Auch Peter Dreide hat die Energiewende zur Chefsache erklärt. Der Vorstand des Investmenthauses TBF Global setzt in manchen seiner Fonds erfolgreich auf Aktien, die davon profitieren - für ihn sind sie einer der großen Zukunftsmärkte. Um das zu erkennen, braucht Dreide keinen Energiegipfel, wie ihn Angela Merkel am vergangenen Mittwoch im Kanzleramt abhielt. Stattdessen genügen dem TBF-Chef wenige Zahlen.
Zum Beispiel diese: Selbst nach konservativen Schätzungen sind allein in Deutschland für den Ausbau der Energienetze und der dazugehörigen Infrastruktur mehr als 100 Milliarden Euro innerhalb der nächsten zehn Jahre nötig, manche Experten rechnen gar mit mehr als 300 Milliarden Euro.
Kabelproduzenten kaufen
Investitionen, die nach Dreides Überlegungen besonders zwei Typen von Unternehmen einen Schwung verleihen sollten. Zum einen den Anbietern sogenannter Smart-Grid-Software. Hinter dem Fachbegriff verbergen sich Computerprogramme, die die Stromverteilung aus verschiedenen Quellen möglichst effizient steuern. Ein High-Tech-Geschäft, in dem vor allem Spezialfirmen vorne mitmischen.
Nicht weniger anspruchsvoll ist die Entwicklung einer zweiten Art von Produkten, die wegen der Umbrüche am Energiemarkt immer wichtiger werden: Kabel. Auch wenn die zunächst nach einfacher Standardware klingen - nur mit technisch komplexen Hochspannungskabeln lässt sich beispielsweise Strom aus Offshore-Windanlagen vom Meer aus ans Festland leiten. Und die Nachfrage danach dürfte deutlich steigen: Bis zum Jahr 2020 müssen allein in Deutschland mehrere tausend Kilometer Kabel neu verlegt werden.
Spezialisten statt Vollsortimenter
Spezialisten statt traditioneller Versorgungsunternehmen: Das ist aus Sicht von Anlegern die größte Veränderung, die die Energiewende mit sich bringt. Denn seitdem die Bundesregierung im vergangenen Jahr den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen hat, ist Anbietern wie Eon und RWE ein wichtiger Teil ihres Geschäftsmodells verloren gegangen.
Jahrzehntelang konnten sie mit günstigem Atomstrom hervorragende Gewinnmargen erzielen, nun müssen sie sich komplett umstellen und dafür viel Geld in die Hand nehmen - für Anleger sind solche Aussichten wenig attraktiv. „Versorgeraktien haben eine ihrer wichtigsten Eigenschaften verloren“, sagt Christoph Keidel, Energiefachmann der Fondsgesellschaft LBBW Asset Management in Stuttgart. „Früher dienten die Papiere dazu, Ruhe ins Depot zu bringen. Dies gelingt ihnen seit dem Atomunglück von Fukushima nicht mehr.“
Solarwerte sind abgestürzt
Auch deutsche Solarwerte, zunächst als Gewinner der Energiewende gefeiert, stürzten ab. Vor allem die günstige Konkurrenz aus China brachte sie unter Druck. Von einer völlig stetigen Entwicklung der Aktien können Anleger auch bei Kabelproduzenten und Smart-Grid-Entwicklern nicht ausgehen. Da der Ausbau des Stromnetzes immer wieder stockt und viele der neuen Techniken noch nicht erprobt sind, sind Rückschläge möglich.
Beispiel Prysmian: Das italienische Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Herstellern von Hochspannungskabeln, die sich auch unter Wasser verlegen lassen. Trotzdem ging der Kurs seit Jahresanfang zurück, weil die Auftragslage schwächer war als gedacht. Beispiel PSI: Die Berliner Firma entwickelt Smart-Grid-Lösungen, aber auch ihre Aktionäre erlebten zuletzt immer mal wieder starke Kursausschläge.
Mit Linde auf Erdgas setzen
Klar nach oben ging es dagegen bei einem anderen deutschen Unternehmen: In den Industriegasehersteller Linde können Anleger investieren, wenn sie von den globalen Veränderungen auf dem Energiemarkt profitieren wollen. Denn nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt steigt das Interesse an Energiequellen, deren Nutzung mit möglichst wenig Schadstoffausstoß einhergeht. Dazu zählt vor allem Erdgas, das Linde mit speziellen Anlagen verflüssigt. Der Vorteil: So lässt sich das Erdgas über weite Strecken transportieren - ein Geschäft, dem LBBW-Fondsmanager Keidel ein jährliches Wachstum von mehr als sechs Prozent zutraut.
Geduld werden Investoren zwar auch hier brauchen. Experte Keidel ist aber überzeugt: Am Ende wird sie sich auszahlen.
@Till DIesing
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