19.05.2005 · Basel II und seine Auswirkungen: Die deutschen Banken werden beschränken nun auch im Privatkundengeschäft die Kreditkonditionen. Die Höhe des Zinses richtet sich künftig nach dem Risiko des einzelnen Kunden.
Woran sich deutsche Unternehmen schon gewöhnen müssen, wird nun auch für private Bankkunden Wirklichkeit: Die Konditionen bei Verbraucher-, Auto- und Ratenkrediten bemessen sich künftig stärker nach dem individuellen Risiko der Kreditnehmer.
„Wir brauchen eine Preisgestaltung, die sich an den tatsächlichen Kosten orientiert“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bankenfachverbands Gerd Schumeckers am Donnerstag in Frankfurt. Grund für die neue Kreditpolitik ist Schumeckers zufolge Basel II, ein internationales Regelwerk für Banken bei der Darlehensvergabe, das vorschreibt, wieviel Eigenkapital die Banken für einen möglichen Kreditausfall vorhalten müssen.
„Andere werden bald folgen“
In Zukunft werden die Banken auch im Privatkundengeschäft nicht mehr mit einem besonders niedrigen Zinsangebot werben. „Es wird einen Zins von bis geben“, kündigte Schumeckers an. Er ist im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender der CC-Bank AG. Damit meint Schumeckers, daß die Kreditinstitute künftig verstärkt mit einer Spanne werben, bei der sie den niedrigsten und den höchsten Satz nennen, zu dem die Bank gerade noch bereit ist, einen Kredit zu vergeben.
In der Praxis bedeutet dies, daß Kaufwillige zum Beispiel vor dem Kauf eines Gebrauchtwagens der Bank einige Daten über Familien- und Einkommensverhältnisse mitteilen müssen und dann „innerhalb weniger Minuten“ (Schumeckers) ihren individuellen Zins genannt bekommen. Kreditkonditionen, die sich nach den Verhältnissen des einzelnen Kunden richten, gibt es schon. „Einige unserer Mitgliedsinstitute bieten bereits risikogerechte Konditionen an“, sagte der Chef des Bankenfachverbands. „Andere werden bald folgen.“ Allerdings nannte er keine konkreten Namen.
Entscheidungsgrundlage
Ob der Satz niedrig oder hoch ausfällt, bemessen die Banken anhand eines statistischen Verfahrens, das sich „Scoring“ nennt und das die Ausfallwahrscheinlichkeit des Darlehens vorhersagen soll. Es verwendet Angaben über Alter, Geschlecht, Ausbildung, Beruf, Branche und Familienstand. Diese Scoring-Modelle sind heute schon Standard für Banken, die Konsumenten- und Ratenkredite vergeben oder Autofinanzierungen anbieten.
Allerdings dienen sie bisher nicht zur Festlegung des Zinssatzes, sondern werden für die Entscheidung herangezogen, ob der Kunde überhaupt ein Darlehen erhält. Sie führen zum Beispiel dazu, daß es ein selbständiger Taxifahrer mit Familie grundsätzlich schwerer hat, einen Ratenkredit zu bekommen, als der ledige kaufmännische Angestellte eines Versorgungsunternehmens, selbst wenn der Taxifahrer mehr verdienen sollte.
Idee einer bankinternen Mischkalkulation
„Die Eigenkapitalkosten werden mit Basel II variabel, weil die Kapitalunterlegung sich nach der Bonität des Kunden richten wird“, sagte Schumeckers und verwies darauf, daß die Kosten für die Bank um so höher seien, je schlechter die Bonität des Kunden sei. „Was liegt im Sinne einer verursachungsgerechten Preissetzung also näher, als den Zins an den Herstellungskosten des Kredits zu orientieren, statt die Preise zu Lasten der guten Kunden quer zu subventionieren?“
Dieses Argument haben die Banken in der Diskussion um Basel II häufig angeführt. Ihm liegt die Idee einer bankinternen Mischkalkulation zugrunde, daß Schuldner mit einer geringen Ausfallwahrscheinlichkeit einen niedrigeren Zins bezahlen müssen, wenn ihre Bonität individuell berechnet wird. Bei einheitlichen Kreditkonditionen müßten sie jedoch einen höheren Zinssatz in Kauf nehmen, der die höhere Ausfallwahrscheinlichkeit schlechter Kreditrisiken mitfinanziert.
Abnehmende Transparenz
Diese Sicht bezweifeln Verbraucherschützer und befürchten, daß Darlehen durch maßgeschneiderte Konditionen für Kreditnehmer insgesamt teurer werden. Frank-Christian Pauli, Bankenexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin, fürchtet zudem negative Folgen für Kreditnehmer mit schlechtem Risiko: „Die höheren Kosten aus dem Kreditvertrag erhöhen noch die Ausfallwahrscheinlichkeit.“
Zudem bemängelt Pauli, daß die Transparenz bei Konsumentenkrediten stark abnehmen wird, weil die Vergleichbarkeit der Angebote zwischen den einzelnen Banken kaum möglich sei. Daran ändere auch Online-Zinsvergleiche und Internetrechner wenig. Außerdem blieben die Banken auch bei individueller Zinsspreizung gesetzlich verpflichtet, den effektiven Jahreszins anzugeben. Auch sieht Pauli als Schwäche, daß Scoring-Modelle, Arbeitslosigkeit oder das Scheitern von Familien nicht vorhersagen können. Darin sieht auch der Bankenfachverband den Hauptgrund für Kreditausfälle.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |