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Banken, nicht Staaten : Was die EZB gerade wirklich tut

Mächtige Währungshüter: Im Dezember hat die Europäische Zentralbank beschlossen, ihre Wertpapierkäufe zu verändern. Bild: dpa

Die Euro-Währungshüter haben im Dezember beschlossen, mehr Papiere mit kurzen Laufzeiten zu kaufen und gleichzeitig das große QE-Programm ab April zu verringern. Was dahintersteckt, schätzen die Anleger richtig ein. Eine Erklärung.

          Am Anleihemarkt haben die Teilnehmer die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) vom vergangenen Dezember richtig bewertet: Die Ausweitung der Anleihekäufe auf sehr kurze Laufzeiten entsprach einer Senkung des kurzfristigen Leitzinses. Die Absicht, ab April das Volumen der monatlichen Anleihekäufe von 80 auf 60 Milliarden Euro zu reduzieren, zeigte die Bereitschaft der EZB, gleichzeitig die langlaufenden Zinsen steigen zu lassen.

          Die Absicht der EZB bestand darin, den Abstand zwischen den kurz- und den langfristigen Zinsen zu vergrößern. Dies ist eine Entscheidung im Interesse der Banken gewesen, die von einer steigenden Zinsdifferenz profitieren.

          Daher sind die Klagen der Banken über die Geldpolitik zwar nicht verschwunden, aber deutlich leiser als im Jahre 2016. Die Freude der Banken über die größere Zinsdifferenz lässt sie daher auch nicht mehr lauthals nach kräftigen Erhöhungen des kurzfristigen Zinses rufen.

          Die Banken interessieren die EZB derzeit mehr als die Staaten. Deshalb liegen bisher jene falsch, die einen Anstieg der langfristigen Zinsen wegen der höheren Finanzierungskosten der Staaten für unmöglich hielten.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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