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Zertifikate Anleger haben bei „Zinsleitern“ das Nachsehen

22.05.2006 ·  Bei einer Zinsleiter-Anleihe denkt man normalerweise, von steigenden Zinsen profitieren zu können. Doch das täuscht. Viele der auf den Markt gekommenen „Zinsleitern“ liegen inzwischen „unter Wasser“.

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„Innovative“ Finanzprodukte erleben in Deutschland einen richtiggehenden Boom. Nirgends gibt es so viele verbriefte Möglichkeiten, an den Finanzmärkten die verschiedensten Trends zu spielen, wie hierzulande.

Das ernorme Wachstum des Segmentes deutet zunächst einmal darauf hin, daß zumindest die Anbieter mit den mit hohem Werbeaufwand in den Markt gedrückten Produkten gutes Geld verdienen. Ob das auch für die Anleger gilt, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Denn was gerade Mode ist, muß nicht unbedingt auch gut sein.

Anleger fallen mit „Zinsleitern“ durch

Denn erstens verbergen die Produkte nicht selten teure Kostenstrukturen. Zweitens sind sie oft so kompliziert konstruiert und damit so intransparent, daß die Anleger nur bedingt verstehen, was ihnen ihr Anlageberater aufgeschwatzt oder gar im Auftrag ins Depot gelegt hat.

Hatten sie in den vergangenen Monaten beispielsweise auf steigende Zinsen gesetzt und aus diesem Grund auf Zinsleitern gesetzt, wie sie vielfach angeboten wurden, so dürften sie sich inzwischen „gekniffen“ fühlen. Denn impliziert der Begriff Zinsleiter intuitiv die Vermutung, man könne von steigenden Zinsen in Form von Kursgewinnen profitieren, so waren viele dieser Produkte gerade anders herum konstruiert. Die Anbieter hatten der „Zinsleiter“ bildlich gesprochen die Sprossen herausgesägt.

Hieß es im Werbebrief einer der großen deutschen Direktbanken zu einer Zinsleiter-Anleihe vor etwa einem Jahr so schön: „Sie bringt Ihnen im ersten Jahr garantierte sechs Prozent Zinsen - danach beeinflußt das europäische Zinsniveau den Zinssatz. Das investierte Kapital wird in jedem Fall am Ende der Laufzeit oder bei vorzeitiger Kündigung durch den Emittenten zurückgezahlt,“ so kann sich das Zwischenresultat jetzt sehen lassen.

Allerdings sieht es nicht sonderlich positiv aus. Denn die Produkte liegen durchwegs und zum Teil deutlich im Minus. Das läßt sich an der beiliegenden Tabelle deutlich ablesen. Sie hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da viele Produkte ähnlich konstruiert sein mögen aber nicht unter dem Überbegriff „Zinsleiter“ zu finden sind. Alleine das schon zeigt die Intransparenz des gesamten Segments.

Minderrendite oder gar Verluste - das ist hier die Frage

Sollte der Anleger die Produkte im gegenwärtigen Umfeld verkaufen wollen oder müssen, so muß er einen deutlichen Kursverlust realisieren. Den kann er nur dann vermeiden, wenn er die Produkte bis zum Ende der Laufzeit hält. Aber selbst wenn er das tut, dürfte die Rendite bei anhaltend restriktiven Geldpolitiken der Zentralbanken bescheiden ausfallen.

Das ist nachträglich nicht mehr zu ändern. So mögen sich jene Anleger freuen, die den Kauf solcher Mogelpackungen vermeiden konnten. Immerhin konnte er in den vergangenen Monaten bei FAZ.NET mehrfach entsprechend kritische Analysen lesen. „Rechnet man verschiedene Szenarien durch, dann wird schnell deutlich, daß die Zinsleiter entgegen der Intuition nicht nach oben, sondern nach unten führt. Das heißt, der Anleger verschlechtert sich mit steigendem Sechs-Monatszins. Dagegen kann sich die Emissionsbank immer günstiger refinanzieren,“ hieß es beispielsweise wortwörtlich. Und genau das ist in den vergangenen Monaten passiert.

Insgesamt dürfte wieder einmal deutlich werden, wie kritisch man die rasante Entwicklung des Marktes für strukturierte Produkte als Anleger betrachten sollte. Denn nicht selten werden sie über den Tisch gezogen. Es dürfte ratsam sein, sich nur solche Anlageinstrumente ins Depot zu legen, die man auf Anhieb versteht. Motto: Je einfacher, desto besser.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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