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Banken Anleger spekulieren auf Bankenfusionen

26.03.2007 ·  Für die Aktionäre der meisten europäischen Banken glichen die vergangenen Wochen einem Wechselbad der Gefühle. Doch mit der Aussicht auf grenzüberschreitende Großfusionen hat die europäische Bankenbranche zuletzt die Gunst der Anleger zurückgewonnen.

Von Daniel Schäfer
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Mit der Aussicht auf grenzüberschreitende Großfusionen hat die europäische Bankenbranche zuletzt die Gunst der Anleger zurückgewonnen. Getrieben von Übernahmespekulationen sind die Kurse vieler Bankenwerte in der vergangenen Woche kräftig gestiegen.

Der Auslöser dafür sind die Verhandlungen zwischen der niederländischen ABN Amro und der britischen Barclays, die im Erfolgsfall in den bislang größten grenzüberschreitenden Bankenzusammenschluss Europas münden könnten. Fachleute warnen allerdings davor, auf eine Übernahmewelle in dieser Branche zu wetten, zumal die Risiken für einen Kursrückschlag aus dem laufenden Geschäft der Banken zunehmen.

Für die Aktionäre der meisten europäischen Banken glichen die vergangenen Wochen einem Wechselbad der Gefühle: Zuerst drückten Sorgen darüber, die Krise auf dem amerikanischen Markt für Hypothekenkredite mit schlechter Bonität (“Subprime“) könnten auf die gesamte Immobilienwirtschaft durchschlagen und die Renditen der Banken belasten, die Kurse. Doch vor einer Woche schienen die Befürchtungen wie weggewischt: Die Ankündigung der Gespräche zwischen Barclays und ABN Amro trieb die Aktienkurse der gesamten Branche nach oben.

Isländische Banken zählen zu den größten Gewinnern

Nach schlechten Zahlen aus dem amerikanischen Immobilienmarkt gewannen allerdings am Montag die Pessimisten wieder die Oberhand. Trotz dieses Rückschlags hat der Branchenindex Stoxx Banks, der die wichtigsten europäischen Finanzwerte umfasst, in den vergangenen fünf Tagen ein Plus von 2,9 Prozent verbucht.

Seit Jahresbeginn schneiden die Banken dennoch vergleichsweise schlecht ab. Während der Stoxx Banks gerade einmal um 0,2 Prozent gestiegen ist, weist der breit gefasste Aktienindex Stoxx 600 ein Plus von 2,6 Prozent aus.

Der größte Gewinner seit Jahresbeginn ist ABN Amro, deren Kurs nach Meldungen über mögliche Gegenofferten der Royal Bank of Scotland und der amerikanischen Citigroup am Montag auf rund 33 Euro weiter stieg. Arturo de Frias, Analyst von Dresdner Kleinwort, hält für möglich, dass Barclays ein Gebot in Höhe von rund 35 Euro je Aktie unterbreiten könnte und sieht daher weiter Luft nach oben. Skurrilerweise zählen auch einige isländische Banken wie Kaupthing, Landsbanki und Glitnir Banki zu den größten Gewinnern dieses Jahres, was offenbar mit einer umstrittenen Heraufstufung durch die Ratingagentur Moody's zu erklären ist.

„Es wird keine Springflut von Fusionen geben.“

In den vergangenen Tagen pickten sich die Anleger weitere Übernahmekandidaten heraus. Beispielsweise stiegen die Kurse der Banken Fortis, Dexia und KBC, die angeblich von der niederländischen Finanzgruppe ING beäugt werden. Auch die griechische Alpha Bank, die italienische Mediobanca und der deutsche Dauerbrenner unter den Übernahmekandidaten, die Commerzbank, gewannen kräftig an Wert. Letztere kam in den vergangenen Tagen sogar ihrem langjährigen Hoch von knapp 34 Euro sehr nahe, verlor am Montag jedoch fast 3 Prozent an Wert.

Analysten warnen vor einer zu einseitigen Wette auf Übernahmen. Zwar sind die Großbanken in Ländern wie Großbritannien, Spanien oder den Niederlanden an kartellrechtliche Wachstumsgrenzen gestoßen und schauen sich schon seit längerer Zeit im Ausland um. Beispielsweise kaufte die spanische Santander in Großbritannien Abbey National und expandierte gleichzeitig in Lateinamerika.

„Der Druck auf die europäischen Banken wird nun natürlich steigen“, sagt Konrad Becker von Merck Finck & Co. „Aber es wird keine Springflut von Fusionen geben.“ Sollte es zu weiteren Großübernahmen kommen, werden diese nach Ansicht Beckers nicht in Deutschland stattfinden. Die Commerzbank sei aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Rendite uninteressant. Um selbst als Jäger aufzutreten, sei die Bank dagegen zu klein, während die Deutsche Bank erklärtermaßen keine Großübernahmen angehen wolle.

Viele Banken auf der Suche nach Kaufgelegenheiten

Die Analysten von Merrill Lynch sind ebenfalls dagegen, die Fusionsphantasien zu sehr auszureizen. Das Volumen der europaweiten Übernahmen und Zusammenschlüsse sei in dieser Branche im vergangenen Jahr auf 100 Milliarden Euro gestiegen. Zwar entspreche dies relativ zur Marktkapitalisierung weniger als der Hälfte des im Jahr 2000 gemessenen Rekords.

Ebenso gebe es viele Banken, die auf der Suche nach Kaufgelegenheiten seien. Doch diesen stehe nur eine sehr kleine Zahl an verkaufswilligen Banken gegenüber, sagt Analyst Stuart Graham von Merrill Lynch. Sollte das Gewinnwachstum der Banken in diesem Jahr wieder sinken, was insbesondere bei den Investmentbanken nicht unwahrscheinlich sei, dann würden sich auch potentielle Käufer rasch wieder zurückziehen.

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