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Veröffentlicht: 03.10.2012, 21:52 Uhr

Arbeitskämpfe in Südafrika Streiks beeinflussen Gold und Platin

Der Goldpreis ist gerade auf beinahe 1800 Dollar geklettert. Dazu tragen auch die Arbeitsniederlegungen in Südafrikas Goldminen bei. Deren Aktienkurse stehen allerdings unter Druck.

von , Kapstadt
© REUTERS Streikende Minenarbeiter der Goldmine in Carltonville westlich von Johannisburg

Der Goldpreis steigt unaufhörlich weiter, aber in Südafrika, dem einst wichtigsten Goldförderland der Welt, steht der Betrieb in den größten Bergwerken still. Mark Cutifani, Chef des Marktführers Anglo Gold Ashanti, zeichnete jetzt ein düsteres Szenario: „Wir haben nicht viel Zeit, um eine Lösung zu finden, ansonsten werden viele Menschen ihre Arbeit verlieren, es wird viele Tränen geben.“

Claudia Bröll Folgen:

Südafrikas Bergbauindustrie wird seit Wochen von Streiks erschüttert, die sich von den Platinminen auf den Gold- und Kohlebergbau ausgeweitet haben. Ungefähr 40 Prozent der Goldförderung stehen nun still. Sämtliche Minen von Anglo Gold in Südafrika werden bestreikt sowie zwei Bergwerke des zweitgrößten Förderers Gold Fields. Mehrere zehntausend Menschen beteiligen sich an den Arbeitskämpfen in der Bergbaubranche. Derweil stieg der Goldpreis am Mittwoch auf 1780 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), nachdem er Anfang der Woche zwischenzeitlich mit 1797 Dollar das höchste Niveau des Jahres erreicht hatte.

Goldförderer zeigen sich hart

Die Arbeitskämpfe sind auch einer der Gründe, weshalb die amerikanische Rating-Agentur Moody’s dem Investitionsstandort unlängst ein vernichtendes Zeugnis ausstellte und das Rating für südafrikanische Staatsanleihen von A3 auf Baa1 senkte. Die Regierung habe „geminderte Fähigkeiten“, die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern. Das Investitionsklima habe sich verschlechtert, hieß es zur Begründung. Die Einschätzung bestätigt, dass auch auf der wegweisenden Konferenz der Regierungspartei ANC im Dezember wenige Veränderungen erwartet werden. Der ANC bestimmt dort faktisch den nächsten Staatspräsidenten.

Um für Ruhe in den Bergwerken zu sorgen, forderten die führenden Gewerkschaften, alle bisherigen, teils noch mehr als ein Jahr laufenden Tarifabschlüsse zu überprüfen und neue Verhandlungsrunden auszurufen. Wie befürchtet, ist die Lohnerhöhung um bis zu 22,5 Prozent, die der Platinförderer Lonmin vor einigen Wochen notgedrungen zugestanden hatte, zur Messlatte in anderen Teilen der Minenbranche geworden.

Infografik / Chart / Gold © F.A.Z. Vergrößern

Die Goldförderer jedoch zeigen sich bisher hart. Folge man dem Beispiel Lonmins, sei die vollständige Schließung von Bergwerken unausweichlich, warnte Cutifani. Lonmin erlebte einen sechs Wochen langen Streik, während dessen 46 Menschen ums Leben kamen. Ein längerer Arbeitskampf wäre für den Konzern finanziell schwer zu verkraften gewesen.

Südafrika ist wegen schwindender Goldvorkommen nur noch der fünftgrößte Goldlieferant der Welt. Daher schlagen sich die Streiks nicht in dem Maße im Goldpreis nieder, wie dies bei Platin der Fall ist. Auch Kursstürze am Aktienmarkt wie bei den Platinkonzernen sind bisher ausgeblieben. Anglo Gold Ashanti und Gold Fields notieren derzeit um 16 und 17 Prozent unter Vorjahresniveau. Beide Konzerne fördern mittlerweile überwiegend außerhalb des Heimatlandes, das stützt ihre Kurse. Der Aktienkurs von Harmony, die sich fast ausschließlich auf Südafrika konzentrieren, liegt indes um 27 Prozent unter Vorjahresniveau, obwohl Harmony noch nicht von wilden Streiks betroffen ist.

Regierung und Gewerkschaften haben keine Kontrolle

“Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Investoren ihr Geld in südafrikanischen Minenwerten anlegen. Der Grund sind nicht nur die Arbeitskämpfe, sondern auch die starken politischen Einflussnahmen“, urteilte die Wirtschaftszeitung „Business Day“. Wenn sich die Lage beruhige, sei eine Kursrally bei Minenaktien möglich. „Dieser Tag aber rückt in immer weitere Ferne.“ Kurz vor der ANC-Parteikonferenz werden gerade die alten Forderungen nach einer Verstaatlichung der gesamten Bergbauindustrie wieder laut, der Druck der Gewerkschaften auf die Regierung wächst.

Arbeitskämpfe gelten seit jeher als besonderer Risikofaktor für Südafrikas Bergbaubranche. Anders als in Australien oder Kanada ist die Förderung dort immer noch äußerst arbeitsintensiv. Anglo Gold Ashanti beschäftigt in seinen südafrikanischen Bergwerken 35.000 Menschen. Das ist mehr als die gesamte Belegschaft von Barrick, des in Kanada notierten größten Goldförderers der Welt. Diese „Handarbeit“ ist ein Vermächtnis noch aus den Anfängen der 126 Jahre alten Goldförderung. „In Stollen, die teils vor hundert Jahren angelegt wurden, können nicht einfach Maschinen zum Einsatz kommen“, erklärt Alan Fine, Sprecher von Anglo Gold. Dazu müssten große Teile des Bergwerkes umgebaut werden - ein extrem teures Unterfangen.

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Wie schwierig der Wechsel zu der sogenannten mechanisierten Förderung ist, hat der kleinere Förderer Central Gold festgestellt. Er wollte mit verstärktem Einsatz von Maschinen unter der Johannesburger Innenstadt nach den letzten Resten von Gold schürfen. Dafür sammelte er viel Geld von Investoren ein, um kurz darauf reumütig zu den altbewährten Schlagbohrern zurückzukehren. Die mechanisierten Methoden hatten sich als nicht praktikabel erwiesen. Auch der frühere Chef des Platinkonzerns Lonmin, Brad Mills, hatte große Hoffnungen auf die mechanisierte Förderung gesetzt. Auch dort entpuppte sie sich als wirtschaftliches Debakel. In der Folge musste Mills zurücktreten.

Langfristig aber wird den Bergbauunternehmen nichts anderes übrig bleiben, als auf Maschinen statt viele Hundertschaften von Arbeitern zu setzen. Anglo Gold hat zur Erforschung schon vor einigen Jahren ein Konsortium von Fachleuten zusammengestellt. Um neue Goldschätze zu finden, muss das Unternehmen bald in fünf Kilometer Tiefe vorstoßen. So tief unter der Erde zu arbeiten wäre zu gefährlich für Menschen. Bis es aber so weit ist, müssen Anleger in südafrikanische Minenaktien weiterhin das Risiko streikfreudiger Belegschaften einkalkulieren. Das Neue daran ist, dass Gewerkschaften und Regierung die Kontrolle darüber verloren haben.

Quelle: F.A.Z.

 

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