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Zinsmanipulationen : Auch Euribor unter Kartellverdacht

Geschäftsstelle des britischen Bankenverbandes BBA in London Bild: Bloomberg

Nach dem Skandal um Zinsmanipulationen der britischen Großbank Barclays gerät auch das Verfahren zur Ermittlung des europäischen Interbankenzinses Euribor in den Blickpunkt.

          Vor einem Jahr hat die EU Untersuchungen zu angeblichen Manipulationen des Euro-Interbankenzinses Euribor durch europäische Banken eingeleitet. In Reaktion auf die Strafe gegen die britische Bank Barclays aufgrund von Manipulationen des hauptsächlich auf den Dollar konzentrierten Libor-Zinses (London Interbank Offered Rate), räumt EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia diesen Untersuchungen nun oberste Priorität ein.

          Bedeutende Volumina

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dem Euribor kommt im Volumen ähnlich hohe Bedeutung wie dem Libor zu. Das Volumen an Finanzprodukten, für die der Libor  Referenzzins ist, wird auf 350 Billionen Dollar geschätzt. Das sind knapp 280 Billionen Euro und dürfte im Groben wohl auch dem Volumen der auf dem Euribor basierenden Finanzprodukte entsprechen.

          Der größte Anteil entfällt davon auf im Freiverkehr unter Banken gehandelte Zinsderivate, mit denen im Wesentlichen zwei Vertragspartner feste gegen variable Zinsen tauschen. Der wichtigste Markt für solche auf Euribor lautende Zinsswaps ist die Londoner Terminbörse Liffe. Dort hat Ende 2011 das Volumen an kurzfristigen Euribor-Zinskontrakten 241 Billionen Euro betragen.

          Auch Privatkunden betroffen

          Doch von Zinsmanipulationen wären auch die normalen Bankkunden betroffen. Denn am Euribor orientieren sich zahlreiche Immobilienkredite, Sparverträge und variabel verzinsliche Anleihen. Dabei kann für Europa ein sehr hoher zusätzlicher Billionen-Betrag zusammenkommen. Jedoch gibt es zu dem Volumen der Finanzprodukte, die auf Libor oder Euribor basieren, nur Schätzungen, aber keine genauen Zahlen.

          Doch dürften die Daten zu den Zinsderivaten einen ersten Näherungswert liefern. Seit dem vergangenen Jahr geht die EU-Kommission Hinweisen auf mögliche Manipulationen in der täglichen Zinsberechnung nach. Zweimal wurden die Büros verschiedener Banken durchsucht. Die Ermittlungen sollen insgesamt 20 europäische Banken betreffen. Darunter befindet sich nach eigenen Angaben auch die Deutsche Bank.

          Während für den Dollar-Libor der britische Bankenverband BBA 18 Banken befragt, sind es beim Euribor gegenwärtig 43 Institute. Die höhere Zahl teilnehmender Banken vermindert nach Ansicht des Europäischen Bankenverbandes (EBF) die Möglichkeit, über Absprachen ein Kartell zu bilden. Gleichwohl ist es nicht unmöglich.

          Ähnliche Berechnungsverfahren

          Die Verfahren bei Libor und Euribor weisen Parallelen auf. Jeden Vormittag melden die Banken die Zinsen, zu denen sie Refinanzierungsgeschäfte mit der Konkurrenz tätigen würden. Insgesamt gibt es 15 Euribor-Zinssätze, die sich auf Laufzeiten von einer Woche bis zwölf Monaten beziehen. Ähnlich wie beim Libor ist mit Abstand am wichtigsten der dreimonatige Zeitraum. Hier beträgt der Euribor aktuell 0,65 Prozent.

          Nach Angaben der für die Berechnung zuständigen Euribor-EBF werden jeweils die sechs höchsten und die sechs niedrigsten Zinssätze der Banken von der Berechnung ausgeschlossen. Damit könnten irreführende Mitteilungen der Banken die Berechnung nicht beeinflussen. Ähnlich geht der britische Bankenverband bei der Libor-Berechnung vor: Hier werden die vier höchsten und die vier niedrigsten Sätze ignoriert. Doch dass es Manipulationen gab, belegt die von Barclays akzeptierte Geldstrafe von 290 Millionen Pfund. Händlern der Bank wurde nachgewiesen, zu niedrige Sätze genannt zu haben.

          Zu dem Kreis der untersuchten Institute zählt auch die West LB, die am Wochenende endgültig zerschlagen wurde. Die Landesbank gehörte bis vor einem Jahr auch zu den Banken, die dem britischen Bankenverband Libor-Sätze meldeten. Bislang wurde die West LB, die sich am Libor-Markt selbst als „kleinen Fisch“ betrachtet hat, nicht belangt. Sollten aber Verfehlungen nachgewiesen werden können, müssten sich die Ansprüche wohl gegen den Rechtsnachfolger Portigon richten, der als Dienstleister im Management von Kredit- und Wertpapierportfolios tätig ist.

          Quelle: F.A.Z.

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