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VW-Finanzsparte : Volkswagen setzt auf Anleihen statt Tagesgeldzinsen

Volkswagen-Logo vor einem VW-Autohaus in Hannover Bild: dpa

Die VW-Finanzsparte will sich wieder stärker über den Kapitalmarkt finanzieren. Trotz des Dieselskandals gibt es ein Rekordergebnis mit Autofinanzierungen.

          Die VW Bank hat sich offenkundig auf absehbare Zeit wieder von der Spitze der Tagesgeldtabellen im Internet verabschiedet. Seit Herbst 2015 hatten Bankkunden bei der Banksparte des VW-Konzerns überdurchschnittlich hohe Tagesgeldzinsen bekommen, weil es für Volkswagen wegen des Dieselskandals schwieriger und teuerer geworden war, sich am Kapitalmarkt über Anleihen zu finanzieren. Als formale Begründung hatte die VW Bank ihr 25-jähriges Jubiläum als Direktbank genannt, aus dessen Anlass sie die Zinsen für Neukunden auf 1,25 Prozent hochgesetzt hatte, befristet auf vier Monate.

          Dahinter stand aber wohl der Wunsch, sich stärker über Einlagen von Sparern zu finanzieren, weil die Verantwortlichen sich Sorgen um die künftige Finanzierung über den Kapitalmarkt machten. Schon im vergangenen Jahr hatten diese Sorgen offenbar etwas nachgelassen. So hatte die Bank den Tagesgeldzins zunächst auf 1,1 Prozent gesenkt, dann auf 1Prozent und im Februar diesen Jahres auf 0,4 Prozent.

          Der Dieselskandal hat die Finanzsparte weniger getroffen

          Am Donnerstag hat jetzt der VW-Konzern zum ersten Mal seit langem wieder Anleihen im Euroraum begeben – und auch die Finanzsparte VW Financial Services will sich noch dieses Jahr nach längerer Abstinenz wieder an den Kapitalmarkt wagen, wie Finanzvorstand Frank Fiedler sagte: „Wir planen eine Refinanzierung zu etwa einem Drittel über Anleihen, zu einem Drittel über Kreditverbriefungen und zu einem Drittel über Bankeinlagen.“

          Die Bankeinlagen bei dem Unternehmen seien unter anderem durch die vergleichsweise hohen Tagesgeldzinsen im vergangenen Jahr von 28 auf 36 Milliarden Euro gestiegen. Anfang dieses Jahres habe der Vorstand den Einlagenzufluss durch die Zinssenkung gebremst. Jetzt wolle man wieder an den Kapitalmarkt, vermutlich noch im ersten Halbjahr – und werde das Einlagengeschäft daher konstant halten oder eher abschmelzen lassen.

          Der Dieselskandal hat die Finanzsparte weniger getroffen, als sie zunächst vorsichtshalber eingeplant hatte, wie Lars Henner Santelmann ausführte, der Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Financial Services AG. Das Unternehmen hat Sonderabschreibungen, die es im Jahr 2015 für mögliche Verluste beim Restwert von Fahrzeugen in der Autofinanzierung gebildet hatte, 2016 zum Teil wieder auflösen können. Weder der Dieselskandal noch die aktuelle Diskussion um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Stuttgart habe sich bisher in relevanter Weise auf die Entwicklung der Restwerte im Geschäft der Finanzierungs-Tochtergesellschaft ausgewirkt, behauptet das Unternehmen:

          Dem Konzern sei es beispielsweise gelungen, die Restwerte der zurückgegebenen Leasingwagen durch komplette Finanzierungs- und Wartungs-Pakete stabil zu halten. In Amerika und Kanada habe man einen leichten Rückgang der Finanzierungsverträge für VW-Fahrzeuge hinnehmen müssen. Das wurde aber offenbar mehr als ausgeglichen, weil in China viele Menschen ihr Auto nicht mehr bar bezahlen, sondern über Kredite finanzieren.

