03.11.2004 · Daimler-Chrysler hat sein operatives Ergebnis weiter gesteigert und besser abgeschnitten als erwartet. Diese Nachricht und der Fortschritt bei Chrysler kommen Anleihen des Konzerns zugute, für die Analysten viel Lob übrig haben.
Bei Aktien zählt Daimler-Chrysler zu jenen Titeln, die Aktionäre in den vergangenen Monaten nicht gebraucht haben und die sie derzeit weiter nicht haben müssen. Das Dividendenpapier des deutsch-amerikanischen Autobauers hat binnen Jahresfrist nur um gut 2,6 Prozent zugelegt und ist damit deutlich hinter dem Dax zurückgeblieben. Besonders im jüngsten Vierteljahr hat der Titel enttäuscht. Wer es sinnbildlich mag: Die Aktie fährt auf der Kriechspur.
Ganz anders verhält es sich mit Anleihen von Daimler-Chrysler: Die Zinstitel haben sich mit dem allgemeinen Aufschwung auf dem Rentenmarkt verteuert sowie auf die jüngsten Quartalszahlen mit leichten Kursgewinnen reagiert. Ihnen kommt das verbesserte operative Konzernergebnis ebenso zugute wie der Fortschritt bei Chrysler in Amerika. Bei Rentenanalysten genießen die Anleihen einen guten Ruf. Die Papiere sind bei den Ratingagenturen Standard&Poor´s und Moody´s jeweils ordentlich bewertet: Die Einstufungen BBB+ und Baa1 signalisieren einen verläßlichen Schuldner. Dabei ist die 2009 fällige Daimler-Chrysler Anleihe etwas stärker gefragt als der entsprechende Titel von VW, der das gleiche Rating aufweist. Die DZ Bank empfiehlt die 2011 auslaufende Anleihe des Stuttgarter Konzerns.
Periodenverlust in einen Gewinn gewendet
Im dritten Quartal hat der Autobauer sein operatives Ergebnis wieder gesteigert und dabei die Erwartungen des Marktes übertroffen. Das operative Ergebnis stieg gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum von 1,2 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden Euro. Das Periodenergebnis, das im vergangenen Jahr von Abschreibungen auf EADS-Anteile in Höhe von zwei Milliarden belastet war, verbesserte sich von minus 1,7 Milliarden Euro auf plus eine Milliarde Euro. Der Konzernumsatz stieg trotz der Dollarschwäche und der weiter dümpelnden Autokonjunktur in Europa um zwei Prozent auf 34,9 Milliarden Euro; bereinigt um Währungsschwankungen verbuchte der Autobauer sogar ein Plus von vier Prozent.
Die deutsche Mercedes Car Group steuerte den relativ größten Teil zum Ergebnis bei. Da aber neue Modelle für erhebliche Anlaufkosten gesorgt haben und außerdem Geld in die Qualitätssicherung gesteckt worden ist, sank der Ertrag dieser Sparte von 793 Millionen Euro auf 304 Millionen Euro. Diesen Rückgang machten Chrysler mit einem Sprung um 48 Prozent auf 217 Millionen Euro und die Dienstleistungssparte mit einem Zuwachs von 45 Prozent auf 412 Millionen Euro mehr als wett.
WGZ-Bank: Daimler-Zinstitel ein Kerninvestment
Rentenanalysten beobachteten nach Bekanntgabe dieser Nachrichten einen leichten Kursaufschwung bei Anleihen des Konzerns. Bei der Mehrzahl der Zinstitel sind die guten Nachrichten und die verbesserte Kreditwürdigkeit des Konzerns aber schon eingepreist, wie die DZ Bank meint. So ist die 2009 auslaufende, mit 4,125 Prozent verzinste Anleihe mit einem Kurs von 102,02 Prozent stärker gefragt als der entsprechende Titel von Volkswagen, der bei einem gleich hohen Kupon mit 101,8 Prozent notiert. Das Daimler-Papier wirft knapp 3,6 Prozent ab, der VW-Titel ist mit 3,68 Prozent etwas rentierlicher. Zum weiteren Vergleich: Eine 2009 fällige Bundesanleihe bringt 3,14 Prozent.
Kurschancen sieht die DZ Bank aber noch bei den 2011 fälligen Euro-Anleihen von Daimler-Chrysler. Besonders das im Oktober 2011 auslaufende Papier mit einem Kupon von 4,25 Prozent scheint interessant. Es notiert mit 99,88 Prozent knapp unter dem Rücknahmekurs. Ein Anleger zahlt also 998,80 Euro für eine Anleihe, für die er schließlich 1.000 Euro zurückbekommt. Die Rendite beträgt aktuell 4,27 Prozent, während eine entsprechende Bundesanleihe 3,55 Prozent, also 72 Basispunkte weniger bringt. Die WGZ-Bank meint, daß die Fortschritte bei Chrysler und bei der Nutzfahrzeugsparte den Anleihen weiter zugute kommen werden. Und sie empfiehlt die Daimler-Zinstitel nach wie vor als Kerninvestment zum Kauf.
Für diese Papiere spricht sicherlich, daß sie die jüngsten Turbulenzen um die Anleihen von General Motors gut überstanden haben, obwohl in solchen Fällen andere Branchenvertreter an der Börse gerne mit in Haftung genommen werden. Allgemein gilt bei Anleihen aber der Hinweis, daß steigende Leitzinsen und kletternde Renditen von Staatstiteln die Kurse von Unternehmensschuldscheinen gemeinhin unter Druck setzen können. Mithin sollten Anleger im Zweifelsfall bereit sein, den Zinstitel bis zur Fälligkeit zu halten, um Kursschwankungen auszusitzen.