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Zahlungsverkehr Das Handy wird die neue Kreditkarte

Der Kreditkartenkonzern Mastercard nimmt im Geiste schon Abschied vom Plastik. In 30 Jahren werde es die Plastikkarte nicht mehr geben. Bezahlt werde dann im Vorbeigehen, vor allem mit dem Handy, das auch Hort der Sicherheit werden soll.

© AP Vergrößern Plastik läuft aus

Mastercard sagt das Ende der Plastik-Kreditkarte voraus. In 30 Jahren werde es womöglich keine physischen Kreditkarten mehr geben, sagt der Bereichsvorstand für Produktinnovationen der Gesellschaft Joshua Peirez. Neben Visa ist Mastercard die weltweit größte Kreditkartenorganisation.

Peirez erwartet, dass künftig immer mehr Mobiltelefone auch als Kreditkarte genutzt werden. Damit könnten sie zunehmend Plastik-Kreditkarten als bargeldloses Zahlungsmittel verdrängen. Technikbegeisterte Konsumenten zahlen bereits heute in einigen Geschäften mit Schlüsselanhängern oder Armbanduhren, die mit Speicherchips und Antennen ausgestattet sind. Künftig soll diese Technik in Mobiltelefone integriert zu einem Massenverfahren werden.

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Kontaktlos zahlen

Ein Pilotprojekt im indischen Bangalore sei in Kooperation mit der Citibank und Nokia im vergangenen Jahr erfolgreich verlaufen. „Wir sind derzeit mit allen größeren Herstellern von Mobiltelefonen in Gesprächen“, sagte Peirez, „und sprechen in Großbritannien mit der Barclays Bank und Orange.“

Das sogenannte kontaktlose Bezahlen mit Kreditkarten, bei dem der Käufer die Karte nicht mehr aus der Hand geben muss, sondern sie selbst auf ein Lesegerät hält, sieht das Unternehmen Mastercard neben dem wachsenden Internethandel als sein wichtigstes Wachstumssegment. Die Deutschen zahlten im Jahr 2008 Waren im Wert von rund 62 Milliarden Euro mit Kreditkarten. Da Fachleute wegen von Sicherheitsrisiken im Internet weiterhin dazu raten, am Computer möglichst selten mit Kreditkarten zu zahlen, gewinnt das kontaktlose Zahlverfahren für die Kartenanbieter offenbar an Bedeutung.

Hightech-Land Türkei

Die vor zwei Jahren auch in Deutschland eingeführte Mastercard-Marke Paypass sei hierzulande bereits auf etwa einer Million Kredit- und Maestrokarten verfügbar. Mit Paypass-Karten können Kunden zum Beispiel am Frankfurter Flughafen oder - allerdings derzeit noch nicht in Deutschland - in den Gastronomie-Ketten Starbucks, Burger King oder Mc Donalds bargeldlos bezahlen. Das soll die Wartezeiten verkürzen. Bereits mehr als 5 Prozent aller Tranksaktionen, die über Mastercard in Kanada abgewickelt werden, erfolgten über das Paypass-System, sagte Peirez. Meist wird das Verfahren aber für kleine Einkäufe genutzt.

Eine ähnliche Technik führte auch das Unternehmen Visa unter dem Markennamen Paywave ein. In Großbritannien und in der Türkei, in der ebenfalls rund eine Millionen Paypass-Karten im Umlauf sind, akzeptieren schon öffentliche Nahverkehrsbetriebe die Zahlungsweise. „Wir sind dabei, das in vielen Ländern zu etablieren“, sagte Peirez.

Die Türkei sei in Europa am fortschrittlichsten. Auch Prepaid-Karten, die mit ähnlicher Technik ausgestattet sind, vor der Nutzung aber stets aufgeladen werden müssen, beflügeln die Phantasie der Branche. In Ländern, in denen viele Menschen kein Bankkonto hätten, wie in Entwicklungsländern oder den Vereinigten Staaten von Amerika, könnten Regierungen Gutscheine, Sozial- und Katastrophenhilfe oder Steuererstattungen auf Prepaidkarten buchen, was die Kosten reduziere. Italien oder die Stadt Moskau zahlten auf diese Weise bereits Sozialhilfeleistungen aus, sagte Peirez.

Korrektur des 2010-Problems dauert noch bis zum Jahresende

Ein Hemmnis für größere Kundenakzeptanz ist die Angst vor Verlust und Kreditkartenbetrug. Erst im Herbst 2009 mussten deutsche Banken - die immer selbst die Karten ausgeben - mehrere hunderttausend Kredit- und einfache Bankkarten austauschen, nachdem der Verdacht bestand, dass Daten von deutschen Spanienurlaubern in die Hände Krimineller gefallen waren.

Auch das sogenannte „2010-Problem“ ist noch nicht ganz gelöst: Am Jahresbeginn hatten viele Millionen Bank- und Kreditkarten in Deutschland wegen eines nicht von Mastercard verursachten Softwarefehlers nicht oder nur eingeschränkt funktioniert. Die Umprogrammierung soll nach Worten von Peirez bald abgeschlossen sein. Und nachdem vor zwei Jahren noch weniger als die Hälfte der hier eingesetzten Mastercards noch keinen als sicherer geltenden EMV-Chip hatten, sondern nur Magnetstreifen, „entwickelt sich der Chip zunehmend zum Standard“, sagte Deutschland-Geschäftsführer Peter Ehmke dieser Zeitung.

Mehr Sicherheitstechnik via Handy-Kontrolle

Auch bezüglich der Sicherheit verspricht sich das Unternehmen vom Ausbau neuer Technik Fortschritte. So sollen Kunden auf Wunsch sofort nach Nutzung ihrer Kreditkarte eine Kurznachricht auf ihrem Mobiltelefon erhalten. Im Fall eines Diebstahls könnten sie die Karte dann sofort sperren lassen. Immer mehr Konsumenten sollen ihre Karte nach eigenem Wunsch konfigurieren können: Wenn das Mobiltelefon des Nutzers etwa vom Nutzungsort der Kreditkarte abweicht, soll die Karte automatisch abgeschaltet werden können.

Im vierten Quartal 2009 hatte sich in Europa der Trend zur Kreditkarte weiter fortgesetzt. Erstmals waren 200 Millionen Mastercards in Benutzung, die zum Unternehmen gehörende Debitkarte Maestro nutzten mehr als 300 Millionen Menschen. Solche Debitkarten, bei denen im Unterschied zur Kreditkarte direkt das Kundenkonto belastet wird, werden vermehrt auch von Internetkaufhäusern als Zahlungsmethode akzeptiert.

Weltweit allerdings ging die Anzahl ausgegebener Mastercards sogar zurück. Bereichsvorstand Peirez führte den Rückgang auf die Schließung vieler inaktiver Konten in den Vereinigten Staaten zurück, sieht aber keine Trendwende. Er sagt, er halte das abgekühlte Weltwirtschaftsklima nicht für ein Problem seines Unternehmens: „Unser Geschäftsmodell basiert nicht auf großem Wirtschaftswachstum, sondern darauf, dass immer mehr auch kleine Zahlungen nicht in bar, sondern in elektronischer Form gemacht werden. Da ist in Deutschland noch viel Potential.“

Quelle: F.A.Z.

 
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