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Verbriefungen Rating-Agenturen drücken sich vor den Konsequenzen

11.03.2008 ·  Die Immobilienkrise in Amerika betrifft den Verbriefungsmarkt erheblich schwerer als es den Anschein hat. Doch die Rating-Agenturen drücken sich vor konsequenten Herabstufungen - selbst wenn fast die Hälfte der verbrieften Forderungen eines Papiers zweifelhaft geworden ist.

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Für mittlerweile fast 10.000 Subprime- Hypothekenanleihen haben die großen Rating-Agenturen Standard & Poor's und Moody's die Bonitätsnoten teilweise drastisch gesenkt. Etwas zurückhaltend sind die Agenturen aber nach wie vor, wenn es darum geht, die Bewertung von Papieren mit dem formal erstklassigen „AAA“-Rating zu senken, die die Hauptinvestments von Banken und Versicherungen darstellen.

Dabei erfüllen die 80 Anleihen mit bester Bonitätseinstufung in den für strukturierte Papiere führenden ABX-Indizes durchweg nicht mehr die Kriterien, die S&P selbst vor der Verschärfung der Rating-Richtlinien im Februar anlegte. Beispielsweise geben beide Agenturen einer Anleihe der Deutschen Bank mit Namen „ACE 2005-HE-7 A2D“ im Volumen von 79 Millionen Dollar, die im Mai 2006 auf den Markt gebracht wurde, nach wie vor das Gütesiegel „AAA“.

Und dies, obwohl 43 Prozent der zu Grunde liegenden Hypotheken in Schieflage geraten sind. 18 Prozent der Hypotheken-Kredite befinden sich in der Zwangsvollstreckung, 15 Prozent der Immobilien sind bereits gepfändet worden und bei rund zehn Prozent sind die Kreditzahlungen mehr als 90 Tage überfällig.

Sylvain Raynes, ehemals Struktureur bei der UBS-Tochter Paine Webber, zuvor Analyst bei Moody's und Autor des Buches „The Analysis of Structured Securities“ legt andere Kriterien an. Ein „AAA“-Rating erfordere, dass die Kredite in fünffacher Höhe der Ausfallrisiken abgesichert sind. Nur sechs der 80 „AAA“-Anleihen in den ABX-Indizes erfüllten bei einem Test von S&P jedoch auch nur die Anforderungen für ein „Investment-Grade“, nämlich eine Kreditabsicherung in doppelter Höhe des Ausfallrisikos.

„Es ist lächerlich, dass die Ratings bislang beibehalten wurden“, sagt Kyle Bass, Chef des Hedgefonds Hayman Capital Partners, der im vergangenen Jahr 500 Millionen Dollar durch Wetten auf den sinkenden Wert von Subprime-Hypothekenanleihen verdiente. „Die Abstufung von 'AAA'- und 'AA'- Bonds steht unmittelbar bevor“, gibt er sich überzeugt. Innerhalb der nächsten sechs Wochen würden die Rating-Agenturen die Bonitätsschätzung der meisten „AAA“-Anleihen in den ABX-Indizes um durchschnittlich sechs oder sieben Stufen herabsetzen.

Wenn die Rating-Agenturen ihre eigenen Richtlinien befolgten, würde dies Anleihen mit dem „AAA“-Status im Volumen von mindestens 120 Milliarden Dollar (78 Milliarden Euro) betreffen und die Kreditkrise deutlich verschärfen.

Die Aufsichtsbehörden fordern von den Banken für Vermögenswerte mit niedriger Bonität höhere Kapitalrücklagen, um Ausfallrisiken abzusichern. Eine Abstufung der „AAA“-Papiere würde die Kreditinstitute dazu zwingen, die Papiere entweder zu verkaufen oder die Reserven zu erhöhen. Wenn das Rating einer Schuldverschreibung über 100 Millionen Dollar von „AAA“ auf einen Wert unterhalb des „Investment-Grades“ gesenkt würde, müsste eine Bank die Rücklagen von 1,6 auf 16 Millionen Dollar verzehnfachen.

Nachdem die Zwangsversteigerungen von Häusern einen Höchstwert erreichten, fielen die Kurse von „AAA“-Papieren bereits auf 61 Cent je Dollar Nominalwert. Eine Senkung auf „AA“ würde der Credit Suisse Group zufolge den Kurs der Schuldverschreibungen auf 26 Cent je Dollar Nominalwert drücken.

Bislang haben die bedeutendsten Finanzkonzerne im Zuge der Krise 188 Milliarden Dollar abgeschrieben. Während die meisten Banken die Ratings ihrer Vermögenswerte mit niedriger Bonität nicht offen gelegt haben, rechnete S&P schon im Januar damit, dass die Verluste im Zuge der Krise 265 Milliarden Dollar übersteigen werden.

Die Aussicht auf weitere Verluste sei auch der Grund für die bisherige Zurückhaltung von Moody's und S&P gegenüber den erforderlichen Rating-Schritten, sagt Frank Partnoy, Professor für Jura an der Universität von San Diego und ehemals Banker bei Morgan Stanley. „Die Agenturen wissen, dass Abstufungen einen Preissturz auslösen würden. Daher geben sie sich verständlicherweise zurückhaltend“, so Partnoy.

Zügiger als Moody's und S&P handelte der kleinere Konkurrent Fitch Ratings, der das Rating von 390 „AAA“-Anleihen senkte, während Moody's und S&P zusammen die Bewertung von lediglich 112 ehemals erstklassigen Papieren änderte. Bezogen auf den ABX-Index reduzierte Fitch die Bewertung für 19 „AAA“-Bonds, S&P legte indes Hand an die Einstufung für nur eine Anleihe, und Moody's hielt sich hier bislang sogar vollständig zurück.

Insgesamt setzten Moody's und S&P Daten von Bloomberg zufolge das Rating von bislang 38.000 Bonds herab oder setzten die Papiere auf Beobachtungsstatus. Im Januar teilte S&P mit, voraussichtlich für 69 Prozent der „AAA“- Anleihen aus dem Jahr 2006 und 46 Prozent der entsprechenden Papiere aus der ersten Hälfte des Jahres 2007 die Bonitätsbewertung zu senken.

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