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Zinszertifikate Spontantest der Barclays-Dynamik-Anleihe mißlungen

23.02.2005 ·  Niedrige Zinsen sorgen auf der Zinsseite für einen gewissen „Anlagenotstand“. Strukturierte Produkte wie die „Barclays-Dynamik-Anleihe“ sollen angeblich einen Ausweg bieten. Das ist allerdings nur bedingt möglich.

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In Zeiten, in denen Zentralbanken ihre Geldpressen rücksichtslos auf Hochtouren laufen lassen, herrscht Anlagenotstand. Denn dann ist in der Regel auf der Zinsseite nicht viel zu holen, da das Zinsniveau auf Grund der Geldschwemme tief ist. Es herrscht die reine Marktwirtschaft: Je größer das Angebot, desto geringer ist der Preis. Und das ist in diesem Fall der Zins.

An den Renditen der Rentenmärkte, aber auch an den Geldmarktzinsen läßt sich unschwer ablesen, daß die Anleger im Moment gerade mit dieser Situation konfrontiert werden. Sie geht sogar so weit, daß bei Versicherungen langsam Zweifel aufkommen, ob sie die zumindest in Deutschland vorgeschriebene Mindestverzinsung bei Kapitallebensversicherungen noch garantieren können.

Strukturierte Anleihen sollen Ausweg aus „Zinstief“ bieten ...

Bisher dürften sie damit keine Probleme gehabt haben. Denn das Zinsniveau ist in den vergangenen Jahren zwar deutlich gesunken. Das führte allerdings bei Anleiheportfolios zu deutlichen Kursgewinnen. Auf diese Weise konnten Rentenfondsmanager in den vergangenen Jahren attraktive Renditen erwirtschaften.

Nun stellt sich aber die Frage, wie es weitergehen wird. Denn die Anleihen mit hohen Kupons laufen nach und nach aus, Kursgewinne dürften kaum noch zu erwarten sein und die neu auf den Markt kommenden Anleihen haben marktgerechte Kupons. Das heißt: tiefe. Wie sollen Anleger in diesem Umfeld eine attraktive Rendite erzielen können, ohne größere Risiken einzugehen?

Die Frage treibt auch die Finanzingenieure der Banken um. Sie bringen immer mehr so genannte strukturierte Produkte auf den Markt, die den Käufern angeblich aus dem Dilemma helfen sollen. Das Grundproblem solcher Produkte besteht darin, daß sie für den Normalanleger in der Regel intransparent und nicht nachvollziehbar sind. Eines ist jedoch von vorne herein sicher: Die Anbieter können weder zaubern, noch haben sie etwas zu verschenken. Im Gegenteil, sie wollen mit ihren Angeboten Geld verdienen und verstecken in solchen Strukturen nicht selten happige Ertragsmargen.

... dürften dazu allerdings nur bedingt in der Lage sein

Ob das auch für die aktuell angebotene Dynamik-Anleihe von Barclays Capital gilt, mag dahingestellt sein. Das Produkt mit der Isin DE0008BC0A3K1 mit einer fünfjährigen Laufzeit verspricht zunächst einmal die Rückzahlung des Kapitals am Ende der Laufzeit. Das ist eine „Kapitalgarantie“, wie sie für Anleihen eigentlich normal ist. Darüber hinaus verspricht sie einen Mindestkupon von zwei Prozent pro Jahr. Das ist nicht alles, denn der Anleger kann unter Umständen zusätzlich von der Kursentwicklung von 25 soliden Standardaktien profitieren.

Dabei orientiert sich die erzielbare Performance des Zertifikats an jener der Aktien, die sich jeweils auf Jahressicht absolut am wenigsten bewegt hat. Wenn die absolute Kursveränderung trotzdem größer als zwei Prozent ist, soll der Anleger davon 80 Prozent erhalten. Fragt sich nur, was daran besonders dynamisch sein soll. Die Frage ist berechtigt. Denn ein Test an zufällig vorliegenden Daten zeigt, daß das Konstrukt auf Anhieb versagt. Denn im betrachteten Zeitraum lagen gleich drei der 25 Aktien unter der Marke von zwei Prozent.

Die Zusammenstellung des Portfolios läßt vermuten, daß das auch in Zukunft so sein könnte. Und wenn nicht, dann besteht die Gefahr, daß die „Market-Maker“ der Bank an den jeweiligen Stichtagen bei der bis dahin schwächsten Aktie den Kurs bewegen und den Sollzustand im Sinne der Bank herstellen. Mit einer Basisrendite von zwei Prozent jedoch ist das Produkt völlig uninteressant. Denn selbst jederzeit und ohne Spesen verfügbares Tagesgeld bringt vielfach mehr.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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