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Zögernde Investoren Erleichterung über Bankenrettung verfliegt

 ·  Die Kurse spanischer und italienische Anleihen fallen nach einer kurzen Euphorie. Marktteilnehmer kritisieren die drohende Nachrangigkeit der privaten Gläubiger Spaniens.

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Nach einer kurzen Euphorie über die geplante Rettung der spanischen Banken hat sich an den Finanzmärkten am Montag schnell wieder Ernüchterung eingestellt. Die anfängliche Verbesserung der Rendite spanischer Staatsanleihen verging schnell. Mit Blick auf die am Mittwoch und Donnerstag anstehenden Kapitalmarktemissionen Italiens zog die spanische Zehnjahresrendite im Tagesverlauf merklich an von zunächst 6,03 auf 6,47 Prozent, zehnjährige italienische Staatsanleihen rentierten am Abend mit 6,0 Prozent. Auch die Kursgewinne an den europäischen Aktienbörsen bröckelten über den Tag wieder ab inklusive der anfänglich kräftigen Kursgewinne vor allem spanischer Bankaktien.

Die meisten Marktbeobachter kommentierten die geplante Kapitalhilfe von bis zu 100 Milliarden Euro für die spanische Finanzbranche verhalten. Es sei gut, dass die Europäer jetzt den „Rettungsschirm“ einsetzen wollten. Dass Spanien die Hilfsmittel zu günstigen Konditionen erhalte, habe Druck aus dem spanischen Anleihemarkt genommen. Und dass die spanischen Banken nun von unabhängiger Seite überprüft würden, habe eine große Unsicherheitsquelle beseitigt, hieß es am Montag vom amerikanischen Vermögensverwalter Fidelity, einem der größten Investoren an den Kapitalmärkten.

Spanien muss keine politischen Bedingungen erfüllen

Aber noch zögern die Investoren, an die Märkte zurückzukehren. Sie warnen, dass die Kredite die Staatsverschuldung Spaniens aufblasen werden. Mit der weiteren Herabstufung Spaniens durch Ratingagenturen wie Moody’s müsse gerechnet werden. Auch bemängeln die Anleihegläubiger, dass sie im Notfall gegenüber dem Rettungsfonds ESM schlechter gestellt wären, da für Spanien die Bedienung und Tilgung von Hilfsmitteln aus dem ESM wird Vorrang haben müssen. Nur für den Fall, dass die Mittel aus der schon einsatzbereiten EFSF bereitgestellt würden, sähen sich die Anleihegläubiger nicht benachteiligt. Kritiker wie die Royal Bank of Scotland bezeichneten den ESM daher sogar als „Brandbeschleuniger“, der die Krise jetzt noch verschärfe.

Darüber argumentierten Marktteilnehmer auch wie folgt: Eigentlich sei das Risiko der spanischen Banken nur auf den Staat abgewälzt worden. „Spanische Anleihen, spanische regionale Hispabonos und der Markt für spanische Kreditausfallversicherungen werden daher weiter unter Druck stehen“, warnten die Analysten der Royal Bank of Scotland. Sie trauen den wohlwollenden Prognosen nicht und schätzen, dass der Kapitalbedarf der spanischen Banken in den kommenden drei Jahren bis auf 180 Milliarden Euro steigen könne.

Auch wenn der spanische Staat jetzt keine politischen Bedingungen erfüllen müsse, um die Mittel zu erhalten, so werde die schwache Konjunktur, die nachrangige Stellung der Anleihegläubiger und die schlechte fiskalpolitische Situation wohl dazu führen, dass Spanien auf Dauer ein volles Hilfsprogramm werde beantragen müssen, warnten am Montag zahlreiche Bankenökonomen, auch die der Citigroup. Möglicherweise werde der spanische Staat verlangen, dass der europäischen Rettungsfonds spanische Anleihen am Markt aufkauft. Die Analysten Barclays warnen, dass die Mittel nicht vorhanden seien, um Spanien - und dann wohl auch Italien - für einige Jahre vom Kapitalmarkt zu nehmen.

Analysten und Fondsmanager untersuchen Italien

Kritische Fragen aus der Londoner City, ob die 100 Milliarden Euro für die Verluste der spanischen Banken reichen würden und ob die Situation nach der griechischen Wahl am kommenden Wochenende wieder eskalieren werde, zeigten am Montag die tiefe Verunsicherung am Markt: „Anleiheinvestoren wurden in der Vergangenheit zu häufig enttäuscht, wenn sie der europäischen Politik vertraut haben“, meinte David Simner, Fondsmanager für den europäischen Anleihemarkt für Fidelity.

