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Fed-Entscheid naht : Amerikas Zinswende trifft die Schwellenländer

Noch liegt der brasilianische Aktienindex in diesem Jahr mit 50 Prozent im Plus, der Wahlsieg Trumps ändert aber die Spielregeln an den Finanzmärkten. Bild: dpa

Höhere Zinsen und höheres Wachstum haben viel Kapital in aufstrebende Märkte gelockt. Jetzt kommt Donald Trump, und die Zinsen sowie der Dollar steigen. Viele Schwellenländer dürften leiden.

          Zinswende, Revolte gegen die Globalisierung, starker Dollar, Reinflationierung - diese Schlagworte, die sich seit der Präsidentenwahl in Amerika als Erwartungen an die künftige Wirtschaftspolitik und als neue Trends an den Kapitalmärkten abzeichnen, lassen vor allem Geldanlagen in den Schwellenländern riskant erscheinen. Denn die internationalen Anleger, die an die dortigen Börsen in den vergangenen Jahren viel Geld gelenkt haben, reagierten mit ihren Anlagen damals auf genau die gegenteiligen Trends. Sobald jedoch in der jüngeren Vergangenheit einmal etwas länger die Zinsen in Amerika stiegen, gerieten sogleich nicht wenige Schwellenländerbörsen in Turbulenzen.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch seit dem Wahlsieg von Donald Trump haben die Kurse an den Aktienmärkten vieler Schwellenländer nachgegeben. Während an der Wall Street der Aktienkurs Dow Jones sieben Tage hintereinander auf Rekordhochs gestiegen ist und der marktbreitere Aktienindex S&P 500 nur 1 Prozent unter seinem Höchststand liegt, haben die Indizes der Aktienbörsen Indonesiens 7 Prozent, Indiens 5 Prozent und der Türkei 2 Prozent verloren. Noch liegen andere Schwellenländer wie der brasilianische Aktienindex in diesem Jahr mit 50 Prozent im Plus. Jedoch: Der Wahlsieg Trumps ändert die Spielregeln an den Finanzmärkten, sagen nicht nur die Analysten der größten britischen Bank HSBC. „Gerade Währungen von Schwellenländern, in denen es hohe Zinsen gibt, werden jetzt leiden.“

          S&P 500

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          Um den Grund für die Skepsis zu verstehen, muss man wissen: Wie lief das Spiel für die Schwellenländerbörsen bisher? Um die Jahrtausendwende haben internationale Anleger die Schwellenländer erst so richtig entdeckt. 2001 erfand die Investmentbank Goldman Sachs das Kürzel BRIC. Damit gelang es, die Prognose eines starken Wirtschaftswachstums und hoher Renditen in Brasilien, Russland, Indien und China Anlegern nahezubringen. Tatsächlich ließ sich in den Schwellenländern lange überdurchschnittlich viel Geld verdienen. Ein Grund dafür war auch: Die Zinsen in Amerika und in Westeuropa sind seit dem Jahr 2000 im Prinzip nur gefallen.

          Auf der Renditejagd wird man in Westeuropa und Nordamerika nur noch selten fündig

          Dieser Zinsabwärtstrend hängt mit den Schwellenländern zusammen: Mit dem Fall des Eisernen Vorgangs in Osteuropa 1989 und der Öffnung Chinas kamen viele Billigprodukte und günstige Arbeitskräfte auf die westlichen Märkte. Durch diese Globalisierung ging die Inflation zumindest der Verbraucherpreise zusehends zurück. Selbst als die Notenbanken nach der Finanzkrise 2008 mit Nullzinsen und Wertpapierkäufen in unvorstellbarem Ausmaß versuchten, die Verbraucher zum Geldausgeben zu bringen, blieb die Inflation niedrig. Dies diente den Notenbanken als Rechtfertigung, die Dosierung ihrer zinsdrückenden Maßnahmen immer weiter zu erhöhen.

          Auf der Jagd nach Rendite werden Anleger in Westeuropa und Nordamerika nur noch selten fündig. Immer mehr Renditejäger hat es deshalb in die Schwellenländer gezogen. Am Mittwoch berichtete Pioneer, die Fondsgesellschaft der italienischen Unicredit, Ende Oktober hätten 14 Milliarden Dollar, so viel wie noch nie, in ihren Schwellenländer-Anleihefonds gesteckt. Doch wie lange noch? „Zweifellos hat die unorthodoxe Geldpolitik im Westen und die damit niedrig gehaltenen Zinsen Kapital fehlgeleitet und die Abhängigkeit der Schwellenländer vom globalen Zinstrend verstärkt“, heißt es nun warnend von der französischen Bank Société Générale.

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