03.02.2010 · Forderungsbesicherte Wertpapiere gelten als Ursache der Finanzkrise. Mittlerweile haben sich die Titel wieder deutlich erholt. Davon profitieren die Banken - den Notenbanken sei Dank.
Von Markus FrühaufUm die Commerzbank stünde es erheblich schlechter, wenn es den Verbriefungsmarkt nicht gäbe. Vor einem Jahr galt noch der Umkehrschluss, denn die mit Forderungen besicherten Wertpapiere waren praktisch wertlos, nachdem der Markt zusammengebrochen war. Die Investoren hatten den auf Tausenden von Einzelkrediten basierenden Titeln - im Marktjargon Asset Backed Securities (ABS) genannt - ihr Vertrauen entzogen. Die Commerzbank musste aufgrund der darauf nötigen Wertberichtigungen vom Staat mit einer Kapitalspritze von 18,2 Milliarden Euro aufgefangen werden.
Noch immer belasten Papiere, die auf amerikanischen Immobilienkrediten basieren, die Ergebnisrechnung. Jedoch haben sich andere Segmente des Verbriefungsmarktes deutlich erholt, vor allem in Europa. Davon hat die Commerzbank im Ergebnis der ersten neun Monate 2009 mit insgesamt mehr als 700 Millionen Euro profitiert: 435 Millionen entfielen davon auf die Gewinn- und Verlustrechnung und 287 Millionen Euro auf die Neubewertungsreserve, die dem Eigenkapital zugerechnet wird. Richtig aufatmen kann die Commerzbank nicht, denn unter dem Strich blieb das Gesamtergebnis mit einem Fehlbetrag von 2,7 Milliarden Euro deutlich negativ.
Begehrte Autokreditpakete
Doch ohne die Erholung am Markt für Verbriefungspapiere wäre das Ergebnis noch schlechter ausgefallen. Auch andere Banken dürften von dieser Entwicklung profitiert haben. Allerdings kann dieser positive Effekt auch durch die gegenläufige Wertentwicklung bei den Absicherungsposition aufgehoben werden.
DZ-Bank-Analyst Frank Cerveny spricht von vereinzelt ermutigenden Signalen. Dazu zählt er auch die Verbriefung von BMW-Leasingverträgen über 800 Millionen Euro. Die Transaktion mit dem Titel „Bavarian Sky 2“ wurde in der vergangenen Woche bei den Investoren mit einem Risikoaufschlag zum einmonatigen Euribor, einem Referenzzins in der Banken-Finanzierung, von 85 Basispunkten plaziert. Nach der Plazierung hätten sich weitere Investoren am Sekundärmarkt mit dem Titel eingedeckt, so dass die Risikoprämie auf 70 Basispunkte zurückging, berichtet Cerveny. Eine rückläufige Risikoprämie geht einher mit Kursgewinnen der Anleihe. Auf dem Höhepunkt der Krise zum Jahreswechsel 2008/09 notierten Verbriefungen von Autokrediten im Schnitt mit Aufschlägen von 300 bis 400 Basispunkten (3 bis 4 Prozentpunkten).
Die Rückkehr der Hypothekenverbriefungen
Auch andere europäische Kreditverbriefungen haben sich seitdem deutlich erholt. Die britische Großbank Lloyds plazierte vor wenigen Tagen Wertpapiere über 2,5 Milliarden Pfund, die mit Wohnungsbaukrediten besichert sind. Der Risikoaufschlag zum dreimonatigen Euribor belief sich auf 125 Basispunkte. Diese auf britischen Immobilienkrediten basierenden Residential Mortgage Backed Securities (RMBS) hatten im Dezember 2008 noch eine Risikoprämie von 5,1 Prozentpunkten.
Auch die Verbriefungen von gewerblichen Immobilienkrediten haben deutlich an Wert aufgeholt. Die Titel, die am Markt Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS) genannt werden, hatten im Juni 2008 mit durchschnittlich 12 Prozentpunkten die höchste Risikoprämie erreicht. Inzwischen hat sich der Aufschlag auf 6 Prozentpunkte halbiert. Dies ist aber noch immer hoch, weil gewerbliche Immobilienkredite in Großbritannien und Spanien sehr kritisch gesehen werden. Banken drohen hier Verluste.
Dank der Gelddruckmaschine
Dass sich der europäische Verbriefungsmarkt stabilisiert hat, ist den Notenbanken zu verdanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von England akzeptieren ABS-Papiere seit dem Ausbruch der Krise als Sicherheiten in Offenmarktgeschäften. Die Banken können diese Wertpapiere bei den Notenbanken einreichen und erhalten dafür Liquidität.
Die EZB erhebt darauf einen Sicherheitsabschlag, dessen Höhe sich nach der Bonität des Verbriefungspapiers richtet. Zudem hat die EZB die Bedingungen verschärft und verlangt vom 1. März an, dass die eingereichten Papiere von mindestens zwei Ratingagenturen bewertet werden. Dabei muss auch das schlechtere Rating mindestens auf „A-“ liegen. Bislang ist nur die Bonitätsnote einer Agentur erforderlich.
Nach Ansicht von Simon Collingridge, Verbriefungsanalyst der Ratingagentur Standard & Poor's, sind die Notenbanken auch weiterhin der entscheidende Faktor für die europäischen Verbriefungsemissionen. Seit Ausbruch der Krise haben die europäischen Banken die meisten ABS-Emissionen in der eigenen Bilanz behalten. Nach Angaben der DZ Bank haben die Institute in den beiden vergangenen Jahren gut 1 Billion Euro an ABS-Papieren produziert, die auf der eigenen Bilanz verblieben sind. Damit haben die Banken reichlich Munition geschaffen, um von der EZB Liquidität abzuschöpfen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |