02.12.2004 · Der Stellenabbau stößt nicht nur auf positive Resonanz. Der Kurs der Deutschen Bank blieb deutlich hinter der Gesamtentwicklung des deutschen Aktienmarkts zurück. Für 2005 aber erwarten Analysten positive Auswirkungen.
Der am Mittwoch beschlossene Stellenabbau bei der Deutschen Bank wird an der Börse überwiegend positiv gewertet. So hat Andreas Weese, Bankanalyst der Hypo-Vereinsbank, in einer Studie zu der Aktie die Empfehlung „Überdurchschnittlich“ bekräftigt. Peter Thorne von der Schweizer Privatbank Pictet hat sein Urteil nach Bekanntgabe des Abbaus von 2000 Stellen im Inland von „Neutral“ auf „Kaufen“ erhöht.
Trotz dieser günstigen Reaktionen blieb der Kurs der Deutschen Bank am Donnerstag deutlich hinter der Gesamtentwicklung des deutschen Aktienmarkts, gemessen am Deutschen Aktienindex Dax, zurück. Die Marktteilnehmer kritisieren vor allem, daß die Deutsche Bank weder die angestrebte Kostensenkung noch den Mehraufwand, der durch den Stellenabbau entsteht, beziffert hat.
Positive Auswirkung erst 2005
Die Analysten sind darauf angewiesen, selbst grobe Schätzungen vorzunehmen. „Auch wenn sich die Bank noch nicht zu der Frage von Restrukturierungsmaßnahmen geäußert hat, rechnen wir mit einer Verbuchung von 40 Millionen Euro 2004 im Zusammenhang mit den angekündigten Kürzungen im Inland“, erwartet Weese und legt dieser Schätzung ein halbes Jahresgehalt Restrukturierungsaufwand zugrunde.
Zwar wird das Ergebnis in diesem Jahr durch den Stellenabbau belastet, aber für das kommende Jahr rechnen die Analysten mit einer positiven Auswirkung auf das Ergebnis je Aktie - und vor allem auf die Eigenkapitalrendite. Letztere ist bei der Deutschen Bank im Vergleich zu den übrigen europäischen Finanzaktien der Schwachpunkt. Direkte Konkurrenten wie Credit Suisse, UBS, Barclays, HSBC oder ABN Amro schaffen Eigenkapitalrenditen nach Steuern, die 50 bis mehr als 100 Prozent über der Rendite liegen, die die Deutsche Bank schafft.
Keine Wachstumsperspektiven
Mit dieser Schwäche steht die Deutsche Bank in Deutschland nicht allein. „Im Vergleich zu Commerzbank und Hypo-Vereinsbank steht die Deutsche Bank gut da, im internationalen Vergleich aber nicht“, urteilt Dieter Hein, Bankenexperte beim Analysehaus Fairesearch in Frankfurt. Andere kritisieren, daß die Deutsche Bank keine Wachstumsperspektiven aufweise. Im Kapitalmarktgeschäft, das viele Monate lang hohe Gewinne abwarf, stünde als nächstes die Senkung von Kosten und Personalabbau im Fokus.
„Im europäischen Vergleich kommen die deutschen Banken äußerst ungünstig weg“, lautet Heins Einschätzung. An dieser Einschätzung ändert sich auch mit Blick auf das kommende Jahr nichts. Denn während viele deutsche Banken an der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit mit hohen Beständen an Problemkrediten arbeiten, laufen französische Banken auf Touren. So schaffte die BNP Paribas einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro netto im dritten Quartal und die Société Générale einen Nettogewinn von knapp 800 Millionen Euro, während die Commerzbank für das dritte Quartal überraschend einen Verlust von 208 Millionen Euro auswies.
Spekulation auf eine Ertragswende
Bei der Commerzbank immerhin ließ der Rückzug aus dem Investmentbanking die Hoffnung aufkommen, nun könne auf eine Ertragswende spekuliert werden. So fielen die Kommentare vieler Analysten auf die Zusammenführung von Kapitalmarktaktivitäten und Firmenkundengeschäft positiv aus. Pictet zeigte sich zuversichtlich, daß die Commerzbank ihr Ziel einer Eigenkapitalrendite von 10 Prozent bis 2006 schaffen werde. Auch Merrill Lynch empfahl die Aktie zum Kauf. Und Jörn Kissenkötter von M. M. Warburg hatte zwar die Ergebnisschätzung für dieses Jahr um 40 Prozent auf 0,59 Euro je Aktie gesenkt, aber gleichzeitig die Prognose für 2005 und 2006 um 5 und 7,5 Prozent angehoben. Das klingt bescheiden, gemessen an den Übernahmespekulationen, die vor einem Jahr die Runde machten.
Aber Bankenpräsident Rolf Breuer hatte kürzlich darauf verwiesen, daß es für Banken derzeit in Asien attraktivere Investitionsmöglichkeiten als in Europa gebe. In einem Umfeld, das den Banken nicht in die Hände spielt, geben die Investoren Aktien den Vorzug, die in einem klar umrissenen Geschäftsfeld aktiv sind und darin hohe Margen zu erzielen. So haben die BNP Paribas oder die Société Générale in diesem Jahr gut 7 Prozent zugelegt. Die Analysten trauen den beiden Banken zu, die Position in ihrem Heimatmarkt auszubauen. Zudem durchlitt der Finanzsektor in Frankreich seine große Krise in den neunziger Jahren. Heute ist diese - im Gegensatz zu Deutschland - überwunden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |