14.04.2007 · So viel Dividende wie in diesem Jahr haben die Dax-Konzerne noch nie ausgeschüttet. An vielen Zertifikatekäufern geht der warme Dividendenregen allerdings vorbei - auf den ersten Blick zumindest. Sie müssen jedenfalls einiges beachten.
Auf viele Aktionäre wartet in diesem Jahr ein wahrer Dividendenregen. Für Zertifikatekäufer gilt es mit Blick auf die Ausschüttungen der Unternehmen einiges zu beachten. Und so mancher von ihnen geht - zumindest auf den ersten Blick - leer aus. Bei einigen Indexzertifikaten werden dem Anleger Dividenden ganz vorenthalten. Bei anderen Zertifikateformen verwenden Banken diese für den versprochenen Kapitalschutz und die Rendite.
Marktschätzungen zufolge dürften allein deutsche Unternehmen in diesem Jahr den Rekordwert von 35 Milliarden Euro für das Jahr 2006 ausschütten - gut ein Drittel mehr als im Vorjahr. Zu dieser Summe steuern die Gesellschaften aus dem Deutschen Aktienindex Dax (inklusive der Sonderausschüttung von Altana wegen des Verkaufs der Pharmasparte) rund 28 Milliarden Euro bei (siehe auch: Dividenden: Warmer Geldregen für die Aktionäre).
April und Mai sind die ertragreichsten Dividendenmonate. In dieser Zeit werden 90 Prozent der Dax-Dividenden ausgeschüttet. Während Aktionären die Dividenden automatisch zufließen, lohnt es sich für Zertifikateanleger, darauf zu achten, dass ihnen der Dividendensegen nicht entgeht. Und in Einzelfällen kann der Abschlag der Dividenden auch den Preis und die Funktionsweise von Zertifikaten beeinflussen. Die Produktprospekte informieren über die Behandlung der Dividenden. Ein Vergleich lohnt, für viele Basiswerte ist die Derivatepalette reichlich bestückt.
Auch Zertifikate auf Kursindizes können sinnvoll sein
Bei Indexzertifikaten haben Anleger die Wahl. Das Zauberwort für Dividendeninteressierte heißt „Performance-Index“. Hier werden alle Ausschüttungen in die Indexentwicklung mit eingerechnet. Der Dax ist ein solcher Performance-Index, daher nehmen Zertifikateinhaber mit einem Dax-Indexprodukt in der Regel automatisch an Dividendenzahlungen teil. Das lohnt sich durchaus, denn die Dividendenrendite der Dax-Werte liegt derzeit bei durchschnittlich rund 3 Prozent. Aber auch einige Zertifikate auf Performance-Indizes haben Haken und Ösen. Zum Teil fallen zusätzliche Gebühren an.
Anders verhält es sich bei Kursindizes wie dem EuroStoxx-50: Dividenden bleiben hier außen vor. Ein Kauf von Zertifikaten auf Kursindizes kann allerdings auch sinnvoll sein. „Wollen Anleger nur kurzfristig an Indexbewegungen teilhaben, dann sind solche Zertifikate häufig die bessere Wahl“, sagt Ralph Stemper von der Commerzbank: „Hier ist der Unterschied zwischen dem An- und Verkaufskurs der Papiere geringer als bei den Performance-Zertifikaten.“ Anders sehe es bei längerfristigen Investments aus.
Manche Zertifikate setzen auf das Dividenden-Thema
Bei einigen Zertifikaten steht das Dividenden-Thema sogar im Mittelpunkt. Viele dieser Wertpapiere beziehen sich auf den Dividenden-Dax (Div-Dax), den die Deutsche Börse vor rund zwei Jahren ins Leben gerufen hat. Er bildet die fünfzehn dividendenstärksten Titel des Dax ab. Auf diesen Index finden Anleger zahlreiche Anlagezertifikate und sogar spekulative Hebelprodukte. Neben normalen Indexzertifikaten, die die Wertentwicklung eins zu eins abbilden, gibt es auch sogenannte Outperformance-Papiere, die bei steigenden Aktienkursen eine Zusatzrendite versprechen sowie Bonus- und Discountprodukte.
Vergleichsweise neu am Markt sind die sogenannten Alpha-Zertifikate auf den Div-Dax, bei denen Anleger davon profitieren können, dass sich ein Basiswert besser entwickelt als ein anderer. Auch bei den Zertifikaten auf den Div-Dax oder andere Aktienkörbe aus dividendenstarken Aktien werden teilweise zusätzliche Gebühren erhoben, die Unterscheidung in Kurs- und Performanceindex fällt hier ebenfalls ins Gewicht.
„Im Regelfall passiert gar nichts“
Bei etlichen Zertifkateformen spielen Dividenden eine wichtige Rolle in der Finanzierung des Schutz-Rendite-Mixes. „Mit den Ausschüttungen werden die Optionen finanziert, die hinter vielen Zertifikaten stehen“, erläutert Stemper. Das ist der Fall bei vielverkauften Bonuszertfikaten, die vor Kursverlusten schützen und zugleich unbegrenzte Gewinnchancen bieten, aber ebenso bei Express- oder Outperformancepapieren und - zumindest teilweise - auch bei klassischen Discountzertifikaten, die den Kauf einer Aktie oder eines Index mit einem Abschlag ermöglichen. Je höher die Dividende, desto attraktiver können die Produktversprechen sein. Zertifikate auf Kursindizes wiederum bieten in der Regel bessere Konditionen als diejenigen auf Performance-Indizes.
Und wie wirkt der Dividendenabschlag auf den Zertifikatepreis? „Im Regelfall passiert gar nichts. Denn die Zertifikate sind in ihrer Berechnung an den Terminpreis gekoppelt, der die geschätzten Dividenden berücksichtigt, und nicht an den tatsächlichen Börsenkurs“, sagt Holger Bosse von der Deutschen Bank. Eine starke Kursreaktion sei nur zu erwarten, wenn ein Emittent in seiner Dividendenschätzung grob daneben liege, was aber eher selten geschehe.
Dividendenabschlag kann Schwellen verletzen
Der Preis ist allerdings nicht alles: Viele Zertifikate verfügen über Kursbarrieren, an die Garantieversprechen gekoppelt sind, wie die Zahlung eines Bonus zum Laufzeitende. Sinkt der Aktienkurs durch den Dividendenabschlag deutlich, dann können solche Schwellen verletzt und die Funktionalität des Zertifikats schnell ausgehebelt werden.
Ein Vorteil für die Zertifikatekäufer: Während Aktionäre ihre Dividendeneinnahmen auf jeden Fall zur Hälfte versteuern müssen - es sei denn, die Sparerfreibeträge werden nicht überschritten -, bleiben sie für Zertifikatebesitzer möglicherweise steuerfrei. Denn fließen sie in die Zertifikate ein, dann können sie bislang als Kursgewinne nach der einjährigen Spekulationsfrist bei vielen Produkten steuerfrei vereinnahmt werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |