25.10.2007 · Auf den Kapitalmärkten ist Inflation kein Thema. Trotz der gestiegenen Teuerungsraten sind die Anleihezinsen gefallen. Die Anleger fliehen aus riskanteren Anlagen in Qualität. Und allzu große Inflationssorgen werden für unbegründet erachtet.
Von Stefan RuhkampDie steigenden Lebensmittelpreise und hohe Rechnungen für Benzin und Heizöl machen den Verbrauchern seit Monaten zu schaffen. Mit der Warnung des Bundesbankpräsidenten Axel Weber vor einer Teuerungsrate von 3 Prozent ist es sogar amtlich: Inflation ist in Deutschland wieder ein Thema.
Allerdings nicht auf den Kapitalmärkten. Dort sind die Anleihekurse in den vergangenen Tagen sogar gestiegen und die Zinsen dadurch gefallen, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zum Beispiel von 4,45 auf 4,15 Prozent.
Sind die Anleger zu sorglos?
Furcht vor Inflation hätte die gegenteilige Bewegung auslösen müssen. Sind die Anleger also zu sorglos? „Nein, es gibt im Moment einfach andere Faktoren, die das Inflationsrisiko überlagern“, sagt Stefan Schilbe Rentenexperte bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. Die Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt dauere an, und die Investmentbanken müssten eine Abschreibung nach der anderen melden, allein zuletzt Merrill Lynch in einem Umfang von 8 Milliarden Dollar.
Das habe die Risikoscheu der Anleger verstärkt, und mancher fliehe aus riskanteren Anlagen in Qualität, sagt Schilbe. Davon profitiere der europäische Anleihemarkt, was zu niedrigeren Anlagerenditen geführt hat. Inflation sei gleichwohl ein Thema, aber eben kein wirklich erschreckendes. Schilbe rechnet damit, dass die Inflationsrate zeitweise steigen wird, sich im Durchschnitt des kommenden Jahres aber im Euro-Raum bei 2 Prozent und in Deutschland bei 1,5 Prozent einpendeln werde.
Stutzig mache das starke Wachstum der Kredite und der Geldmenge, sagt Thorsten Polleit von Barclays Capital. Das werde über kurz oder lang zu höheren Teuerungsraten führen. „Der Trend ist eindeutig nach oben gerichtet“, warnt er. Inflationsraten von 2 Prozent werde es im Euro-Raum vorerst nicht mehr geben.
Zinsen steigen, sollte Inflationsrate steigen
Zinsanleger, die sich Sorgen um die Kaufkraft ihres Vermögens machen, haben einige Möglichkeiten gegenzusteuern. Der Bund hat zum Beispiel gerade die zweite inflationsgeschützte Anleihe begeben. Der Zins ist mit rund 2 Prozent zwar niedrig, dafür erhöhen sich aber Zins und Rückzahlungsanspruch im selben Umfang, wie der Preisindex steigt, mit dem die Inflation gemessen wird.
Eine andere Möglichkeit ist der Kauf von variabel verzinsten Anleihen, deren Verzinsung regelmäßig angepasst wird. Der Kauf von Anleihen mit geringer Laufzeit erfüllt den gleichen Zweck. Sollte die Inflationsrate steigen, dürften auch die Zinsen wieder anziehen. Bei Anleihen mit kurzer Laufzeit wird das Geld rasch wieder verfügbar und kann zu günstigeren Konditionen wieder angelegt werden.
Jan Holthusen von der DZ Bank hält allzu große Inflationssorgen allerdings für unbegründet. Wahrscheinlich werde die deutsche Inflationsrate nicht einmal auf die von Bundesbankpräsident Weber für Dezember befürchteten 3 Prozent steigen. Und danach gebe es eine Reihe von dämpfenden Effekten. Der Effekt der Mehrwertbesteuerung zu Beginn dieses Jahres falle zum Beispiel weg, und der starke Euro verbillige die Importe. Zudem sei der internationale Wettbewerb immer noch so scharf, dass der Spielraum für Preiserhöhungen gering sei.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.748,76 | −0,08% |
| FAZ-INDEX | 1.506,09 | +0,04% |
| TecDAX | 773,61 | +1,29% |
| MDAX | 10.316,30 | +0,10% |
| SDAX | 4.965,37 | +0,82% |
| REX | 421,06 | −0,60% |
| Eurostoxx 50 | 2.512,92 | −0,05% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,97 | +0,04% |
| Dow Jones | 12.884,00 | +0,04% |
| Nasdaq 100 | 2.545,72 | +0,54% |
| S&P500 | 1.349,96 | +0,22% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3294 | +0,34% |
| Rohöl Brent Crude | 117,43 $ | −0,36% |
| Gold | 1.746,00 $ | +1,28% |
| Bund Future | 137,66 € | −0,06% |