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Argentinien „Den letzten Sargnagel eingeschlagen“

28.10.2008 ·  Es ist erst sechs Jahre her, dass Argentinien die Zahlungen auf seine Auslandsschulden einstellen musste. Jetzt verdichten sich die Anzeichen, dass ein erneutes Moratorium bevorstehen könnte.

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Immer stärker wachsen die Anlegersorgen über eine neuerlichen Zahlungsausfall Argentiniens. Neue Nahrung erhielten diese durch die Pläne des Landes, private Pensionsfonds im Volumen von 29 Milliarden Dollar zu verstaatlichen.

Analysten sehen in der geplanten Maßnahme nicht eine Rentenreform, sondern das händeringende Bemühen der Regierung, den Finanzbedarf für das kommende Haushaltsjahr zu decken.

Haushaltssanierung mit privaten Rentenmitteln

Die Regierung hatte bereits 2001 versucht, kurz bevor sie die Zinszahlungen auf ihre Auslandsschulden einstellte, mit Hilfe der Rentenkassen die Staatsfinanzen zu sanieren. Offiziell begründet Staatspräsidentin Cristina Fernandez de Kirchner die Maßnahme damit, dass man die Altersrücklagen der Argentinier vor der globalen Finanzkrise retten wolle.

Das 1994 ins Leben gerufene private Rentensystem Argentiniens besitzt rund 27 Prozent der in Argentinien im Umlauf befindlichen Aktien. Rund 55 Prozent des Gesamtanlagekapitals ist in argentinische Staatsanleihen investiert. Mit einer Übernahme der Rentenkassen könnte die Regierung die Schulden aus diesen Anleihen abschreiben, sagt Javier Salvucci, Analyst bei Silver Cloud Advisors.

Die Regierung will bei zehn Pensionsfonds die Kontrolle übernehmen, unter anderem bei einer Sparte des britischen Finanzkonzerns HSBC sowie der spanischen Großbank Banco Vizcaya Argentaria. Das Parlament muss dem Vorhaben noch zustimmen.

Dejà vu

Als die argentinische Regierung vor sieben Jahren - vergeblich - versuchte, einen Zahlungsausfall zu vermeiden, zwang sie die Pensionsfonds in Bond-Swap-Kontrakte einzusteigen, die die Rückzahlungstermine nach hinten verschieben. Da die Mittel in der
Staatskasse nicht einmal ausreichten, um Gehälter auszuzahlen, wurden die Rentenkassen zudem gezwungen, Bankeinlagen über 3,2 Milliarden Dollar an die staatliche Banco de la Nacion abzuführen.

Das aktuelle Vorhaben sei allerdings „viel, viel schlimmer“, sagt Paul McNamara vom Vermögensverwalter Augustus Asset Managers in London. „Es geht nicht nur darum, ein paar Schulden in die Ecke zu kehren“, so McNamara. Die geplante Pensionsverstaatlichung beschädige die Zuversicht von Anlegern, die in die Finanzbranche Argentiniens investieren wollen und die Glaubwürdigkeit der Regierung. Das Risiko eines Zahlungsausfalls dürfte infolge der geplanten Pensionsfonds-Verstaatlichung auf kurze Sicht allerdings sinken.

„Den letzten Sargnagel eingeschlagen“

Die Preise am Markt für Kreditausfall-Absicherungen sprechen eine andere Sprache. Die Kosten, argentinische Bonds mit fünfjährigen Kreditausfall-Swaps gegen das Risiko eines Zahlungsausfalls abzusichern, sind auf 36,5 Prozentpunkte gestiegen.

Nachdem am Dienstag ein Gericht den Pensionsfonds, die vom Handel ausgesperrt worden waren, diesen wieder erlaubte ist die Rendite der 20033 fälligen argentinischen Dollar-Anleihe um einen halben Prozentpunkt auf mittlerweile 29,35 Prozent gestiegen. Vor einer Woche hatte die Rendite noch 24,7 Prozent betragen.

„Aus der Sicht institutioneller Anleger haben sie den letzten Sargnagel eingeschlagen“, sagt Bill Rudman, Fondsmanager bei WestLB Mellon Asset Management in London. Argentinien gleite in die Irrelevanz ab. Schwellenländer-Experte Vinicius Silva von Morgan Stanley sieht in den Plänen einen weiteren Faktor, der gegen Kapitalanlagen in Argentinien spricht. Er empfiehlt Aktienanlegern, Investments im Land komplett zu meiden.

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