03.03.2010 · Viele Banken rechnen erst für 2011 mit der ersten Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank. Sie gehen davon aus, dass die Notenbank zunächst erst die Liquiditätshilfen abbauen wird.
Von Stefan RuhkampBei den Banken verstärkt sich die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) erst im kommenden Jahr mit Zinserhöhungen beginnen wird. Rechnete beim Jahreswechsel noch eine große Mehrheit der Ökonomen mit einer Zinswende im zweiten oder dritten Quartal 2010, erwartet nun schon mehr als ein Drittel der von Reuters befragten Fachleute, dass die EZB die Zinsen in diesem Jahr gar nicht verändert.
Noch überwiegt die Gruppe der Ökonomen, die den ersten Zinsschritt von derzeit 1 auf dann 1,25 noch im vierten Quartal dieses Jahres für möglich hält, doch diese Fraktion verliert an Gewicht. Einig sind sich dagegen fast alle Beobachter, dass es bei der an diesem Donnerstag bevorstehende Sitzung des EZB-Rats keine Veränderung des Leitzinses geben wird.
EZB nimmt die Zügel wieder auf
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird stattdessen die nächsten Schritte für die Rückführung der Liquiditätshilfen vorstellen. Weil sich die Banken untereinander nicht mehr uneingeschränkt trauen, verleiht die EZB seit der Zuspitzung der Bankenkrise im Herbst 2008 so viel Geld zum Leitzins, wie die Banken wünschen. Zudem hat sie die Laufzeit der Finanzierungsgeschäfte auf bis zu ein Jahr verlängert.
Da sich die Lage auf den Geldmärkten allmählich beruhigt, hat die EZB mit der Rückführung der Liquiditätshilfen begonnen. Das letzte einjährige Finanzierungsgeschäft gab es im vergangenen Dezember. Ende dieses Monats wird es zum letzten Mal eine Ausleihung über sechs Monate geben, und das voraussichtlich nicht mehr zum Leitzins, sondern zu einem indexierten Zins, der an den Leitzins der kommenden sechs Monate gebunden ist. Am Donnerstag wird die EZB die nächsten Schritte in Angriff nehmen.
„Das macht es sehr unwahrscheinlich, dass es noch in diesem Jahr zu einer Zinserhöhung kommen wird“, sagt Carsten Junius, Zinsfachmann bei der Deka-Bank. Denn insbesondere die schwächeren Banken, die nur über die Finanzierungsgeschäfte der EZB an Geld kämen, müssten die Rückführung verkraften. Das werde die Zentralbank schrittweise testen. Erwartet wird, dass die EZB zunächst bei den längerfristigen Finanzierungsgeschäften über drei Monate die Vollzuteilung beenden und wie vor der Krise eine vorher festgelegte Summe versteigern wird. Die wöchentlichen Geschäfte dürften dagegen frühestens im dritten Quartal normalisiert werden, glauben die meisten Fachleute.
Aussetzung des Marktzinses wird beendet
Dadurch würde sich der Satz, zu dem sich die Banken auf dem immer noch gestörten Geldmarkt untereinander Geld leihen, allmählich wieder dem Leitzins annähern. Seit dem Beginn der Liquiditätshilfen liegt er weit unter dem Leitzins. Zahlen die Banken bei den Finanzierungsgeschäften der EZB derzeit 1 Prozent für eine Woche, liegt der Zins auf dem Markt für besicherte Leihgeschäfte unter den Banken bei nur 0,36 Prozent.
Kreditwürdige Banken kommen also seit dem Beginn der Liquiditätshilfen zu einem Zins an Zentralbankgeld, der weit unter dem Leitzins liegt. Eine Rückführung der Liquiditätshilfen würde diesen Marktzins anheben und ähnlich einer Zinserhöhung wirken. Die EZB werde deshalb die Rückführung in kleinen Schritten angehen, erwartet Jürgen Michels, Zinsfachmann bei der Citigroup. Zumal sich die Finanzierungsbedingungen der Banken, auf die die EZB genau achtet, seit Dezember nicht weiter verbessert hätten. Auch die Citigroup erwartet in diesem Jahr noch keine Zinswende im Euro-Raum.
Auch die immer noch geringen Inflationsraten erweitern nach Einschätzung der Bank HSBC den Spielraum für eine lange Zinspause. Im Februar ist die Jahresteuerungsrate im Euro-Raum wieder unter 1 Prozent gefallen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |