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Venezuela Sinkender Ölpreis verheißt für Anleihen nichts Gutes

06.11.2008 ·  Der Ölpreis sinkt drastisch. Was für Verbraucher positiv ist, könnte nun die Wirtschaftspolitik Venezuelas zu Fall bringen, braucht diese doch hohe Öleinnahmen zu ihrer Finanzierung.

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Anleihen aus Schwellenländern gehörten in den vergangenen Jahren zu den geschätztesten Anlageprodukten, boten sie doch vergleichsweise hohe Renditen, wohingegen die Risiken überschaubar schienen.

Zu den fleißigen Emittenten gehörte das südamerikanische Venezuela. Allein 18 Rentenpapiere in einem Gesamtvolumen von mehr als 24 Milliarden Dollar und zusätzlich mehr als einer Milliarde Euro werden am deutschen Markt gehandelt.

Günstige Verschuldungskennziffern

Die Verschuldungsrelationen des Landes lesen sich vergleichsweise noch immer günstig. Die Außenverschuldung ist seit 2006 von 23 auf voraussichtlich 16,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gefallen, die Staatsverschuldung von 23,9 auf 16,5 Prozent. Dennoch wird die Bonität des Landes mit einem Anleihenrating von B2 recht negativ eingeschätzt.

Hintergrund ist die paternalistische Politik des exaltierten Präsident Hugo Chavez, der eine als „Bolivarismus“ bezeichnete Politik der Umverteilung betriebt, die das Investitionsklima für ausländische Konzerne nicht eben vorteilhaft gestaltet. Verstaatlichungen und Enteignungen sind ein probates Mittel seiner Politik.

Wachstum sinkt

Mittlerweile ist die Wachstumsrate von noch 10,4 Prozent im Jahr 2006 auf voraussichtlich 5,6 Prozent gefallen, für das kommende Jahr erwarten die Analysten von Goldman Sachs eine Rate von nur noch 3,4 Prozent. Gleichzeitig ist die Inflationsrate von 17 Prozent auf rund 30 Prozent gestiegen.

Bislang konnte diese Politik dank des Ölreichtums des Landes und eines steigenden Ölpreises vergleichsweise problemlos, beruhten die Kalkulationen doch auf einem deutlich niedrigeren Ölpreis von 35 Dollar, während der Ölpreis mehr als 130 Dollar erreichte.

Ölpreiskalkulation wird eng

Doch mittlerweile ist der Ölpreis um mehr als die Hälfte gefallen und notiert bei nur noch rund 65 Dollar und liegt damit weit unter dem, was Analysten in den Industrieländern als den Punkt erachten, bei dem Venezuela seinen Haushalt noch ausgleichen kann. Gareth Lewis-Davies, Ölanalyst der Dresdner Kleinwort bezifferte diesen Preis unlängst auf 120 Dollar. Die Deutsche Bank setzt den Preis mit 95 Dollar erheblich niedriger an.

Chavez gibt sich weiter selbstbewusst. Solange der Ölpreis über 55 Dollar pro Barrel bleibe, habe die Finanzkrise keine Auswirkungen auf Venezuela, sagte er in einer Radio- und Fernsehrede.

Doch die Probleme werden evident: Von den von Wirtschaftsminister Rodríguez Araque einst angekündigten Einsparungen für den Haushalt 2009 war in dem im Oktober vorgestellten Entwurf nichts zu sehen. Vielmehr sollen die Staatsausgaben um mehr als 20 Prozent steigen. Und die Finanzierung beruht auf einem Preis von mindestens 60 Dollar pro Barrel. Obendrein müsste die tägliche Fördermenge steigen, nach venezolanischen Angaben um rund 6, basierend auf OPEC-Angaben aber um mehr als 50 Prozent.

Griff nach Gold und Banken

Trotzdem Chavez betont, dass das Land über ausreichend Reserven verfüge, so scheint er dennoch neue Finanzierungsquellen zu brauchen. Am Donnerstag verstaatlichte Venezuela die größte Goldmine des Landes, bislang im Besitz des kanadischen Crystallex-Konzerns. Die weltweite Finanzkrise habe es notwendig gemacht, die Kontrolle über die nationalen Goldvorräte zu übernehmen, damit man die internationale Reserven aufstocken könne, so Bergbauminister Rodolfo Sanz. Der Staat behalte sich auch die Verstaatlichung weiterer Goldminen vor, so der Minister weiter.

Und sollten die Banken des Landes durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten, werde man auch sie zweifelsohne enteignen, so Chávez: „Ich werde den Banken keinen Pfennig geben - ich werde sie enteignen.“

Diese Politik droht das Land in eine Sackgasse zu bringen, in dem konsumptive Staatsausgaben aus der Substanz finanziert werden. Sollte der Ölpreis weiter fallen, wäre Chavez womöglich sogar genötigt, den Ölhahn weiter auf zu drehen. Dies könnte die OPEC-Mitgliedschaft des Landes gefährden und weiteren Druck auf den Ölpreis erzeugen. Auch wenn das Land also nicht unmittelbar in Gefahr zu sein scheint, könnte ihm Ungemach drohen. das würde die Anleihenratings und - kurse weiter unter Druck setzen.

Ecuador - ein Schritt weiter

Die Anleihenkurse des schwachen Verbündeten Ecuador, dessen Anleihenbonität mit „B3“ bzw „B-“ bewertet wird, sind mittlerweile auf zum Teil weniger als 40 Prozent gefallen, auch wenn Präsident Raffael Correa unlängst betonte, die Finanzkrise werde das Land weniger stark treffen als bislang erwartet.

Doch die tatsächlichen Folgen sind schwer genug. Der globale Tourismus geht zurück, der gefallene Ölpreis belastete die Staatskasse. Der Kakaopreis geht zurück und auch die Nachfrage nach Bananen. Allein im September fielen die Ausfuhren des weltgrößten Exporteurs um 13,5 Prozent gegenüber August, so dass die Exporteurvereinigung in der vergangenen Woche sogar die Verschiffungen einstellte.

Die Kapitalflucht hält an und die Regierung erwägt Mittel, die Banken zu einer Repatriierung der Gelder zu bewegen. Falls es hart auf hart kommt, hat auch Raffael Correa hat ein probates Mittel, mit dem er häufig droht : Falls notwendig, könnte man die Zahlungen auf die Auslandsschulden verringern, sagte er am Mittwoch dem Staatsfernsehen: „Das ist kein Witz.“

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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