13.12.2007 · Die Reaktion der Banken auf die vorgesehene Liquiditätszufuhr durch die Notenbanken war gespalten. Positiv wurde die konzentrierte Aktion der Banken bewertet. Sorgen bereitet den Experten, dass die Risiken im kommenden Jahr nicht so einfach verschwänden.
Von Bettina Schulz, LondonDie konzertierte Aktion der führenden Zentralbanken der Welt, dem Interbanken-Geldhandel mit gezielten Maßnahmen unter die Arme zu greifen, ist von den Märkten mit Zurückhaltung aufgenommen worden. Allerdings wurde am Donnerstag deutlich, dass die Märkte zunächst Schwierigkeiten hatten, die mittelfristigen Auswirkungen einer der wichtigsten Zentralbankeingriffe seit dem „Plaza-Abkommen“ im Jahr 1985 einzuordnen. Daher war es nicht überraschend, dass die Geldmarktsätze an den führenden Finanzplätzen der Welt zunächst auf dem höchsten Stand seit sieben Jahren verharrten. Der Euribor-Dreimonatszins kletterte sogar auf das zyklische Hoch von 4,95 Prozent, während der Dreimonats-Dollar-Libor-Zins nachgab. Die Aktienmärkte reagierten zunächst unsicher, gaben dann aber nach.
Die Reaktion der Banken auf die über das Jahresende vorgesehene Liquiditätszufuhr durch die Notenbanken von insgesamt 64 Milliarden Dollar, ferner die neue „Term Auction Facility“ der amerikanischen Notenbank und deren Bereitschaft, bei Pensionsgeschäften viel mehr Wertpapiere als bisher als Sicherheit zu akzeptieren, war gespalten: „Dass die Notenbanken in konzertierter Aktion gehandelt haben, ist sehr positiv und sollte die Risikoprämie am Markt senken“, hieß es bei Credit Suisse. Es sei aber so, dass die Federal Reserve immer noch nicht bereit sei, auch weniger bonitätseinwandfreie Papiere als Sicherheit zu akzeptieren.
Zinsen in den Vereinigten Staaten würden weiter sinken
Die Experten von Credit Suisse bemängeln, dass die Federal Reserve die Krise an den Märkten offenbar als rein technische Angelegenheit ansehe und nicht als ein größeres, fundamentales Problem mit negativen Auswirkungen auf das amerikanische Wachstum. „Letztlich werden die Märkte von Wachstumserwartungen getrieben, und deshalb wären wir jetzt nicht zu optimistisch mit Blick auf die weitere Entwicklung“, warnt James Sweeney, globaler Anlagestratege bei Credit Suisse. Selbst wenn die jetzigen Maßnahmen den Druck auf die Banken erleichterten, würden die ökonomischen Aussichten die Federal Reserve in den kommenden Monaten dennoch zwingen, die Zinsen weiter zu senken.
Von anderen Banken wurde die konzertierte Aktion als „extrem positiv“ und „klug“ bezeichnet. Die Commerzbank betonte, dass die Federal Reserve bewusst einen Strich unter die Ära von Alan Greenspan gezogen habe. „Die Tage, in denen den Märkten einfach nur durch Zinssenkungen aus der Patsche geholfen wurde, sind endgültig vorbei.“ Sicherlich würden die Zinsen in den Vereinigten Staaten wegen der Konjunkturschwäche noch sinken.
Aber den Märkten werde jetzt - in der Zeit der Not - eindeutig mit technischen Maßnahmen am Geldmarkt geholfen, und das sei der einzig richtige Weg. Es werde noch Monate dauern, bis sich der Markt wieder beruhigt habe. Das werde erst geschehen, wenn die Banken sich gegenseitig wieder über den Weg trauten. Und dies werde erst geschehen, wenn über die Abschreibungen Klarheit geschaffen worden sei. „Sollten wir jetzt aber ohne eine größere Liquiditätskrise über den Dezember kommen, dann könne die Welt Anfang Januar wieder besser aussehen“, sagt Peter Dixon, Chefvolkswirt der Commerzbank in London.
Nicht alle urteilten positiv
„Die Notenbanken und Aufsichtsbehörden werden jetzt mit den Banken zusammenarbeiten, damit ein klares Bild der Bewertungen und Abschreibungen am Markt entsteht und das Vertrauen und die Liquidität an den Markt zurückkehren. Zum Ende des ersten Quartals im nächsten Jahre sollten wir dann die Wende zum Besseren erleben“, hofft Marco Annunziata, Chefvolkswirt bei Unicredit.
Nicht alle urteilen so positiv. BNP Paribas warnt, dass die Risiken im kommenden Jahr nicht einfach so verschwänden. Die Banken hätten nach wie vor ungeklärte Risikopositionen auf den Bilanzen, müssten sich Liquidität und letztlich auch Kapital beschaffen, und dies würde die Bereitwilligkeit, Kredite zu vergeben, reduzieren. Das werde unweigerlich ungünstige Folgen für die Wirtschaft haben.