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Zertifikate Zinsleitern führen nicht immer nach oben

28.10.2005 ·  Bei einer Zinsleiter-Anleihe denkt man normalerweise, von steigenden Zinsen profitieren zu können. Nicht so bei einem Produkt von Goldman Sachs: Die Bank hat der Leiter die Sprossen herausgesägt, der Anleger fällt bei steigenden Zinsen durch.

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Bei einer Zinsleiter-Anleihe denkt man normalerweise, von steigenden Zinsen profitieren zu können. So etwas könnte im Moment viele Anleger interessieren, da gerade wieder einmal das Inflationsgespenst umgeht. Eine anziehende oder gar außer Kontrolle geratende Preisentwicklung würde die Notenbanken zu Zinserhöhungen zwingen.

Das wiederum ist zumindest theoretisch nicht sonderlich positiv für Aktien und definitiv negativ für festverzinsliche Papiere. Denn vor allem länger laufende Rentenpapiere mit einem möglicherweise noch geringen Kupon geraten in einem Umfeld steigender Zinsen normalerweise in die Defensive. Spich: Es kommt zu Kursverlusten, die alle jene belasten können, die die Papiere vor Verfall verkaufen müssen. Denn in diesem Fall müssen sie möglicherweise Kursverluste realisieren.

Anleihen sind in einem Umfeld steigender Zinsen normalerweise interessant ...

So könnten Zinspapiere mit variablem Kupon interessant werden. Denn sie profitieren unter normalen Umständen von steigenden Zinsen. Allerdings ist es angebracht, die auf den Markt kommenden Produkte genauer zu betrachten. Vor allem bei synthetischen Varianten, den so genannte strukturierten Produkten sind immer wieder Überraschungen möglich. Und in den wenigsten Fällen sind sie positiv.

Das zeigt sich unter anderem an vielen der in den vergangenen Wochen und Monaten auf den Markt gekommenen„Zinsleitern“. Legt die Intuition des Anlegers nahe, er könne mit dem Kauf eines solchen Produktes vom sich verändernden Zinsumfeld profitieren, so kommt es auf den Standpunkt an. Das Problem dabei: Eine Zinsleiter muß nicht zwangsweise nach oben führen.

So hört sich denn auch das Angebot einer 7%-Zinsleiter-Anleihe von Goldman Sachs zunächst positiv an. Allerdings sollte schon der gleich mitgelieferte Zusatz „…eine interessante Geldanlage dar, da sie auch in einem Umfeld mit allgemein niedrigen Renditen ein attraktives Ergebnis erzielt“ zu denken geben. Denn eigentlich müßte diese Formulieren noch deutlicher ausfallen. Fakt ist, daß das Papier nur dann zu einer tatsächlich attraktiven Rendite führt, wenn das Zinsniveau tief bleibt. Allerdings nur theoretisch, da sich die Bank für diesen Fall ein Hintertürchen offengehalten hat: Sie kann vorzeitig kündigen. Und genau das wird sie garantiert tun, sobald sich abzeichnet, daß die Zinsen tief bleiben werden.

... aber nur, wenn ihre Struktur nicht verdreht ist

Obwohl sowohl ein Kupon von sieben Prozent im ersten Jahr als auch der Begriff „Zinsleiter“ positive Assoziationen hervorrufen möge, ist das Papier bei genauerer Betrachtung uninteressant. Denn die Bank hat der Leiter die Sprossen herausgesägt, so daß der Anleger bei steigenden Zinsen durchfällt. Sollten die variablen Zinsen in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen oder sich auch nur auf ein leicht erhöhtes Niveau begeben, so wären die erzielbaren Renditen im Vergleich mit alternativen Anlagemöglichkeiten bescheiden.

In diesem Sinne ist das Papier uninteressant. Denn das Chance-Risikoverhältnis ist nur für die Bank von Vorteil, nicht jedoch für den Anleger.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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