditinstitute in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, sondern die Finanzwirtschaft insgesamt in eine Krise gerät. Die existenzgefährdenden Liquiditätsengpässe bei der IKB und der SachsenLB hätten zu einer „nicht unkritischen Situation“ im deutschen Bankwesen geführt, sagte der Vorstandsvorsitzende der WestLB, Alexander Stuhlmann, auf einer Veranstaltung der Bank in Berlin.
„Wir spüren in den Märkten bei der Bereitschaft, deutschen Banken Linien zur Verfügung zu stellen, Schwierigkeiten bei ausländischen Partnern“, sagte Stuhlmann. „Wenn wir in Deutschland eine Bankenkrise haben, die bedeutet, dass wir vom Ausland geschnitten werden, werden weitere Banken in Schwierigkeiten geraten.“
„Deutsche Banken werden nicht geschnitten“
Vertreter ausländischer Banken weisen dies zurück: „Das ist Unsinn, deutsche Banken werden nicht geschnitten. Aber alle Banken müssen derzeit eine verstärkte Risikoabwägung bei ihrer Kreditvergabe vornehmen.“ Da Banken nicht erkennen können, welche Ausfallrisiken aus der Kreditkrise ihre Wettbewerber in den Büchern haben, halten sie sich mit der Geldvergabe an ihre Konkurrenten zurück. Daher ist der Terminmarkt der Banken praktisch lahmgelegt. Liquidität leihen sich Banken derzeit als Tagesgeld aus - ein Grund, warum Notenbanken mit Liquiditätshilfen am Markt einspringen.
Die Banken im Euro-Raum geben überschüssige Liquidität derzeit kaum noch in den Markt, sondern horten sie lieber. Deshalb hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag wieder mehr Liquidität in den Bankenmarkt gegeben, als die Banken zur Erfüllung ihrer Mindestreservepflicht benötigt hätten. Sie teilte bei ihrem regulären wöchentlichen Geschäft 275 Milliarden Euro zu und damit rund 46 Milliarden Euro mehr, als die Banken gebraucht hätten. Vor zehn Tagen schon hatte die EZB mit einer Reihe außerplanmäßiger Schnelltender von bis zu 95 Milliarden Euro auf die Liquiditätsverknappung bei den Banken im Euro-Raum reagiert.
Banken mit starken Bilanzen
Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's dürften die Liquiditätshilfen der Notenbanken längere Zeit anhalten: „Trotz der jüngsten Vorfälle sind Ängste vor einer globalen, systematischen Bankenkrise übertrieben, weil der Kern des Banksystems immer noch gut gegen Schocks gewappnet ist.“ Da die Verteilung der Kreditrisiken heute aber weniger transparent sei als früher und daher größere Unsicherheit im Bankensystem bestehe über das Ausmaß der Kreditrisiken bei einzelnen Wettbewerbern, sei das Bankensystem anfälliger für eine Vertrauenskrise, meint die Ratingagentur. Diese treffe alle Banken gleichermaßen. Die zeitweilige Hilfestellung der Zentralbanken werde daher möglicherweise künftig zum globalen Finanzsystem dazugehören.
Moody's betont, die großen amerikanischen und internationalen Banken seien stark genug, den durch die Krise entstandenen Gewinneinbruch abzufedern. Zusammenbrüche werde es eher bei kleineren Banken geben. In dieser Krise ist es günstig für Banken, eine hohe Bilanzsumme zu haben. Dies trifft derzeit vor allem auf die Citigroup, die Deutsche Bank und die UBS zu. Vertreter dieser Bankengruppe berichten, ihre Institute würden derzeit von anderen Finanzinstituten in extrem starkem Ausmaß gebeten, Liquidität bereitzustellen. Auch haben Hedge-Fonds begonnen, ihr Geschäft auf Banken zu verlagern, die über starke Bilanzen und umfangreiche Refinanzierungsmöglichkeiten verfügen.
Zwei Wochen drastischer Kursverfall
Freilich sind die Belastungen aus der Krise auch bei den Großbanken nicht zu unterschätzen: Der Kern der großen Investmentbanken hält mehr als 400 Milliarden Dollar zugesagter Übernahmekredite in den Büchern, die nicht abverkauft werden können. Dabei ist der Anteil der „covenant light“ genannten Kredite mit extrem lockeren Kreditbestimmungen praktisch unverkäuflich. Sie müssen also mit hohen Verlusten abgeschrieben werden.
Banken werden zudem Positionen von Kreditderivaten auf Marktwert abschreiben und hohe Verluste im Eigenhandel einstecken müssen. Außerdem werden sie gezwungen, Verluste aus Anlagepositionen, die sie gegen Garantieleistungen für Zweckgesellschaften (Conduits) in die Bücher nehmen, abzuschreiben. Auch steigen ihre Refinanzierungskosten, sie müssen Rückstellungen für Kreditausfälle aufstocken und werden mit weniger Transaktionen bei Übernahme und im Kreditgeschäft konfrontiert. Dies sind Gründe für den drastischen Kursverfall von Bankaktien in den vergangenen zwei Wochen.
„Eigentlich müssten alle Banken und Versicherungen gezwungen werden, offenzulegen, welche Kreditrisiken sie in den Büchern haben“, sagt ein Bankenvertreter, der nicht genannt werden möchte. Freiwillig äußerten sich nur wenige Banken aus Angst, sie handelten sich dann höhere Refinanzierungskosten ein. So aber würden die Unsicherheit und Liquiditätsknappheit am Markt anhalten, bis in schätzungsweise sechs Monaten alle Banken ihre Verluste ausgekehrt hätten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,87 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |