09.09.2005 · Im Rennen um die besten Plätze in der Automobilbranche werden die Positionen neu verteilt. Dabei haben die Japaner die besseren Karten als Deutsche und Franzosen. Es sei denn, Schrempps Rücktritt beflügelt Daimler-Chrysler endlich wieder.
Mercedes ist der Stern, der über der deutschen Automobilwelt leuchtet. Das wollten zumindest einige Leute lange glauben. Doch was macht man mit einem Konzern, der ein gut funktionierendes Markenprodukt hat, das seinen Markt im wesentlichen durchdrungen hat?
Vor dieses Problem sahen sich die Chefs des Daimler-Konzerns in den letzten Jahrzehnten stets gestellt. Edzard Reuter wollte Daimler zum Mischkonzern umbauen und kaufte so alles Mögliche dazu. Vom Glück war er nicht gerade verfolgt und so fiel es seinem Nachfolger Jürgen Schrempp zu, Beteiligungen wie Debis oder AEG loszuwerden.
Chronologie einer Misere
Schrempp träumte vom weltumspannenden Automobilkonzern und ging auf Einkaufstour - dabei war er letztlich genauso wenig erfolgreich wie sein Vorgänger. Die Fusion mit Chrysler war zunächst ein finanzielles Debakel, führte zu Prozessen, viel Unmut und ließ eine imagemäßige Delle zurück. Bei Mitsubishi mußte man sich gleichfalls mit erheblichen Beulen und mehr als nur Blechschaden zurückziehen, ebenso von Hyundai.
Im Jahr 2000 mußte Eckhard Cordes die defizitäre Nutzfahrzeugsparte sanieren. Der Smart wurde zum Sanierungsfall und schließlich geriet auch noch die Mercedes Car Group in die Krise. Im ersten Quartal dieses Jahres sorgte der einstige Fels in der Brandung für Verluste von beinahe einer Milliarde Euro.
Im zweiten Quartal sackte der Betriebsgewinn um 20 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro ab - selbst wenn man die Sanierung von Smart außen vorläßt, waren es noch weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Mercedes Car Group konnte aufgrund von modellzyklusbedingten Absatzrückgängen den Absatz des Vorjahres nicht erreichen. Und die erfolgsverwöhnte Mercedes Car Group litt unter Wechselkurseffekten, auch Rohstoffpreise und die Anlaufkosten der neuen M-Klasse. Immerhin erreichte sie die Trendwende.
Auch der Wechsel geht nicht ohne Krise
Eines muß man Daimler-Chrysler lassen. Im Unterschied zu VW reagiert der Konzern sofort mit wirkungsvollen Maßnahmen - zwar erst, wenn das Kind schon im Brunnen liegt, aber immerhin hat er sie bisher noch alle wieder herausgeholt. Sogar wenn es „Toll Collect“ heißt. Auch Chrysler hat sich gefangen, verbucht Betriebsgewinne und schlägt sich beim Fahrzeugabsatz im umkämpften amerikanischen Markt wacker. Im Juli stiegen die Verkäufe des Konzerns um 25 Prozent. Der Absatz der Marke Mercedes stieg um zehn und der von Chrysler um 27 Prozent.
Zu den drastischen Reaktionen gehörte auch der Abschied von Jürgen Schrempp. Endlich, möchte man fast sagen. Sein Nachfolger ist Dieter Zetsche - der Mann, der Chrysler sanierte. Das gibt den Anlegern Hoffnung. In der Folge kletterte die Daimler-Chrysler-Aktie um 16 Prozent. Doch Daimler wäre nicht Daimler, wenn damit nicht gleich wieder Ärger verknüpft gewesen wäre. Insiderhandel lauten die Vorwürfe - einige hätten von Schrempps Abgang schon früher gewußt. An der Börse sind alle gleich, nur wenige sind gleicher.
Der britische Analysten Stephen Pope von Cantor Fitzgerald faßt die Ära Schrempp so zusammen: „Unter seiner Leitung ist die Ikone Mercedes-Benz entwertet worden. Die finanzielle Disziplin im Konzern ist verloren gegangen, weil man eine Menge Geld in Chrysler gepumpt hat. Der Entschluß, Chrysler zu kaufen, war von vornherein kein großer Erfolg.“
Genug Arbeit für Dieter Zetsche
Mittlerweile hat bei der Aktie die Konsolidierung eingesetzt. Nicht zuletzt, weil die Aktie derzeit mit einem KGV von 17 ziemlich hoch bewertet ist. Damit das Bewertungsniveau auf realistischere Dimensionen wie die für das kommende Jahr prognostizierten 12,3 reduziert wird, muß Zetsche auch noch einige Probleme lösen. Im zweiten Quartal lagen die Mercedes-Verkäufe mit 97.500 Stück erstmals seit über einem Jahrzehnt unter denen des Hauptkonkurrenten BMW von 109.600.
Auch die Verkäufe der BMW-Gruppe einschließlich Mini und Rolls-Royce lagen über denen der Mercedes Car Group mit Smart und Maybach. Schuld daran sind veraltete Modelle und die bekannten Qualitätsprobleme, die im Zuge der Sanierung behoben werden sollen - Ausfälle der Elektrik und der Bremsen führten zu einem Rekordrückrufaktion von 1,3 Millionen Autos.
In der letzten Erhebung des Automarkenindex des ADAC AutoMarxX mußte Mercedes den Platz eins an BMW abgeben. Den zweiten Platz muß sich Mercedes auch noch mit Audi teilen. Schwächere Verkaufzahlen, aber vor allem ein schlechteres Abschneiden in der Kategorie Techniktrends ließen Mercedes rutschen.
Bei Markenimage und Fahrzeugqualität liegt man zwar immer noch vorne, doch bei der Kundenzufriedenheit steht man gemeinsam mit Marken wie Fiat, Land Rover - und Chrysler - auf dem vorletzten Platz vor VW. Und nach einer Umfrage der Marktforschungsgesellschaft Puls unter 2.000 Neuwagenkäufern wurde Toyota am häufigsten weiterempfohlen, wohingegen Mercedes es noch nicht einmal unter die Top Ten schaffte.
Warten auf positive Zeichen
Ob Zetsche wird glücklicher agieren können als sein Vorgänger, hängt auch vom Aufsichtsrat ab, dem für die Talfahrt ein gerüttelt Maß an Mitschuld zugewiesen wird, namentlich der ehemalige Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper, ein Duzfreund Schrempps. Den Rest des Aufsichtsrates bezeichnete die Zeitschrift „€uro“ als „Kopper-hörige Fehlbesetzung“ - kein einziger Autoexperte sei darunter, dafür der Präsident des Baseballteams San Francisco Giants.
Das Unternehmen erneuert nun die M- und S-Klasse und bringt mit der R-Klasse eine große Version der B-Klasse eines kompakten Sport-Touringwagen. Smart soll 2007 die schwarzen Zahlen erreichen. Daß Daimler-Chrysler trotzdem noch immer dabei ist, sich aus einer Krise herauszuarbeiten, zeigt nichts deutlicher als die Tatsache, daß Pläne für einen deutlichen Stellenabbau bestätigt wurden, obwohl betriebsbedingte Kündigungen in den deutschen Werken nach dem geltenden Beschäftigungspakt bis 2012 ausgeschlossen sind.
Charttechnisch sieht es noch gut aus. Die 40-Euro-Marke wurde geknackt und jetzt ist eigentlich Platz nach oben bis 50 Euro. Aber irgendwie trauen die Anleger dem ganzen nicht so und so ist die Aktie wieder ins Driften geraten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |