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Zwischen Aktie und Anleihe Genussrechte locken mit hohen Renditen

Viele auf dem Grauen Kapitalmarkt begebene Titel sind hoch riskant. Die Transparenz ist dabei häufig ungenügend.

© Setzer, Claus Vergrößern Im Abwärtstrend: Die Anzahl der gelisteten Genussscheine wird an der Börse Stuttgart von Jahr zu Jahr kleiner

Die Warnung der Stiftung Warentest vor dem Genussschein-Angebot des Windkraftspezialisten Prokon hat den Blick auf eine Anlageform gelenkt, die in Vergessenheit geraten ist. Waren Genussrechte als Hybrid aus Aktie und Anleihe früher eine beliebte Finanzierungsform vor allem von Banken, so haben sie aufgrund geänderter Bilanzvorschriften in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren. An der Börse Stuttgart etwa waren vor fünf Jahren mehr als 100 Genussscheine gelistet, heute nur noch 46. Mehr als ein Drittel läuft bis Ende 2014 aus.

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Doch die Anlageform ist keineswegs tot, wie nicht zuletzt das Prokon-Angebot von 10 Milliarden Euro an Genussrechten zeigt. Sucht man ein wenig im Internet, findet man eine Vielzahl von Genussrecht-Angeboten jedweder Größe. So will etwa die Dresdner Prosavus AG die mit Immobilien und Lebensversicherungen handelt und diese verwertet sowie in Rohstoffe investiert, auf diese Weise bis zu 425 Millionen Euro akquirieren. Die meisten Emissionen liegen allerdings im einstelligen Millionenbereich, manchmal sogar darunter.

Ein vorbildhaftes Vorgehen

Für Genussscheine wird auf dem grauen Kapitalmarkt in der Regel eine Grundverzinsung zwischen 6 und 7,5 Prozent geboten. Hinzu kommt fast immer ein gewinnabhängiger Bonus von meist 3 Prozent, so dass Renditen von 10 Prozent möglich sind. Nicht immer zum Besten bestellt ist es allerdings mit Kommunikation und Transparenz. Nicht alle Bitten um nähere Informationen oder auch nur Anfragen, ob noch Genussrechte vertrieben werden, wurden beantwortet. Doch es gibt auch positive Beispiele: Das Hamburger Hafenumschlags-Unternehmen Carl Tiedemann etwa vertreibt seit Anfang 2006 Genussrechte und versendet auf Anfrage den alten Prospekt. Auf weitere Anfrage gibt es umgehend ein ausführliches Schreiben von Geschäftsführerin Carola Zehle, in der sie den Geschäftsgang seit Prospekterstellung ausführlich erläutert. Die meisten Anleger seien entweder „Wiederholungstäter“ oder stünden dem Transportgewerbe nahe, entschuldigt sich Zehle. Ein vorbildhaftes Vorgehen, das man aber nicht unbedingt voraussetzen kann.

Wer vom Unternehmen selbst keine hinreichende Auskunft erhält, dem bleibt zumeist nur der elektronische Bundesanzeiger im Internet. Hier erfährt man etwa beim Blick in den Jahresabschluss des Salatbauers Behr AG, dass die Genussrechtsinhaber infolge hoher Verluste zum Jahresende 2012 keinen Rückzahlungsanspruch mehr hatten. Das ist das große Risiko an Genussrechten: Macht das Unternehmen Verluste, so kann das Genussrechtskapital zur Deckung herangezogen werden. Der Rückzahlungswert der Scheine wird gesenkt. Die Behr AG geriet 2011 durch die EHEC-Panik in eine Existenzkrise: „Gurken, Tomaten, Salat - von einem Tag auf den anderen haben wir fast nichts mehr verkauft“, sagt Finanzvorstand Ulf Wittlich. In den kommenden Wochen sollen die rund 170 Anleger informiert werden.

Nicht alle Emissionen sind seriös

Doch besteht bei Genussscheinen immer Hoffnung auf Besserung. Macht das Unternehmen wieder Gewinn, muss das Genussrechtskapital in aller Regel wieder aufgefüllt werden. Auch Behr ist guten Mutes, dass die rund 1,25 Millionen Euro Genussrechtskapital schon 2015 wieder ihren ursprünglichen Wert haben werden. Die Zinsen hat Behr übrigens in vollem Umfang bezahlt, obwohl in aller Regel Ausschüttungen nur dann erfolgen, wenn ein ausreichend hoher Gewinn zur Verfügung steht. Aufgrund der Nachzahlungspflicht und eines absehbar ausreichenden Gewinns hat Behr auf eine Aussetzung der Zinszahlung verzichtet.

Da die meisten Genussscheine ohne Laufzeitende begeben werden, führt meist nur eine Insolvenz zum endgültigen Totalverlust. Dieser ist dann aber hoch wahrscheinlich. Fast immer sind die Scheine durch ihren Eigenkapitalcharakter gegenüber den Forderungen der Kredit- und Anleihengläubiger nachrangig. Somit bleibt meist nichts übrig. Behr ist kein Einzelfall. Wertlos sind nach aktuellem Stand etwa auch die Genussscheine der Four Gates AG. Gab es 2007 noch eine Ausschüttung der Basisdividende von 6,5 Prozent, war der Wert der Genussscheine zwei Jahre später von ursprünglich fast 30 Millionen Euro auf null gesunken. Der 2001 emittierte Schein der Gesellschaft wird an der Stuttgarter Börse mit 0,01 Prozent des Nominalwerts notiert. Und längst nicht alle Emissionen sind seriös. Ein Würzburger Finanzkaufmann, gelernter Möbelschreiner, wurde im Juli 2012 wegen Anlagebetrugs zu sechs Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Sein Finanzberatungs-Unternehmen Akura hatte unter anderem Genussrechte angeboten. Anlegergeld wurde indes auf Privatkonten umgeleitet, bis der Schwindel aufflog. Wie viel den Anlegern letztlich blieb, ist nicht bekannt.

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Wer Genussrechte im Graumarkt erwirbt, geht damit ein mehrfaches Risiko ein. Erstens sind Genussrechte an sich eine riskante Anlageform. Zweitens ist nicht gewährleistet, dass es sich in jedem Fall um ein seriöses Angebot handelt. Drittens sind die Anlagen in den meisten Fällen nicht oder nur sehr schwer handelbar. Manche Emittenten schließen eine Handelbarkeit sogar explizit aus. Oft werden Genussrechte als vinkulierte Namens-Genussrechte begeben. Daher ist für eine Übertragung die Zustimmung des Emittenten notwendig. Einige machen daraus noch ein Geschäft, indem sie für die Überschreibung Geld nehmen.

Genussscheine

Ein Genussschein ist eine Anlageform zwischen Aktie und Anleihe. Er verbrieft wie eine Anleihe den Anspruch auf Zinsen und die Rückzahlung des Nominalwertes. Das Stimmrecht ist üblicherweise ausgeschlossen. Wie eine Aktie gewährt er dem Inhaber aber auch häufig das Recht, am Reingewinn einer Gesellschaft teil zu haben, nimmt andererseits auch am Verlust durch eine Verringerung des Rückzahlungsanspruchs teil. Der Verlust kann bei späteren Gewinn des Emittenten wieder aufgeholt werden. Im Konkurs- bzw. Liquidationsfall sind die Rückzahlungsansprüche der Genussscheininhaber zumeist gegenüber aller anderen Gläubiger nachrangig.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 06.09.2013, 20:01 Uhr

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