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Zinswende : Steigende Renditen in Zeiten stark steigender Staatsverschuldung

Hauptsitz der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel Bild: Hauri, Michael

Der im Frühjahr 2013 begonnene Renditeanstieg setzt sich weiter fort. Viele Marktteilnehmer erwarten noch höhere Werte. Die BIZ sorgt sich derweil um die immer größer werdende Schuldenlast der Länder.

          An den internationalen Anleihemärkten nimmt die Zinswende deutlichere Gestalt an. Der im vergangenen April begonnene Renditeanstieg setzte sich auch zu Wochenbeginn fort. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg bis auf 1,85 Prozent; das ist das höchste Niveau seit April 2012. Damit verteuert sich die Finanzierung von Staatsausgaben über die Begebung von Anleihen. Die Analysten der amerikanischen Bank JP Morgan erwarten im zweiten Halbjahr einen weiteren Anstieg der Renditen. Ihrer Ansicht nach ist der Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik, insbesondere aus den Anleihenkäufen durch die Notenbanken, in Sichtweite.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das robuster werdende Wirtschaftswachstum in Amerika und im Euroraum, wo sich die Rezession dem Ende zuneigt, sollte für weiter steigende Marktzinsen sorgen. Die JP-Morgan-Analysten erwarten die zehnjährige Bundrendite zum Jahresende bei 2 Prozent. Die Analysten der Deutschen Bank halten nach den jüngsten Aussagen des amerikanischen Notenbankpräsidenten Ben Bernanke einen Anstieg der amerikanischen Rendite auf 3 Prozent für möglich. Eine solche Entwicklung werten sie als „Zinsnormalisierung“. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt in ihrem Jahresbericht vor der wachsenden Schuldenlast.

          Verschuldung um 33 Billionen gestiegen

          Die private und öffentliche Verschuldung sei seit dem Jahr 2007 in den 18 führenden Wirtschaftsländern um 33 Billionen Dollar gestiegen. „All das ist ganz bestimmt nicht tragfähig“, sagte BIZ-Generaldirektor Jaime Caruana. Aus der jüngsten Prognose des unabhängigen Budgetbüros des amerikanischen Kongresses geht hervor, dass die Schulden der amerikanischen Bundesregierung in diesem Fiskaljahr 16,9 Billionen Dollar erreichen werden. Bis zum Jahr 2023 sollen sie auf rund 25 Billionen Dollar steigen. Die Zahlen verdeutlichen, wie stark die sich abzeichnende Zinswende Einfluss auf den Bundeshaushalt hat.

          Das Budgetbüro schätzte im Mai die Zinsbelastung im Bundeshaushalt in diesem Jahr auf rund 1,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll sie sich auf 3,2 Prozent mehr als verdoppeln. Nur einmal, 1991, lag die Zinslast in den vergangenen vierzig Jahren höher. Dabei ist unterstellt, dass der Zins auf zehnjährige Staatsanleihen bis zum Jahr 2018 auf 5,2 Prozent anziehen wird. Im Ausblick hatte das Budgetbüro noch einen Zins von 1,8 Prozent für dieses Jahr angenommen. Nun liegt die Rendite schon 0,8 Prozentpunkte höher. Nach Ansicht der BIZ, der „Zentralbank der Zentralbanken“, ist der Konsolidierungsbedarf besonders hoch in den Ländern, die derzeit die niedrigsten Finanzierungskosten haben.

          Dazu zählen unter anderem die Vereinigten Staaten, Japan und Deutschland. Die BIZ warnt, dass ein Anstieg der langfristigen Zinsen, die noch immer sehr niedrig sind, sehr plötzlich einsetzen könne mit entsprechend negativen Folgen für die Wirtschaft und das Finanzsystem. Die Anleihekäufe der Notenbanken führen nicht immer zum gewünschten Ergebnis. So ist es dem Gouverneur der Bank von Japan, Haruhiko Kuroda, nicht gelungen, damit die Renditen niedrig zu halten. Dennoch zeigt er sich nicht besorgt angesichts einer zehnjährigen Rendite von 0,9 Prozent, die im internationalen Vergleich niedrig liegt. Ohne Instabilität zu verursachen, hält er einen Zinsanstieg zwischen 1 und 3 Prozentpunkten für verkraftbar.

          Voraussetzung ist aber, dass die wirtschaftliche Erholung auch einsetzt. Schwierig wird es, wenn die Wirtschaft nicht wächst. Japan ist schon mit 240 Prozent seiner jährlichen Wirtschaftsleistung verschuldet. Der Etat wird seit Jahren nur noch zur Hälfte über Steuern finanziert. Ein Viertel frisst schon jetzt der Schuldendienst. In den Euro-Krisenländern Italien und Spanien stiegen die Zinsen, ohne dass sich die Konjunktur bessere, stellt Ralf Preusser, Zinsstratege der Bank of America für Europa, fest. Allerdings seien die Zinsen noch immer niedrig.

          So beträgt laut Preusser der durchschnittliche Kupon für den spanischen Staatsanleiheindex 4,45 Prozent und die durchschnittliche Rendite 3,75 Prozent. Die meisten Tragfähigkeitsanalysen würden durchschnittliche Zinsen von 4,5 Prozent und auf diesem Niveau eine Stabilisierung der Schuldenquote annehmen, fügt er hinzu. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass von der jüngsten Wende vor allem die Renditen mit Anleihen langer Laufzeit betroffen sind. Die Renditen mit kürzeren Laufzeiten liegen deutlich niedriger. Staaten finanzieren sich üblicherweise durch die Ausgabe von Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten.

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