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Immobilien : Wer bietet mehr fürs Haus?

Durch ein Bieterverfahren wird manche Eigentumswohnung doppelt so teuer wie vorher ausgewiesen. Bild: dpa

Der Boom am Immobilienmarkt wird immer wilder. Käufer treiben die Preise auf Auktionen in absurde Höhen. Das könnte auch Auswirkungen auf Mietpreise haben.

          Das Exposé klang gut, zu gut, jedenfalls bis zum vorletzten Satz. Die Zweizimmerwohnung, 55 Quadratmeter, Altbau in akzeptabler Lage, sollte 300 000 Euro kosten. Dann kam der entscheidende Hinweis: „Die Wohnung wird im Bieterverfahren angeboten. Zur Besichtigung erhalten Sie ein Formblatt zur Gebotsabgabe. Gebote ab 300 000 Euro haben die Chance auf Annahme durch den Verkäufer.“ Im Klartext: Der Kaufinteressent, der den besten Preis für diese Immobilie bieten würde, sollte sie bekommen.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das sei aber nicht zwingend so, beruhigte der Makler bei der Besichtigung. Der Eigentümer müsse nicht automatisch das beste Angebot annehmen, er könne sich auch für den sympathischsten Käufer entscheiden. Also bot Kathrin Bauer mit, 369 000 Euro waren ihr Gebot. Als sie es einreichte, machte der Makler sie dezent darauf aufmerksam, dass ein Interessent bereits 420 000 Euro geboten habe, ob sie sofort nachbessern wolle? Sie wollte nicht – und mehr konnte sie ehrlich gesagt auch nicht bieten. Am Ende wurde die Wohnung für 550 000 Euro verkauft. Viel Geld für einen renovierungsbedürftigen Altbau nahe einer Hauptverkehrsader, selbst in München. Sogar ein Gutachter hatte die Wohnung „nur“ auf maximal 400 000 Euro geschätzt.

          Bei einer anderen Wohnung teilte der Makler schon vor der offiziellen Besichtigung mit, ein Kaufinteressent biete bereits ungesehen 400 000 Euro für die 40-Quadratmeter-Wohnung. Daher mögen bitte nur diejenigen zum Termin erscheinen, die dieses Gebot toppen wollten. Danach schwor sich Kathrin Bauer, Annoncen mit Bieterverfahren künftig zu ignorieren. Der Wohnungsmarkt macht es ihr allerdings schwer.

          Mehr Bieterverfahren für Immobilien

          Inzwischen werden immer mehr Immobilien gegen Höchstgebot verkauft, nicht nur in München, auch in anderen deutschen Großstädten. „Bieterverfahren nehmen immer mehr zu, weil sie ein ideales Medium sind, eine hohe Nachfrage und ein geringes Angebot übereinander zu bringen“, findet Immobilienvermittler Rolf Ludwig Becker aus dem Raum Köln-Bonn. Bei Investitionsobjekten in Millionenhöhe oder seltenen Grundstücken sei das Verfahren schon immer gang und gäbe, sagt Thomas Aigner vom gleichnamigen Münchener Maklerunternehmen, bei öffentlichen Ausschreibungen sowieso, „also überall dort, wo Profis auf der Käuferseite stehen“. Nun aber sind es immer öfter Privatleute, die ganz normale Eigentumswohnungen gegen Gebot an andere Privatleute bringen.

          Das darf man schon erstaunlich finden, sagt Hartmut Schwarz, Immobilienexperte von der Verbraucherzentrale Bremen: „Früher wurden höchstens Top-Immobilien in 1A-Lage auf diese Weise verkauft.“ Die Jugendstilvilla an der Hamburger Elbchaussee etwa, von der niemand wirklich zu schätzen vermochte, was sie einem Liebhaber wohl wert sei. Zumal es nur wenige ernsthafte Nachfrager für sie gab.

          Die „Juwelen“ unter den Wohnimmobilien, so nennt es Makler Thomas Aigner, „im Kunstbereich landen ja auch nur die einzigartigen Dinge auf Auktionen“. Für solche schwer einschätzbaren oder schwer verkäuflichen Immobilien bündelte man üblicherweise die Kaufinteressenten mittels Auktionen. Inzwischen aber scheint in Metropolen jedes Einzimmerapartment Baujahr 1960 ein Juwel zu sein.

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