10.08.2007 · Die Aktien europäischer Banken sind wiederum eingebrochen. Schuld ist vor allem die verschärfte Liquiditätskrise auf den Finanzmärkten. Angesichts der extremen Nervosität dort empfehlen Analysten den Anlegern abzuwarten.
Die sich verschärfende Liquiditätskrise auf den Finanzmärkten hat die Aktien europäischer Banken am Freitag den zweiten Tag in Folge einbrechen lassen. Kursverluste großer Banken wie Barclays, Société Générale und BNP Paribas von bis zu 7 Prozent rissen den europäischen Branchenindex Stoxx Banks um mehr als 3 Prozent ins Minus. In Deutschland stürzten Aktienkurse von Schwergewichten wie der Deutschen Bank und der Commerzbank abermals um mehrere Prozentpunkte ab. Angesichts der extremen Nervosität an den Märkten empfehlen Analysten den Anlegern abzuwarten.
Seit Jahresbeginn ist der Stoxx Banks um mehr als 6 Prozent gefallen, der breiter gefasste Branchenindex für Finanzdienstleister gar um mehr als 11 Prozent. Für Verunsicherung hatte die Nachricht gesorgt, dass die Notenbanken rund um den Globus mit viel Kapital auf dem Geldmarkt eingegriffen haben. Händler sprachen davon, dass sich die Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt zu einem Liquiditätsengpass bei den Banken ausgeweitet habe. Außerdem lasteten Gerüchte über mögliche Schieflagen weiterer Banken auf den Kursen. Diese Marktreaktionen seien aber überzogen, meint Thomas von Lüpke von der Ratingagentur Fitch. „Das ist eine gesunde Korrektur, die ungesund schnell verläuft.“
Krise hält nicht an und beeinflusst Erträge nicht
Beobachter halten das Ausmaß der Kursstürze für weitaus heftiger als die tatsächlichen wirtschaftlichen Folgen der Kreditkrise für die Banken. Die Panikreaktion an den Märkten hat dazu geführt, dass zwischen den auf fundamentalen Daten fußenden Einschätzungen der Analysten und den Kurscharts der Bankaktien Welten klaffen: Beispielsweise gibt es derzeit von den fast 50 auf Bloomberg gelisteten Analysten nur einen einzigen, der für die Deutsche Bank ein Kursziel ausgibt, das unter dem jetzigen Kurs von knapp 96 Euro liegt.
In den Einschätzungen spiegele sich die Prognose, dass die Krise nicht anhalten werde und sich nicht auf die Erträge der Banken durchschlage, sagt Dieter Hein, Analyst der unabhängigen Fairesearch. Dies sei zuletzt auch durch entsprechende Aussagen der Deutschen Bank und der Commerzbank untermauert worden, die beide von einem guten Handelsgeschäft im Juli berichtet hatten.
Banktitel auch weiterhin im Depot behalten
„Wir sehen uns für den Fall anhaltender Marktstörungen gut gerüstet“, hatte CommerzbankFinanzvorstand Eric Strutz am Donnerstag gesagt. Hein rät dennoch nicht zum Kauf von Bankwerten. „Momentan empfehle ich Privatanlegern nicht, in Aktien von Finanzunternehmen einzusteigen“, sagt er. Der Markt sei derart volatil und unsicher, dass die kurzfristigen Risiken für Kleinanleger nicht zu überschauen seien. Wer Banktitel im Depot habe, der solle sie weiter halten, empfiehlt Hein.
Analysten gehen davon aus, dass in den nächsten Tagen und Wochen weitere Fondsschließungen drohen und manche Bank weiteren Abschreibungsbedarf haben werde. Außerdem droht jenen Banken, die stark im Geschäft mit strukturierten Produkten und Kreditverbriefungen engagiert sind, im dritten und vierten Quartal der Ausfall von Neugeschäft.
Nebenwerte unter den Banken besonders gebeutelt
Andererseits sind die Bankaktien durch die Turbulenzen an den Kreditmärkten derzeit so günstig bewertet wie zuletzt vor mehr als einem Jahrzehnt. Die Titel des Morgan Stanley Capital International World Financials Index, der Unternehmen wie Citigroup oder die niederländische ING Groep umfasst, haben im Durchschnitt derzeit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11. Dies ist der tiefste Stand, seit die Erhebung der Daten im Januar 1995 begann. Damit ist die Bankenbranche auch die am niedrigsten bewertete in der Indexwelt von Morgan Stanley. Am Anfang des Jahres lag das KGV der Bankentitel noch bei 13.
Besonders gebeutelt hat es die Nebenwerte unter den Banken. Allen voran der Kurs der in eine Schieflage geratenen IKB Deutsche Industriebank, der am Freitag abermals sank und sich damit binnen zwei Wochen halbiert hat. Derweil hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ein Ermittlungsverfahren wegen des Beinahe-Zusammenbruchs der IKB eingeleitet. Dabei geht es um den Verdacht der Untreue sowie von Falschangaben nach dem Aktiengesetz.
Verläuft eigentlich sehr langsam
Michael Warreyn (DerHerrW)
- 12.08.2007, 16:12 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |