21.03.2011 · Die arabischen Börsen stehen aufgrund der politischen Unruhen unter Druck. Das schafft eine günstige Basis für den nächsten Kursaufschwung.
Her. ABU DHABI, 21. März. Nach der "King's Speech" des saudischen Königs Abdullah Bin Abdalaziz Al Saud vom vergangenen Freitag haben sich die Börsen auf der Arabischen Halbinsel ungeachtet des labilen politischen Umfelds kräftig erholt. Der Kursanstieg vom Sonntag setzte sich am Montag zwar nicht fort, die Anleger hielten indes die Kursgewinne des Vortags. Meist gehen die Marktteilnehmer am Golf am Montag keine Risiken ein, sondern warten die Entwicklung der Börsen Europas ab, die erst in den Handel starten, nachdem ihre eigenen geschlossen haben. Das Handelsvolumen an den großen arabischen Börsen erreichte am Montag daher nur noch ein Drittel des Sonntags.
Der Tadawul-Index, der die Aktien des wichtigsten Börsenplatzes Saudi-Arabien abbildet, hatte am Sonntag um 4,5 Prozent zugelegt, am Montag folgte ein kleiner Zuwachs um 0,2 Prozent auf 6357 Punkte. Noch Ende Februar brach das Aktienbarometer infolge der Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten von mehr als 6600 bis auf 5320 Punkte ein (siehe Grafik). In Dubai folgte auf das Kursplus von 2,6 Prozent am Sonntag ein Minus von 0,2 Prozent im Montagshandel. Der Leitindex an der Börse Dubai hat sich damit ebenfalls von seinem Krisentiefstand bei 1350 Punkten erholt - mittlerweile notiert er wieder um 1500 Punkte herum. Besonders profitiert haben an allen arabischen Börsenplätzen die Titel von Bauunternehmen und Immobilienfirmen. Frischen Optimismus hat das umgerechnet 66 Milliarden Euro umfassende Finanzpaket ausgelöst, das der saudische König am vergangenen Freitagabend mit dem Ziel vorgestellt hat, weitere Petrodollar unter das Volk zu bringen, um möglichen Protesten vorzubeugen.
Zusammen mit einem am 23. Februar vorgestellten Paket addieren sich die Wohltaten nun auf 30 Prozent des saudischen Bruttoinlandsprodukts. Neben kräftigen Hilfen zum Bau von 500 000 neuen Wohnungen zahlen beispielsweise die staatlichen Unternehmen in diesen Tagen zwei zusätzliche Gehälter aus. Da die Börsen auf der Arabischen Halbinsel stark von individuellen Kleinanlegern geprägt sind, wird ein Teil des Finanzpakets an der Börse investiert werden.
Vorsichtig optimistisch beurteilt Ingmar Burgardt vom Repräsentanzbüro der BHF-Bank in Abu Dhabi die Entwicklung der golfarabischen Märkte. Zum einen seien die Unternehmensgewinne im Vergleich zu den Aktienbewertungen sehr gut, so dass nach oben Spielraum bestehe. Im Jahr 2010 habe die Dividendenrendite der Aktientitel in den Vereinigten Arabischen Emiraten trotz gesunkener Umsätze 3,2 Prozent betragen und damit über den 2,9 Prozent der Titel des Dax gelegen, sagte Burgardt weiter.
Zum anderen gebe es Chancen, da die Märkte aus politischen Gründen und aufgrund der politischen Unsicherheiten überverkauft waren. Aufgrund der vielen Kleinanleger hatten die Werte in den vergangenen 15 Monaten übertrieben weit nach unten ausgeschlagen. Eingesetzt hatte die Baisse mit der Schuldenkrise Dubais. Während der Kurserholung werden die politischen Bedingungen - wie etwa die Unruhen in Bahrein - immer wieder zu Gewinnmitnahmen führen. Die Börse in Bahrein ist jedoch gegenüber den gewichtigen Märkten Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuweit von geringer Bedeutung.
Abnehmen könnten die Kursschwankungen (Volatilität) an den Märkten, sollten internationale institutionelle Investoren eine größere Rolle übernehmen als bisher. Signale dafür gibt es. Die einheimischen institutionellen Anleger, wie in Abu Dhabi Mubadala, die Abu Dhabi Investment Authority und das Investment Council, investieren allerdings unverändert nach wie vor an ausländischen Börsenplätzen.
Neben den großzügigen Wohltaten Saudi-Arabiens wird auch der wieder hohe Rohölpreis die Aktionäre beflügeln. Viele neue Gelegenheiten sieht daher Arif Naqvi, der Geschäftsführer der Private-Equity-Firma Abraaj Capital, in naher Zukunft entstehen. Trotz des aktuell ungünstigen politischen Umfelds könnten die golfarabischen Börsen (die Börse Kairo ist weiter geschlossen) nach zwei schlechten Jahren wieder vor einer Hausse stehen. Für Potential spricht der zuletzt zurückgegangene Handelsumsatz an den Börsen. Der Arab Monetary Fund in Abu Dhabi berechnete, dass allein der Umsatz der saudischen Börse 2010 von 337 Milliarden auf 200 Milliarden Dollar gefallen ist, der in Dubai sogar auf ein Drittel (15,8 Milliarden Dollar). In Abu Dhabi hatte sich der Wert auf 9 Milliarden Dollar halbiert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.878,61 | +0,51% |
| FAZ-INDEX | 1.531,25 | +0,44% |
| TecDAX | 780,55 | +0,39% |
| MDAX | 10.460,90 | +0,78% |
| SDAX | 5.064,80 | −0,15% |
| REX | 421,52 | +0,23% |
| Eurostoxx 50 | 2.527,55 | +0,34% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,50 | +0,11% |
| Dow Jones | 12.938,70 | −0,21% |
| Nasdaq 100 | 2.579,78 | −0,40% |
| S&P500 | 1.357,66 | −0,33% |
| Nikkei225 | 9.595,57 | +0,44% |
| EUR/USD | 1,3317 | +0,51% |
| Rohöl Brent Crude | 123,29 $ | +0,53% |
| Gold | 1.752,00 $ | +0,23% |
| Bund Future | 138,78 € | −0,06% |