          VW will Finanzsparte bis September eine neue Struktur geben

          Auf die ganze Welt betrachtet, konnte VW Financial Services somit für 2016 sogar ein Rekordergebnis verkünden. Sowohl beim Vertragsbestand als auch beim operativen Ergebnis habe man die höchsten Werte aller Zeiten erreicht. Der Vertragsbestand legte um 10 Prozent auf 18,2 Millionen zu, das operative Ergebnis stieg um 9,6 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Die Bilanzsumme erhöhte sich um 7,7 Prozent auf 170,1 Milliarden Euro. Das Unternehmen investierte zudem in den Kauf neuer Gesellschaften etwa für mobiles Bezahlen und Park-Dienstleistungen.

          Zum September dieses Jahres will Volkswagen seiner Finanzsparte eine neue Struktur geben. Die Volkswagen Bank soll aus der Finanz-Tochtergesellschaft VW Financial Services ausgegliedert und direkt an den Mutterkonzern angehängt werden. Dort soll künftig das europäische Bankgeschäft konzentriert werden. Damit will VW erreichen, dass diese Tochtergesellschaft unter die europäische Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) fällt, nicht aber die gesamte, recht komplexe Finanzsparte wie bislang. Im Augenblick wird etwa das Finanzierungsgeschäft von VW in Brasilien sowohl von der EZB als auch von der dortigen nationalen Aufsichtsbehörde überwacht. Das soll künftig anders sein.

          Ein weiterer Effekt der neuen Gliederung ist, dass nicht mehr das gesamte Finanzgeschäft unter die hiesigen Eigenkapitalvorschriften fällt. Das Unternehmen kündigte an, diesen Schritt aber nicht dafür nutzen wollen, um das außereuropäische Bankgeschäft mit weniger Eigenkapital zu unterlegen. „Wir werden das Eigenkapital nicht abschmelzen, es geht nur um eine bessere Nutzung des Eigenkapitals“, sagte Fiedler. Auch ein Stellenabbau durch die Umstrukturierung sei nicht geplant, hieß es. Die Finanzsparte von VW hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr ihre Belegschaft um 142 Mitarbeiter oder knapp 1 Prozent auf 15324 erhöht. Angesichts einer Geschäftsausweitung um 10 Prozent sei das schon eine Steigerung der Effizienz gewesen, so das Unternehmen.

          Neuer Chef der VW Bank soll Michael Reinhart werden, bislang Vorstandsmitglied von VW Financial Services. Sein Platz im Vorstand der Finanzsparte wird nicht ersetzt, das Gremium besteht somit künftig nur noch aus fünf Mitgliedern. Der bisherige Chef der VW Bank, Anthony Bandmann, soll künftig die Leasinggesellschaft des Konzerns leiten.

          VW-Anleihe stößt auf hohe Nachfrage

          Die Rückkehr von Volkswagen (VW) an den Anleihemarkt nach der Dieselaffäre ist am Donnerstag gut ausgefallen. Die vier Anleihen erreichten zusammen ein Emissionsvolumen von 8 Milliarden Euro. Zuvor war eine Mittelaufnahme von 4 bis 6 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden. Auch die Nachfrage der Investoren fiel enorm aus, nachdem sich VW erstmals nach eineinhalb Jahren wieder getraut hat, neue Anleihen zu plazieren. Die Auftragsbücher umfassten Bestellungen der Anleger von mehr als 25 Milliarden Euro. Für die Privatanleger sind die Schuldtitel des Autokonzerns nicht gedacht. Denn das Mindestanlagevolumen beträgt 100 000 Euro. Das ist eine Einstiegshürde, die sich an institutionelle Investoren richtet. Aufgrund der hohen Nachfrage erzielte VW auch günstige Finanzierungskonditionen. Die Risikoaufschläge konnten in allen vier Tranchen gegenüber den ursprünglichen Indikationen deutlich verringert werden. Die variabel verzinsliche Anleihe mit Fälligkeit März 2019 umfasst 2,5 Milliarden Euro. Auf den vierjährigen Titel entfallen 1,5 Milliarden Euro, auf die im Oktober 2023 fällige Tranche 1,5 Milliarden und auf den zehnjährigen Titel 2,5 Milliarden Euro. maf.

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