Zahlreiche Investoren wie etwa Blackrock und Nomura pochten darauf, dass die notleidenden Kreditpositionen der spanischen Banken - ähnlich wie in Irland - ausgegliedert und in einer separaten Institution gebündelt werden müssten. „Ansonsten werden die Probleme nur auf die lange Bank geschoben, das Vertrauen weiter unterminiert und das Kapital der Banken weiter aufgezehrt“, hieß es von Nomura. Analysten der Royal Bank of Scotland forderten, auch private Gläubiger von Bankanleihen müssten die Verluste mittragen.

Viele Investoren scheinen es nach Griechenland, Irland, Portugal und nun Spanien leid zu sein, sich immer wieder mit Lösungen für Einzelstaaten beschäftigen zu müssen: Analysten und Fondsmanager untersuchten am Montag sodann Italien. Von Goldman Sachs verlautete, dass eine nachhaltige Erleichterung am Markt daher erst kommen werde, wenn grundsätzlichere Entscheidungen zur Lösung der Krise insgesamt getroffen würden.

„Jeder Staat muss Souveränität aufgeben“

Im Gespräch: Ewen Cameron Watt, Chefstratege des Blackrock Investments Institute.

Herr Watt, ist die Kapitalhilfe für die spanischen Banken die Rettung des Euro?

Nein, sicher nicht. Wir brauchen nicht immer wieder nur Einzellösungen für individuelle Staaten oder die Banken, sondern wir brauchen einen paneuropäischen Ansatz. Dies muss ein glaubwürdiger Vorstoß Richtung Fiskalunion und Bankenunion sein. Jeder Staat muss Souveränität aufgeben. Wenn man sieht, wie schwer es den Vereinigten Staaten fällt, harte fiskalpolitische Entscheidungen zu fällen, kann man verstehen, wie schwierig dies mit 17 souveränen Staaten ist.

Eine Fiskal- und Bankenunion steht aber auf besserem Fundament, wenn zunächst notwendige Strukturreformen durchgezogen wurden.

Gerade deshalb weigert sich die EZB, die Krise im Alleingang zu lösen. Die EZB ist keine Notenbank, die die Märkte beruhigen will - sie will funktionierende Finanzsysteme und Strukturreformen. Gleichwohl dauert es in der Währungsunion länger, bis die Politik reagiert. Erst wenn die Finanzstabilität gefährdet ist und der Markt extremen Druck aufgebaut hat, wird entschieden - leider nie mit einem durchschlagenden Konzept, sondern immer nur mit einzelstaatlichen Notlösungen.

Was erwarten Sie denn als paneuropäisches Konzept?

Zunächst einmal eine Bankenunion mit harter, zentraler Bankenaufsicht. Die schwachen Banken sind die Achillesferse der Währungsunion. Meine Erfahrung aus der Asien-Krise ist, auf keinen Fall mit der Sanierung der Banken zu warten. Solange nicht erkennbar ist, wo die potentiellen Kreditverluste angesiedelt sind, kehrt das Vertrauen der Anleger nicht in den Markt zurück. Bei gegenseitigen Übernahmen im Bankensektor ist dies nicht zu erkennen, wohl aber bei der Ausgliederung notleidender Kredite.

Aber Spanien steht an den Kapitalmärkten nun besser da?

Wohl kaum. Wir erwarten, dass Moody’s Spanien noch auf „Baa2“ abwerten wird. Außerdem wird sich die spanische Wirtschaft nicht plötzlich erholen, nur weil die Banken Kapital erhalten. Wir befinden uns in einer langfristig deflationären Entwicklung.Die Politiker müssen verstehen, dass Strukturreformen jahrelang Zeit brauchen.

Bereitet Ihnen die griechische Wahl Sorgen?

Sorgen bereitet mir der 20. August, an dem Griechenland Anleihen tilgen muss. Gibt die Troika dann kein Geld frei, haben wir einen Zahlungsausfall in Athen. Aber ich glaube, dass niemand wagt, die Reißleine bei Griechenland zu ziehen. Die EZB wird die Banken nicht von der Notliquidität abschneiden, und die Politik wird nicht für die gravierenden Konsequenzen eines Griechenland-Austritts verantwortlich sein wollen.

Das Gespräch führte Bettina Schulz.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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