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Bankenaufsicht London forciert Diskussion um Spaltung von Banken

22.10.2009 ·  Die Folgen der Finanzkrise sorgen für Diskussionen über drastische Änderungen in der Bankenbranche. Die Londoner Aufsichtsbehörde debattiert eine Trennung von Investmentbanking und Einlagengeschäft. In Amerika hat es das schon einmal gegeben.

Von Bettina Schulz und Norbert Kuls
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Die verheerenden Auswirkungen der Bankenkrise auf die Finanzen zahlreicher Staaten haben Diskussionen von Aufsichtsbehörden und Notenbanken entfacht, ob das Geschäft von Banken nicht aufgespalten werden soll. Die Überlegung ist, dass Banken eine wichtige Versorgerrolle für die Volkswirtschaft ausüben, die schützenswert ist, weniger risikoreich gestaltet und im Notfall gerettet werden soll.

Das von starken Eigeninteressen der Banken im Handel geprägte Spekulationsgeschäft soll indessen nicht vom Steuerzahler aufgefangen werden. Diese Unterscheidung würde indessen nur funktionieren, wenn die Banken entsprechend restrukturiert würden und ihr Handelsgeschäft so ausgerichtet würde, dass sein Zusammenbruch keinen negativen Dominoeffekt auf dem Kapitalmarkt auslösen würde. Die Londoner Finanzaufsicht hat nach ähnlichen Aussagen von Mervyn King, dem Gouverneur der Bank von England, die Diskussion um einen neuen Regulierungsansatz der Banken angespornt.

Aufspaltung des Bankengeschäfts gab es schon

Historisch ist es nicht neu, das Bankengeschäft aufgespalten wird. In den Vereinigten Staaten waren Investmentbanken, Kreditinstitute und Versicherer fast sieben Jahrzehnte lang getrennt. Erst 1999 wurde die in den dreißiger und fünfziger Jahren gesetzlich verfügte Trennung dieser Finanzinstitute vom Kongress wieder vollständig aufgehoben. Wie viele der immer noch gültigen Elemente der amerikanischen Finanzregulierung war die Trennung von Investmentbanken und Geschäftsbanken eine Folge des großen Börsenkrachs von 1929 und der darauf folgenden Wirtschaftskrise.

Koalitionsverhandlungen: Bankenaufsicht mit Sanktionsrecht

Die Gründe für die Trennung durch das 1933 verabschiedete sogenannte Glass-Steagall-Gesetz: Geschäftsbanken hatten zu stark auf dem Aktienmarkt spekuliert und waren mit den Einlagen ihrer Kunden zu große Risiken eingegangen. Fragwürdige Kredite waren an Unternehmen vergeben worden, an denen die Banken beteiligt waren. Gleichzeitig wurde den Bankkunden geraten, auch in diese Aktien zu investieren. Nach Verabschiedung des Glass-Steagall-Gesetzes durften nur 10 Prozent der Gewinne von Banken aus dem Wertpapiergeschäft kommen. In den fünfziger Jahren wurde dazu die Trennung der Versicherer von Banken gesetzlich verfügt, weil die Risiken der Zeichnung von Versicherungen für Kreditinstitute als zu hoch galten.

Kritikern fehlt adäquate Bankenregulierung

In den neunziger Jahren wurde allerdings die Debatte über zu starke Einschränkungen in der Finanzbranche lauter. Befürworter einer Zusammenführung von Banken, Investmentbanken und Versicherern - praktisch zu einer Universalbank europäischen Zuschnitts - argumentierten, dass gerade die Diversifizierung des Geschäfts für die Minderung von Risiken sorgen würde. Symbolisiert wurde die Abkehr von Glass-Steagall durch die Entstehung der Citigroup Ende der neunziger Jahre. Gerade diese Großbank wurde jedoch zu einem der größten Schadenfälle der jetzigen Finanzkrise.

