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Bank-Aktien Anleger stürmen die Bank

16.11.2003 ·  Commerzbank und UBS haben in der letzten Woche überrascht. Das bestätigt den Trend: Mit Bankaktien läßt sich wieder Geld verdienen.

Von Dyrk Scherff
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100 Prozent Kursgewinn seit Januar - das ist ein Wort. Die Commerzbank gehört damit zu den besten Bankaktien des Jahres. Und sorgte in der abgelaufenen Woche abermals für positive Nachrichten. Mit einmaligen Abschreibungen von 2,3 Milliarden Euro und einer Kapitalerhöhung befreit sich das Institut von Altlasten und macht sich fit für die Zukunft. Die Börsianer applaudieren. Wie schon am Vortag, als die Schweizer UBS das beste Quartalsergebnis seit Jahren vorlegte. Beides zeigt: Die Branche ist im Aufwind. Analysten raten weiter zum Einstieg.

"Die Aktienkurse des Sektors werden den Gesamtmarkt in den kommenden Monaten um mindestens zehn Prozent übertreffen", erwartet zum Beispiel Metehan San, Bankanalyst von Sal. Oppenheim. Die Klagelieder aus dem vergangenen Jahr, als viele Institute Rekordverluste vorlegten, gehören damit der Vergangenheit an. Schmerzhafte Kostensenkungen und die Aussicht auf eine wirtschaftliche Belebung 2004 lassen die Banker hoffen. Denn wenn es der Industrie wieder bessergeht, fallen weniger Kredite aus, die Banken müssen weniger Risikovorsorge betreiben, und Geld wird frei. Steigen im Aufschwung die Investitionen, werden sogar mehr Kredite nachgefragt. Und Fusionen und Übernahmen kommen in Gang, wovon die Investmentbanken profitieren. Schließlich wird die Geldanlage wieder interessanter. Dann kommen auch die Privatanleger zurück - auch das freut die Banken. Vieles hängt also vom Aufschwung ab, bleibt er aus, geht es auch den Instituten schlechter. Aber das nimmt derzeit fast keiner an.

Restrukturierungen greifen

Besonders gut entwickelten sich bisher die Aktien von Banken, die besonders tief gefallen waren und dann kräftig restrukturiert haben. Die Commerzbank ist ein gutes Beispiel dafür. "In Zukunft werden aber eher Banken interessant sein, die in Wachstumsregionen aktiv sind, von einem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren oder im Aktien-Investmentbanking und der Vermögensverwaltung stark sind", sagt Georg Kanders, zuständiger Analyst der Westdeutschen Landesbank. Einer seiner Favoriten ist die UBS. Die Schweizer seien in der Vermögensverwaltung weltweit führend und im Investmentbanking stark im Aktiengeschäft. Im Gegensatz zur Deutschen Bank, die Schwierigkeiten im Privatkundenmarkt habe und im Investmentbanking sehr viele Erlöse im Rentenbereich erziele, der für 2004 als weniger aussichtsreich gilt. Auch die Commerzbank sieht Kanders weiter positiv, auch wenn er seine aktuelle Empfehlung überprüft. Denn die Kapitalerhöhung habe den Wert der Aktien verwässert.

Die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme der Commerzbank durch eine andere Bank beziffert er auf ungefähr 30 Prozent. Zwar sei die Bilanz nach den Abschreibungen aufgebessert. Aber die Rendite des Eigenkapitals ist im internationalen Maßstab gering. Auf der Empfehlungsliste steht zudem die Bank of Ireland, die von den hohen Wachstumsraten der irischen Wirtschaft profitieren könnte. Kanders traut der Aktie in den kommenden sechs Monaten einen Anstieg von derzeit 10,60 auf 14,20 Euro zu.
Auf Regionen mit hohen Steigerungsraten setzt auch Metehan Sen und hat dabei neben Osteuropa auch Nord- und Südamerika sowie Asien im Blick. Interessant sei die Hypo-Vereinsbank mit ihrer Tochtergesellschaft Bank Austria, die in Polen, Ungarn, Slowakei und Bulgarien gut positioniert seien. In den kommenden neun bis zwölf Monaten könne die Aktie von derzeit 18,70 bis auf 23 Euro klettern. Die Societe Generale engagiere sich stark in Tschechien, die italienische Unicredito in Polen. Und die belgische KBC profitiere von ihrem Fokus auf Ungarn und Polen. Die spanischen Banken Santander und BBVA schließlich erwirtschafteten hohe Erlöse in Lateinamerika und Mexiko.

Inestmentbanking bevorzugt

Sen bevorzugt daneben ebenfalls Banken mit größerem Geschäft im Investmentbanking und favorisiert dabei wie Kanders die UBS. Die Societe Generale habe durch ihre Konzentration auf Derivate auch hier Vorteile. Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler sieht das genauso. Für ihn könnte zudem die BNP Paribas künftig eine interessante Aktie werden. Denn sie dürfte von den geplanten Privatisierungen in Frankreich profitieren, bei denen sie wahrscheinlich einige Betreuermandate bekommt. Die im vergangenen Jahr arg gebeutelten Commerzbank und Hypo-Vereinsbank würden durch den erhofften Aufschwung in Deutschland begünstigt. Allerdings sollten Anleger künftig eher auf die Marktführer und Qualitätsbankwerte setzen. Hoymann: "Die Restrukturierungsgeschichte ist weitgehend vorbei. Interessant ist jetzt die Frage: Wer holt am meisten Geschäft herein, und wer gewinnt Marktanteile?"

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.11.2003, Nr. 46 / Seite 49
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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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