11.06.2007 · Viele Aktionäre ärgern sich über die höheren Leitzinsen. Sparer dagegen stehen auf der Gewinnerseite: Für Festgeld mit zwölf Monaten Laufzeit gibt es bei vielen Anbietern schon wieder mehr als vier Prozent Zinsen.
Sparer können ab sofort mit höheren Zinsen rechnen - und Kreditnehmer müssen fürs Geldleihen mehr zahlen. Dieses Signal gibt die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit an Banken und Verbraucher. Nach der achten Zinsanhebung in Folge seit Ende 2005 ist der Leitzins nun auf 4,0 Prozent gestiegen und liegt so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr.
Zwar profitieren Sparer nur zum Teil, weil die Banken abwarten und höhere Zinsen nicht eins zu eins an ihre Kunden weitergeben. Doch die Lage ist für die Verbraucher nach Expertenmeinung so gut wie lange nicht mehr, weil der Markt im Gegensatz zu früheren Jahren wegen des harten Wettbewerbs in Bewegung ist (siehe auch: FAZ.NET-Service: Zinsvergleich).
Vier vor dem Komma
„Bemerkenswert ist, dass die Geldanlagezinsen und die Kreditzinsen sich angenähert haben, früher war der Abstand größer“, sagt der Finanzjournalist Marcus Preu vom Internetportal Biallo.de. „Grund dafür ist, dass der Markt wegen der starken Konkurrenz enger geworden ist.“ Zudem seien die Kunden besser informiert und würden die Angebote stärker vergleichen.
So stehe bei den Zinsen für Festgeld mit zwölf Monaten Laufzeit inzwischen bei rund 20 Anbietern eine Vier vor dem Komma, darunter auch bei Deutscher Bank und Dresdner Bank. Gleichzeitig sind auch Baukredite mit zehnjähriger Laufzeit oder Ratenkredite noch für vier Prozent Zinsen zu haben.
Steigende Margen im Privatkundengeschäft
Vorbei sind die Zeiten, als der einstige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer 2002 erklärte, die Banken könnten die Leitzinssenkung der EZB nicht in Form niedrigerer Kosten an die Kunden weitergeben. „Das können wir uns nicht erlauben“, sagte Breuer damals und brachte die Verbraucherschützer gegen sich auf.
Heute bemühen sich alle Banken um eine Anpassung der Konditionen. Dennoch müssen Verbraucher ausharren, weil viele Banken abwarten und die steigenden Margen im Privatkundengeschäft nutzen wollen. „Keiner will als erster anheben, weil er damit auf Geschäft verzichtet“, sagt ein Sprecher der Frankfurter Sparkasse (Fraspa).
Bis vier Prozent für Tagesgeld
Die jüngste Leitzinsanhebung vor knapp einer Woche haben nur wenige Anbieter von Tagesgeldkonten bislang in höhere Sparzinsen umgesetzt. Der Marktführer bei Tagegeldkonten ING-Diba erklärte, die Zinsen „erst einmal unverändert“ zu lassen. „Es gibt keinen Automatismus zwischen Leitzinserhöhung und unseren Konditionen“, sagte ein Sprecher. „Wir schauen in erster Linie, was die Konkurrenz macht“, sagt der Fraspa-Sprecher.
Die Commerzbank-Tochter Comdirect hat dagegen den achten Zinsschritt der EZB zum achten Mal umgesetzt und verzinst Tagesgeld mit 3,8 Prozent. Viele Anbieter geben mit drei bis vier Prozent einiges mehr, als lange Zeit zu erwarten war.
„Viele Banken setzen auf die Trägheit der Masse“
Doch die Mehrzahl der Sparer profitiert wenig vom steigenden EZB- Leitzins. Ein Vergleich der Angebote von 56 überregionalen Banken und Direktbanken der Frankfurter Finanzberatung FMH zeigt, dass seit Ende 2005 bis heute der durchschnittliche Zinssatz für Tagesgeld nur um 1,1 Prozentpunkte auf 2,82 Prozent gestiegen ist - im gleichen Zeitraum kletterte der Leitzins doppelt so stark um 2,0 Prozentpunkte. Beim Festgeld war es ein Zuwachs von 1,4 Punkten.
„Viele Banken setzen auf die Trägheit der Masse“, kritisiert Finanzexperte Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Sie kalkulierten darauf, dass die Kunden trotz schlechterer Konditionen nicht abwanderten. Auch der Dispo-Zins wird von den Verbraucherschützern mit im Schnitt knapp zwölf Prozent immer noch als überzogen bewertet.
Leitzins nur ein Faktor von vielen
Der Bundesverband deutscher Banken verweist darauf, dass der Leitzins nur ein Faktor von vielen ist. „Daneben sind die Zinsen am Kapitalmarkt, der Wettbewerb sowie die Geschäftsfelder und Kunden der Bank entscheidend“, sagt ein Verbandssprecher. Leitzinsen sind der Preis, den Banken und Sparkassen für Geld zahlen müssen, das sie sich von der Notenbank ausleihen. Sie besorgen sich das Geld aber auch bei anderen Finanzinstituten und von ihren Kunden, so dass der EZB-Leitzins nur den Trend vorgibt.
Die Bauzinsen sind nach Angaben der Experten derzeit so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. „Für Häuslebauer, die sich ihren Zins noch nicht langfristig gesichert haben, wird die Luft dünner“, sagt Max Herbst von FMH. Wichtig sei die Auswahl der Bank, weil die Konditionen zum Teil erheblich auseinander lägen. Mit zehnjähriger Laufzeit koste ein durchschnittliches Hypothekendarlehen 5,0 Prozent Zinsen, die teuersten kosteten einen guten Prozentpunkt mehr. Dieser Unterschied könne bei der Finanzierung eines durchschnittlichen Reihenhauses mehr als 2000 Euro im Jahr ausmachen.