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Wandelanleihen Chancen im Jahr des Ochsen

02.02.2009 ·  Das Jahr 2008 war eine Katastrophe - auch und vor allem für Wandelanleihen. Das Jahr 2009 könnte dagegen eine ertragreiche Erholung bringen, meint F&C-Portfoliomanager Alan van der Kamp.

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Die Finanzkrise ist zu den Anlegern alles andere als zuvorkommend gewesen. Die Verluste sind hoch gewesen und es scheint, als ob zumindest das Jahr 2009 auch nicht eben einfach werden wird. Für Richard Wilson, Leiter der Aktienabteilung der britischen Investment-Gesellschaft F&C, hat der chinesische Kalender die Antwort parat: 2009 ist das „Jahr des Ochsen“.

Dieser ist ein Zeichen des Wohlstandes durch Kraft und harte Arbeit. Er ist geduldig, methodisch und nach moderner Interpretation macht ihn der Gedanke nervös, von Kreditkarten zu leben und in Schulden zu stecken. Kurz: Das Jahr 2009 wird nicht einfach, aber es wird nicht unmöglich sein, Verluste aus dem Vorjahr wieder wettzumachen.

Von zwei Seiten unter Druck

Für Alan van der Kamp, Portfolio-Marketing-Manager des Wandelanleihen-Fonds von F&C, ist diese Anlageklasse hervorragend geeignet, um dieses Ziel zu erreichen. Dabei erlebten Wandelanleihen im Vorjahr das größte Desaster seit mindestens 13 Jahren, als die Anlageklasse durchschnittlich 27 Prozent Verlust verzeichnete.

Theoretisch war ein solches Minus nahezu unmöglich gewesen. Da Wandelanleihen eine Mischung aus Aktienoption und Anleihe darstellen, hätte ihr Wert eigentlich nicht weit unter den Wert der Anleihenkomponente fallen sollen. Doch in Zeiten, in denen sowohl Anleihen-, als auch Aktienmärkte unter Druck stehen, ist eben alles anders. Das Rendite-Risiko-Verhältnis nahm eine zuvor nie gesehene ungünstige Korrelation an.

Bis in den Sommer schienen die Verluste noch verkraftbar, betrugen sie doch nur rund 8 Prozent, als im Zuge der steigenden Renditeaufschläge für Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen die Werte der Anleihenkomponenten deutlich gesunken waren, während der Kursverfall an den Aktienmärkten die Werte der Optionskomponente unter Druck gebracht hatte.

Die Hedge-Fonds-Katastrophe

Was der Anlageklasse später das Genick brach, sagt van der Kamp, war der massive Ausverkauf durch Hedge-Fonds im Gefolge der Pleite der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers. Diese hatten auf Arbitragegewinne zwischen dem Wert der Wandelanleihe und der korrespondierenden Aktie spekuliert und im Zuge dessen Wandelanleihen ge- und Aktien verkauft.

Dazu hatten sie obendrein Kredite aufgenommen, und zwar in hohem Maß bei Lehman Brothers und diese mit den Wandelanleihen besichert. Was folgte, war ein massiver Ausverkauf, der im September begann und die Arbitrage-Fonds ruinierte. Zwei Drittel der Handelsaktivität seien in dieser Zeit auf Hedge-Fonds entfallen, sagt van der Kamp.

Aussichten auf zweistellige Renditen

Seit dieser Verkaufsflut ist es ruhiger geworden. Es seien neue Anleger auf dem Markt, insgesamt seien die Verhältnisse stabiler. Im laufenden Jahr haben weltweit anlegende Wandelanleihenfonds im Durchschnitt nach Daten von Morningstar knapp 2 Prozent hinzugewonnen.

Das liegt nicht zuletzt an den Bewertungen, die van der Kamp für sehr attraktiv hält. Das Portfolio seines Fonds weise mittlerweile eine Rendite von rund 8 Prozent auf, bezogen auf den Fälligkeitszeitpunkt. Zudem erwarte man eine Partizipation von 35 bis 40 Prozent an einer Erholung der Aktienmärkte. Selbst bei mehr seit- als aufwärts verlaufenden Aktienmärkten sei damit eine zweistellige Rendite möglich.

Hinzu komme, dass in Europa der Markt deutlich schrumpfe. Seit dem vierten Quartal 2008 habe es keine Neuemissionen mehr gegeben, wenngleich es seit November einige Anfragen gegeben habe, zu welchen Konditionen F&C interessiert wäre, eine Neuemission zu zeichnen. Damit könnten sich interessante neue Alternativen ergeben.

Indes gibt van der Kamp Amerika den Vorzug gegenüber Europa. Er schätzt das Erholungspotential sowohl der Wirtschaft als auch speziell der Wandelanleihen größer ein. Auch asiatische Werte seien interessant bewertet.

Lösung für die Mitte

Das Risiko des Portfolios begrenzt van der Kamp indes deutlich. Lediglich rund 500 der 2700 Wandelanleihen hält er überhaupt für investmentfähig. Das durchschnittliche Rating des Fondsvermögens liegt bei „BBB+“. Üblicherweise verkauft man die Positionen zu Beginn der sogenannten „Aktienphase“, wenn ihre Kursentwicklung stark mit der der Aktie korreliert.

Eine Herausforderung stelle das Umfeld nach wie vor dar. Die Unsicherheit sei nach wie vor hoch und es sei nicht gewiss, ob der dramatisch gesunkene Wert der Anleihenkomponenten nicht noch weiter sinken werde. Dafür aber müssten sich die Renditeaufschläge der Unternehmensanleihen noch viel stärker ausweiten und daran glaubt van der Kamp derzeit nicht. Wer von einer rasanten Erholung ausgehe, sei mit Aktien besser bedient, wer an eine fortgesetzte Depression glaube mit Staatsanleihen. Für alles dazwischen gibt es Wandelanleihen. Es ist eben das Jahr des Ochsen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: mho
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