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Währungsunion Anleihen der Euro-Peripherieländer unter Druck

Die Europäische Zentralbank wird vorläufig portugiesische Staatsanleihen als Sicherheiten akzeptieren, selbst bei weiterer Herabstufung. Griechenland liegt an der Spitze der risikoreichsten Länder – Norwegen gilt weltweit als sicherstes Land.

© F.A.Z. Vergrößern

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag Portugals Banken die rettende Hand ausgestreckt. Sie wird vorläufig portugiesische Staatsanleihen als Sicherheiten akzeptieren, selbst wenn die Anleihen von Ratingagenturen weiter herabgestuft werden sollten. Die Entscheidung der EZB sollte für Ruhe and den Kapitalmärkten sorgen, nachdem sie am Mittwoch von der Herabstufung portugiesischer Anleihen auf Ramsch-Status durch die Ratingagentur Moody’s aufgeschreckt wurden. Seitdem ist die Befürchtung an den Kapitalmärkten gestiegen, die GriechenlandKrise könnte sich nun doch stärker auf die sogenannten Peripherieländer ausweitet. Moody’s hatte gewarnt, auch Portugal könne – ähnlich wie Griechenland – nicht eigenständig wie geplant an die Kapitalmärkte zurückkehren.

Aus diesem Grund erhöhten sich die Risikoprämien der Peripherieländer am Markt für Kreditausfallderivate (CDS) am Donnerstag kontinuierlich, die Kurse von Staatsanleihen dieser Ländern gerieten unter Druck, ihre Rendite stieg. Die Rendite griechischer Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren kletterte auf 16 Prozent, die portugiesischer auf 12,3 Prozent, die spanischer auf 5,6 Prozent. Spanien musste am Donnerstag für fünfjährige Anleihen mit 4,871 Prozent eine deutlich höhere Verzinsung bieten als noch im Mai mit 4,549 Prozent.

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Mit Abstand an der Spitze der risikoreichsten Länder

Nach einem Bericht der CMA Group über die Entwicklung der Risikoprämien am Markt für Kreditausfallderivate (CDS) im zweiten Quartal dieses Jahres lag Griechenland mit Abstand an der Spitze der risikoreichsten Länder – gefolgt von Venezuela, Portugal, Irland, Pakistan und Argentinien. Davon heben sich die Kernländer der Währungsunion und die nordischen Länder stark ab: Wer sich gegen einen Zahlungsausfall Griechenlands absichern wollte, musste mit 2100 Basispunkten Risikoprämie im zweiten Quartal genau einhundert Mal so viel zahlen wie für eine Absicherung gegen ein Kreditereignis Norwegens mit 21 Basispunkten. Norwegen gilt weltweit an den Kapitalmärkten als sicherstes Land, gefolgt von Schweden, Finnland, den Niederlanden, Deutschland, Dänemark und dann erst den Vereinigten Staaten.

Im Prinzip besagen diese Zahlen, dass die Anleger eine Umschuldung Griechenlands für 80 Prozent wahrscheinlich halten. Für Stephen King, den Chefvolkswirt von HSBC, ist dies ohnehin die einzig sinnvolle Lösung, um den nicht enden wollenden Ruf nach Finanzhilfen für zahlungsunfähige Länder der Währungsunion zu beenden. „Die Währungsunion muss einen Strich unter die Krise ziehen und Griechenland, Irland und eigentlich auch Portugal müssen in einem Gesamtplan umgeschuldet werden.“ King meint, Schuldner und Gläubiger müssten akzeptieren, dass sie in der Vergangenheit schwere Fehler begangen hätten und nun die Konsequenzen zu ziehen hätten. Ansonsten würden Länder wie Griechenland lange nicht an die Kapitalmärkte zurückkehren können und der deutsche Steuerzahler auf Dauer zahlen. King plädiert deswegen für einen radikalen Schuldenschnitt. Gleichzeitig müsse die EZB bereit sein, „toxische“ Staatsanleihen auf ihre Bilanz zu nehmen und es müsse eine Art europäisches „Tarp-Programm“ – so hieß ein Hilfsprogramm, dass die amerikanische Regierung infolge der Finanzkrise auf den Weg gebracht hatte – eingerichtet werden. All dies bleibe jedoch erfolglos, sollte nicht gleichzeitig eine fiskalpolitische Reform der Europäischen Währungsunion verkündet werden.

Kein anderer Weg mehr als eine Umschuldung

King meint, die Länder der Währungsunion sollten in einem festgelegten Zeitplan entscheiden, ob sie innerhalb oder außerhalb eines europäischen Fiskal-Clubs operieren wollten. Innerhalb des Clubs drohe bei Nichteinhaltung fiskalpolitischer Vorgaben die Gefahr, dass das Land zwar gerettet werde, aber die fiskalpolitische Souveränität so lange an Brüssel verliere, bis Reformen erfolgreich umgesetzt und der Weg des Landes an die Kapitalmärkte wieder geebnet sei. Wolle ein Land diese Konsequenz nicht tragen, dürfe es nicht mit Hilfe der EU rechnen und nicht auf Liquiditätshilfe durch die EZB. Ein solches Land müsse dann am Kapitalmarkt deutlich höhere Renditen bieten.

„Eine Umschuldung allein bringt nichts, wenn die Währungsunion nicht gleichzeitig eine Reform in Gang setzt, die das bisherige Kernproblem löst: Was geschieht mit Ländern, die keine verantwortliche Fiskalpolitik betreiben?“, sagt King. Nur wenn dies für den deutschen Steuerzahler und die Kapitalmärkte erkennbar sei, machten eine Umschuldung und ein „Neuanfang“ Sinn. Nur wenn eine Umschuldung mit einer politischen Reform gekoppelt werde, die politisch-demokratisch diskutiert und beschlossen werde, habe das Modell eine höhere demokratische Legitimation als das jetzige System. Dann werde es auch von den Kapitalmärkten akzeptiert. Auch Maarten-Jan Bakkum, Schwellenländerexperte der ING, warnt, dass ihn die Griechenland-Krise stark an die Argentinienkrise erinnere. „Die Abstände, wann das Land Hilfe benötigt, werden immer kürzer. Letztlich bleibt kein anderer Weg mehr als eine Umschuldung, so schmerzhaft sie für das Land auch sein mag.“

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 07.07.2011, 18:55 Uhr

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