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Automobilbranche Maues Europa-Geschäft belastet Aktien der französischen Autobauer

09.09.2005 ·  Französische Autos haben schon immer vom angebotenen Komfort gelebt. Dieses Konzept geht aber nur in Europa richtig auf - und da tun sich Peugeots, Renaults und Citroen derzeit eher schwer.

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Das Anfang des Jahres heiß diskutierte Thema Rußfilter haben die deutschen Hersteller, allen voran VW verschlafen und sich zulange auf öffentliche Protektion verlassen. Davon profitierten in Westeuropa und Deutschland vor allem die französischen Hersteller. Das meinten zumindest Branchenkenner.

Doch die Enttäuschung war um so größer. Tatsächlich fielen die Gewinne - ganz besonders bei Peugeot, die gerade in Deutschland mit Rabatt- und Marketingaktionen ihren Marktanteil bei Diesel noch weiter auszubauen versuchten. Doch unter dem Strich ist davon nicht viel hängengeblieben. Die Umsätze legten im zweiten Quartal zwar wieder zu und dürften in der zweiten Jahreshälfte dank der neuen Modelle weiter steigen. Doch Europas zweitgrößter Autohersteller kämpft mit steigenden Rohstoffpreisen, die ihm einen Gewinnrückgang von 858 Millionen auf 681 Millionen Euro bescherten.

Rohstoffkosten rauf, Absatz runter

Auch Renault leidet operativ unter einem Ergebnisrückgang und sinkenden Margen - nicht zuletzt wegen steigender Stahlpreise. Im Autogeschäft brach der operative Gewinn für Renault im ersten Halbjahr bei steigenden Umsätzen um fast ein Viertel ein. Das operative Ergebnis rutschte um 23,4 Prozent von 884 auf 677 Millionen Euro.

Doch die Belastung durch hohe Rohstoffkosten ist nicht alles. Denn die massiven Probleme bei Volkswagen und Daimler-Chrysler bestehen ja nicht erst seit heute. Sie zeigen sich aber in einem schwächeren Marktumfeld nur allzu deutlich. Genau diese macht auch den Franzosen zu schaffen. Das Wachstum in Europa bleibe weiter „lustlos“, läßt sich aus der Peugeot-Konzernzentrale vernehmen. Dadurch ließen sich Belastungen durch höhere Rohmaterialkosten nicht wettmachen - auch nicht durch die Markteinführung neuer Modelle wie den 407, den 1007 und 107 sowie den Citroen C4 und C1, die bereits ein Viertel der Umsätze im Europageschäft ausmachen.

Nicht anders bei Renault: Der Absatz der Megane-Reihe in Westeuropa ging im ersten Halbjahr gegenüber 2004 um 6,5 Prozent zurück. Das schlug heftig durch, denn der Megane generiert immerhin zwei Drittel des Konzerngewinnes. Besserung ist auf diesem Markt nicht in Sicht. Die Renault-Modellreihen gelten als teilweise veraltet. Zwar soll der neue Clio noch im laufenden Jahr auf den Markt kommen, doch der neue Twingo wird erst 2007 zu kaufen sein.

Das rettende japanische Bein

Wohl dem also, der wie Renault auch noch andere Standbeine sein eigen nennt. Die Rettung für den Konzerngewinn kam aus Japan. Denn unter dem Strich stieg der Konzerngewinn bei Renault um 54 Prozent - dank der 44-Prozent-Beteiligung am japanischen Hersteller Nissan.

Wie die anderen japanischen Autobauer hat sich auch für Nissan Amerika zum lukrativsten Absatzmarkt entwickelt. Inzwischen kommen die Autobauer aus dem Land der aufgehenden Sonne auf einen Marktanteil in den Vereinigten Staaten von über 30 Prozent. Zugleich bauen die Japaner auch mit Blick auf den Wechselkurs ihre Produktionskapazitäten vor Ort weiter aus. Bei Nissan entfallen bereits 70 Prozent des in den Vereinigten Staaten erzielten Umsatzes auf die lokale Produktion.

Besonders die sportlichen Nissan-Modelle Pathfinder und Murano sowie die Limousinen Altima und Sentra verkauften sich gut, so daß Nissan im ersten Geschäftsquartal den operativen Gewinn steigern konnte. Zwar sanken die Verkäufe in Europa um vier Prozent, doch kann Nissan das verkraften, machen die Umsätze in dieser Region doch nur 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Und der stieg in allen anderen Regionen um rund 19 Prozent.

Das Unternehmen steigerte den operativen Gewinn im ersten Geschäftsquartal um 10,7 Prozent auf 206,26 Milliarden Yen (1,53 Milliarden Euro) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn sank indes um 14,2 Prozent auf 105,70 Milliarden Yen aufgrund von Änderungen in der Rechnungslegung und bei den Betriebsrenten. Zwar machen die Rohstoffkosten auch Nissan Sorgen, doch glaubt man dies ausgleichen zu können.

Peugeot fehlen die Partner

Auch Peugeot setzt seine Hoffnung vor allem auf einen höheren Absatz außerhalb Europas. Indes ist man dort bislang nicht so erfolgreich, auch weil PSA Peugeot Citroen die starken lokalen Partner und Marken fehlen, wie sie Renault mit Nissan und in Osteuropa mit Dacia hat. Große Hoffnungen hat Renault daher für den Logan, besonders in Schwellenländern. Peugeot macht dagegen in China und Südamerika bislang Verluste. Dabei zeigt das Unternehmen ein „Franzosen-Problem“. Denn ein guter Teil der Gewinne geht auf den Umsatz mit Sonderausstattung zurück, die auf den Auslandsmärkten nicht so stark nachgefragt wird wie im umsatzschwachen Westeuropa.

Die Enttäuschung der Märkte war groß. Die Peugeot-Aktie, die seit Oktober 2004 tendenziell seitwärts gelaufen war, hatte im Vorfeld der Zahlen seit Mai rund zwölf Prozent zugelegt. Konsequent gab sie nach Vorlage der Zahlen erst einmal drei Prozent ab - trotz eines KGVs von acht. Erst bessere Absatzzahlen auf dem französischen Markt im August vermochten das Papier in den vergangenen Tagen wieder aus dem Abwärtstrend zu reißen - gerade noch rechtzeitig, um Hoffnungen zu entfachen, daß die Aktie den langfristigen Aufwärtstrend, den sie Ende 2003 eingeschlagen hat, wieder fortsetzen kann.

Auch Renault, mit einem KGV von sechs günstiger bewertet, setzten ihre im Dezember begonnene Rally im Juli nicht weiter fort und konnten kein neues Allzeithoch verbuchen. Nach guten Absatzzahlen aus Spanien aber hat sich die Aktie wieder erholt und scheint ihren Aufwärtstrend von neuem aufnehmen zu können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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