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Vorsichtiger Optimismus Leichte Entspannung auf den Geldmärkten

13.01.2009 ·  Die Zinsen für Interbankenkredite beginnen sich allmählich zu normalisieren. Die Handhabe der EZB von Refinanzierungsgeschäften, die Schaffung verschiedener neuer Finanzierungsfaszilitäten durch die Fed und die Erhöhung der Liquidität am Markt zeigen Wirkung.

Von Benedikt Fehr, Claus Tigges und Bettina Schulz
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Auf dem Euro-Geldmarkt hat sich die Lage im neuen Jahr nach Angaben von Geldhändlern leicht entspannt. „Seit der Jahresultimo hinter uns liegt, kommen einige Banken wieder vorsichtig auf den Markt zurück“, kommentierte ein Gelddisponent in Frankfurt. Mit einiger Spannung werde nun erwartet, wie sich der Markt von nächster Woche an entwickeln werde, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Einlagenfazilität wieder mit einem niedrigeren Zins ausstatten werde.

Um die Liquiditätsverknappung auf dem Geldmarkt - dem Markt für kurzlaufende Interbankenkredite - zu beheben, hat die EZB im Herbst zwei Maßnahmen ergriffen: Zum einen hat sie den Banken seither bei allen Refinanzierungsgeschäften stets den gesamten von den Geschäftsbanken nachgefragten Bedarf an Krediten zugeteilt, und zwar zu einem vorher festgelegten Festzins. Gleichzeitig hat sie den Abstand des Zinses für die Einlagenfazilität von „aktueller Leitzins minus 100 Basispunkte“ auf „aktueller Leitzins minus 50 Basispunkte verringert“. Die Banken erhalten dadurch für überschüssiges Geld, das sie über Nacht bei der EZB „parken“, einen höheren Zinssatz vergütet als zuvor.

Kein Anreiz für Banken, einander Geld zu leihen

Zahlreiche Banken nutzen diese beide Maßnahmen so: Bei den Refinanzierungsgeschäften decken sie sich reichlich mit Liquidität ein, wobei sie der EZB für dieses Geld den Leitzins zahlen. Das gibt ihnen die Sicherheit, jederzeit liquide zu sein. Überschüssiges Geld legen sie über Nacht bei der EZB völlig ausfallsicher in der Einlagenfazilität an, wofür sie derzeit „Leitzins minus 50 Basispunkte“ als Verzinsung erhalten. Die Zinseinbuße nehmen die Banken hin, um jederzeit liquide zu sein. Nachteil dieser Maßnahmen ist freilich, dass die Banken derzeit kaum einen Anreiz haben, einander Geld zu leihen.

Um dies zu beheben, wird die EZB vom übernächsten Mittwoch an den Zins der Einlagenfazilität wieder auf „aktuellen Leitzins minus 100 Basispunkte“ herabsetzen. Sie hofft, dass die Banken deshalb überschüssiges Geld nicht länger bei ihr parken, sondern vielmehr an andere Banken ausleihen. So soll der Geldmarkt wieder in Schwung kommen. Momentan sei der Geldmarkt davon aber weit entfernt, sagten Händler. So hätten die Banken bei der EZB übers Wochenende noch gut 315 Milliarden Euro geparkt.

„Stress auf dem Geldmarkt“ hat sich verringert

Als Lichtschimmer gilt, dass der Euribor-Zins für Dreimonatskredite Zug um Zug zurückgeht - und dass sich damit der zuvor ungewöhnlich hohe Abstand dieses Zinses zum Leitzins zurückgebildet hat (siehe Grafik). Am Montag wurde dieser Zins auf 2,65 Prozent fixiert. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der Markt bereits eine Senkung des Leitzinses auf vermutlich 2 Prozent am kommenden Donnerstag vorwegnimmt. Zudem sind die tatsächlichen Umsätze mit Dreimonatskrediten im Interbankenhandel nach Angaben von Händlern weiterhin gering.

Die umfangreichen Bemühungen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve zur Überwindung der Spannungen auf dem Geldmarkt haben offenbar Erfolg. Sowohl mit Blick auf die Zinsen im Interbankenhandel als auch auf die Ausgabe neuer, kurzfristiger Wertpapiere hat sich die Lage nach Auskunft von Marktbeobachtern im Vergleich zum Spätherbst erheblich verbessert. „Seit dem Höhepunkt der Verspannungen Mitte Oktober sind die Geldmärkte auf dem Weg zur Genesung ein gutes Stück vorangekommen“, berichtet Andrew Tilton von Goldman Sachs. Ein von Goldman Sachs berechneter Index zum „Stress auf dem Geldmarkt“ habe sich rund 50 Prozent von seinem im Oktober erreichten Höchstwert entfernt.

Neue Finanzierungen der Fed bringen Linderung

Tilton und andere Marktakteure schreiben dies nicht zuletzt der Schaffung verschiedener neuer Finanzierungsfazilitäten durch die Fed zu. Über die Ende Oktober eingerichtete „Commercial Paper Funding Facility“ beispielsweise halte die Notenbank derzeit Unternehmensanleihen im Wert von rund 333 Milliarden Dollar. Das sei weit mehr als das Volumen der seither ausgegebenen Anleihen von Finanzinstituten. Und die Existenz der „Money Market Investor Funding Facility“ (MMIFF) habe einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Nachfrage von Geldmarktfonds nach Unternehmensanleihen zu stabilisieren. Die MMIFF zielt darauf, jenen Investoren Liquidität zur Verfügung zu stellen, die kurzfristige Unternehmensanleihen auf dem Sekundärmarkt handeln wollen.

Auch am Londoner Interbankenmarkt hat sich die Lage seit Herbst vergangenen Jahres entspannt, und die Aufschläge, die Banken untereinander für Geldausleihe in Pfund, Euro oder Dollar in Rechnung stellen, haben sich seit Oktober halbiert. Damit hat sich der Markt zwar noch nicht normalisiert, aber die Risiko- und Liquiditätsprämien der Libor-Sätze sinken kontinuierlich und bewegen sich damit in die richtige Richtung.

Banken refinanzieren sich wieder

Dies betrifft nicht nur die Tagesgeldsätze, die sich bereits im Herbst vergangenen Jahres entspannt hatten, sondern auch die Sätze für zum Beispiel Dreimonatsgeld, die im vergangenen Jahr noch hartnäckig eine extreme Anspannung am Markt signalisierten. Während noch im Herbst im Dreimonatsbereich am Interbankenmarkt für Sterling-Geld ein Aufschlag von vollen 1,77 Prozent auf den Notenbankzins verlangt wurde, hat sich dieser Aufschlag mittlerweile auf 0,82 Prozent mehr als halbiert.

Der Geldmarkt in London hat sich nicht nur erholt, weil die Bank von England - auch mit Hilfe einer Swap-Vereinbarung mit der Federal Reserve - erhebliche Liquidität in den Markt für Pfund, aber auch Dollar gegeben hat und sie den Banken mit ihrem „Special Liquidity Scheme“ Hilfestellung gibt, damit diese sich leichter direkt bei der Notenbank finanzieren können. Sondern mit Hilfe der staatlichen Bankenrettung konnten sich auch zahlreiche Institute neues Eigenkapital beschaffen und Staatsgarantien für ihre Refinanzierung am freien Kreditmarkt nutzen. Alle diese Schritte haben die Angst am Interbankenmarkt vor dem Kontrahentenrisiko reduziert und den Banken die Furcht genommen, sich nicht mehr ausreichend oder zu annähernd realistischen Konditionen refinanzieren zu können.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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