31.03.2006 · Mit dem „Schmetterling-Zertifikat“ der Commerzbank läßt sich auf den Ölpreis wetten. Selbst bei Kursverlusten des Öl-Futures sind noch Gewinne drin. Trotzdem sollten sich Anleger genau überlegen, ob das Produkt das richtige für sie ist.
Öl und Schmetterling - das mag irgendwie nicht so richtig zusammenpassen. Der Schmetterling steht schließlich für eine heile, naturbelassene Welt, Öl nicht unbedingt. Doch das stört die Commerzbank nicht: Sie hat ein „Schmetterling-Zertifikat“ auf Öl aufgelegt.
„Nicht nur der Schmetterling holt sich neuen Schwung beim Auf und Ab seines Flügelschlags, sondern auch Ihr Investment“, erklärt die Bank in ihrer Broschüre. Daher also die Idee für den Namen dieser Inhaberschuldverschreibung (Isin DE000CZ31328).
Gewinn selbst bei fallendem Ölpreis
Der Name mag ein wenig unglücklich sein, das Konzept dagegen klingt verlockend: Wenn der Ölpreis steigt, profitiert der Anleger zu 110 Prozent vom Kursgewinn. Eine obere Grenze, wie bei manchen anderen Zertifikaten üblich, ist nicht vorgesehen. Und das ist gut so, schließlich sehen viele Experten den Ölpreis künftig weiter steigen. Das Zertifikat bezieht sich auf den West Texas Intermediate (WTI) Light Sweet Crude Oil Future, der an der Terminbörse Nymex gehandelt wird.
Auch ein sinkender Ölpreis kann für einen Gewinn sorgen. Am Emissionstag, dem 19. April, wird eine Kursschwelle festgelegt, die bei 60 Prozent des dann aktuellen Preisniveaus liegt. Fällt der Ölpreis bis zum Laufzeitende am 24. März 2011 nicht unter diese Schwelle, profitiert der Anleger auch von Kursverlusten - diese kommen ihm nämlich als absoluter Ertrag zugute. Liegt der Ölpreis im März 2011 zum Beispiel 20 Prozent unter dem jetzigen Niveau, realisieren die Inhaber des Zertifikates nicht etwa diesen Verlust, sondern erzielen einen Ertrag von 20 Prozent.
Was passiert beim Unterschreiten der Kursschwelle?
Das klingt doch prima: Steigt der Ölpreis, profitiert der Anleger. Sinkt der Ölpreis, profitiert er auch. Was aber passiert, wenn WTI unter die Kursschwelle fällt? Bleibt er bis zum Laufzeitende unter der Schwelle, zeichnet das Zertifikat den WTI-Kursverlauf nach - der Anleger muß also einen Verlust realisieren. Erholt sich der Ölpreis und liegt am Ende über seinem Startniveau, wird der Anleger wieder mit 110 Prozent am Kursgewinn beteiligt.
Das Zertifikat zu einem Preis von 100 Euro und einem Ausgabeaufschlag von vier Prozent kann bis maximal 18. April gezeichnet werden - die Commerzbank behält sich vor, die Zeichnung bei entsprechender Nachfrage vorher zu schließen, denn das Emissionsvolumen ist begrenzt.
Zwei Punkte sollten Anleger bedenken
Alles in allem klingt das Zertifikat nach einer fairen Sache: Der Anleger nimmt überproportional an Kursgewinnen teil und hat einen stattlichen Risikopuffer. Selbst bei einem sinkenden Ölpreis sind Gewinne drin. Doch zwei Punkte sollten Investoren - neben dem nicht gerade günstigen Ausgabeaufschlag von vier Prozent - bedenken: Zum einen die Laufzeit, zum anderen die Schwankungen des Ölpreises.
Der Anleger kann sein Zertifikat zwar vor dem Laufzeitende an der Börse verkaufen. Dieser Preis aber wird sich aber wesentlich an der WTI-Kursentwicklung orientieren und kann selbst dann unter dem Ausgabepreis liegen, wenn die Kursschwelle noch nicht unterschritten wurde. Wer sein Geld also nicht bis 2011 entbehren kann, sollte sich eine Investition noch einmal genau überlegen.
Die Schwankungen des Ölpreises in den vergangenen Jahren zeigen, daß eine Kursschwelle von 60 Prozent durchaus unterschritten werden kann. Dann hätte der Anleger nichts mehr von seinem Schmetterling - und würde nur noch profitieren, wenn der Ölpreis steigt.