In Großbritannien hatte es ebenfalls bis in die achtziger Jahre eine faktische Trennung zwischen Wertpapierhäusern (Brokern) und Merchantbanken gegeben, die in der Handelsfinanzierung und in der Unternehmensfinanzierung tätig waren. Eine grundlegende Reform der Finanzbranche unter Margret Thatcher Ende der achtziger Jahre liberalisierte den Markt, riss Marktbeschränkungen ein und lud ausländische Großbanken ein, die City mit gewaltigen Investitionen in das Investmentbanking zu der Finanzmaschine zu machen, die sie heute ist - mit all dem Risikogeschäft, das die Welt in die Finanzkrise riss.Kritiker sagen, dass die Abschaffung von Glass-Steagall und die Reformen des Big-Bang in der Londoner City Ende der achtziger Jahre die Banken zwar von ihren Fesseln befreiten, aber dieser Freiheit keine adäquate Bankenregulierung entgegenstellte.

Die Financial Services Authoriy (FSA) schlägt deshalb vor, dass Banken ähnlich wie die HSBC Holdings, die weltgrößte Bank, organisiert sein sollen. Alle Niederlassungen agieren dann mit eigener Eigenkapitalunterlegung und Finanzierung unabhängig von der Muttergesellschaft. Bisher werden fast alle Großbanken mit Blick auf Eigenkapital und Liquidität vom Mutterhaus gesteuert. Dies würde im Krisenfall bedeuten, dass einzelne Niederlassungen untergehen könnten oder von nationalen Regierungen gerettet werden könnten. Die Regierung des Heimatlandes des Konzerns wäre aber nicht mehr gezwungen, den gesamten Koloss zu retten. Die nationalen Aufsichtsbehörden könnten den jeweiligen Niederlassungen im Lande Eigenkapital - und Liquiditätsanforderungen nach eigenem Ermessen auflegen. Sollten Banken dieser Organisationsstruktur nicht nachkommen, könnten sie mit extra hohen Eigenkapitalanforderungen bestraft werden.

Verschiedene Varianten werden diskutiert

Eine andere Möglichkeit ist, Banken aufzuspalten. Dabei gibt es die "enge Variante", die verlangt, dass das Einlagengeschäft für Privatkunden ausgegliedert und komplett abgesichert wird und der Rest völlig dereguliert wird, was aber riskanter als das jetzige System wäre.

Die zweite Möglichkeit wäre, ähnlich dem deutschen Sparkassensystem Geschäfte für Banken mit Einlagengeschäft zu begrenzen, was die FSA aber nur für Hypothekenbanken gelten lassen will.

Die dritte Möglichkeit wäre ein System, dass sich an den Glass-Steagall Act anlehnt, die Trennung aber indirekt über Kapitalanforderungen steuert. So soll nach Vorstellungen der FSA das Handelsgeschäft der Banken scharf unterteilt werden nach Kundengeschäft zum Beispiel mit der Industrie, das weniger streng mit Eigenkapital unterlegt werde. Auf der anderen Seite soll der spekulative Eigenhandel der Banken extrem mit Eigenkapital belastet werden.

Genaue Geschäftsabgrenzung ist schwierig

Banken sollen zudem ein Krisenkonzept präsentieren, wie im Notfall mit ihrer Institution zu verfahren sei. Dabei müssen die Banken nachweisen, dass ihre volkswirtschaftliche Versorgerfunktion mit ihrem Einlagengeschäft abgesichert ist und dass das nicht zur volkswirtschaftlichen Versorgerfunktion gehörende Geschäft abgespalten werden kann und dies so getrennt aufgestellt ist, dass es ohne Gefahr für Konzern und Gesellschaft abgewickelt werden kann.

Die Crux bei der Diskussion ist zu definieren, was spekulativer Eigenhandel, manchmal auch Casinobanking genannt, eigentlich ist. Große Teile des Investmentbanking sind für die Volkswirtschaft und Industrie wichtig, um sie mit modernen Finanzdienstleistungen zu versorgen. Dazu gehören auch außerbörsliche Handelsgeschäfte mit Derivaten. In der Abgrenzung zum Eigenhandel der Banken gibt es hier eine Grauzone, denn Banken müssen im Interesse ihres Kundengeschäftes Positionen auf dem Markt einnehmen können, nutzen dies aber freilich, um auf eigene Rechnung zu spekulieren.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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