15.05.2006 · Windparks brauchen vor allem eines - eine langfristige Finanzierung. Nachdem geschlossene Fonds nicht mehr so gut laufen wie einst, versucht die Branche es jetzt mit Anleihenemissionen. Die Bonds sind interessant, wenn auch nicht ohne unternehmerische Risiken.
Wenngleich die Aktien- und Rohstoffmärkte zu Wochenbeginn negativ tendieren und die Anleihenmärkte sich erholt haben, ist noch nicht abzusehen, ob dies eine dauerhafte Trendwende darstellt. Schon gar nicht am Anleihenmarkt, wo sich die dreißig Basispunkte, die der Bund-Future am Montag mittag zulegt, eher bescheiden ausnehmen und am längerfristigen Abwärtstrend deutscher Staatsanleihen nichts ändern.
Wer sein Glück also mit Renten versuchen möchte, muß sich schon etwas anderes einfallen lassen. Etwas anderes einfallen lassen haben sich auch die Windparkfinanzierer. Nachdem geschlossene Fonds ihre Steuervorteile verloren haben und gerade, wenn es um Windenergie geht, aufgrund einiger schwarzer Schafe auch an Image-Zugkraft verloren haben, braucht die Branche neue Ideen.
Hypovereinsbank bringt „Breeze“
Das neueste ist die Verbriefung eines Portfolio von Windkraftanlagen über Anleihen. Der neueste Trend dabei ist es, verschiedene Windparkprojekte unterschiedlicher Betreiber zu Zweckgesellschaften zu bündeln und damit die Anleihen zu besichern.
„Auf diese Weise fällt es nicht so in Gewicht, wenn ein Windparkprojekt nicht läuft“, sagt Alex Moss, Kreditanalyst bei Insight Investment Management. Die Vermögensverwaltung hält bereits einige dieser Anleihen und zieht in Erwägung weitere zu erwerben.
Den Anfang machte vor zwei Jahren die Hypovereinsbank mit dem Projekt „Breeze One“ und brachte vor wenigen Tagen mit „Breeze Two“ den zweiten Bond dieser Art heraus. Mit einem Volumen von 470 Millionen Euro war die Emission bereits viermal so groß wie „Breeze One“. „Vor zwei Jahren haben wir mit dem Debüt gezeigt, daß eine Verbriefung über den Kapitalmarkt eine ernsthafte Alternative zur üblichen Bankfinanzierung von erneuerbarer Energie ist. Mit der zweiten Transaktion haben wir dieses Instrument nun
etablieren können.“, sagt Dagmar Buhl, Leiterin Strukturierte Anleihen.
Mit der Anleihe refinanziert sich der britische Investor Christofferson, Robb and Company (CRC). Emittent ist die CRC Breeze Finance S.A., die ihrerseits damit die Breeze Two Energy GmbH & Co. KG (Breeze Two) und die Eoliennes Sûroit SNC finanziert, die wiederum 39 Windkraftanlagen mit einer Nennkapazität von 303,8 Megawatt in Deutschland und 27,05 Megawatt in Frankreich angekauft haben, und zwar von der ABO Wind AG, der Energiequelle GmbH, der Juwi GmbH, der MFG Management & Finanzberatung AG und der Voltwerk AG.
Halbjährliche Tilgung
Die Anleihe besteht aus drei Tranchen, von denen zwei am Kapitalmarkt plaziert worden sind. Die erstrangige Tranche A (Isin: XS0253493349) hat ein Volumen von Euro 300 Millionen mit einer Laufzeit von 20 Jahren und wurde durch die Ratingagenturen Fitch und S&P jeweils mit „BBB“ eingestuft und ist mit einem Kupon von 5,29 Prozent ausgestattet.
Die zweitrangige Tranche B (Isin: XS0253496441) hat ein Volumen von Euro 50 Millionen, einen Kupon von 6,11 Prozent, eine Laufzeit von zehn Jahren und das Rating „BB+“. Darunter befindet sich eine privat plazierte Tranche von 120 Millionen Euro, einem Kupon von zwölf Prozent ohne Rating.
Die Rückzahlung der Anleihen erfolgt durch halbjährliche Zahlungen bis zum Ende der Laufzeit. Mit der Anleihe sollen bestehende Bankkredite abgelöst und eine langfristige Finanzierung gesichert werden. Die Emission sei am Kapitalmarkt sehr positiv aufgenommen worden, heißt es bei der Hypovereinsbank.
Die Rendite der Tranchen liegt aktuell 128 bzw. 210 Basispunkte über der Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen, die Kurse liege etwas über pari. Indes werden die Papiere bislang nicht an der Börse gehandelt, sind also nur über die Emissionsbank erhältlich.
Plambeck garantiert „Alte Liebe“
Gleiches gilt für ein vom Windparkbetreiber Plambeck Neue Energien jüngst emittiertes Papier im Volumen von 102 Millionen Euro. Indes hat dieses ein ganz anderes Rating, nämlich „AAA“ von Standard & Poors und vorläufig auch von Moody's. Das liegt daran, daß das Papier mit einer unbedingten und unwiderruflichen Zahlungsgarantie des britischen Anleihenversicherers Ambac Assurances. Ohne diese Garantie hätte das Rating laut Standard & Poor's „BBB-“ betragen und somit nur gerade mal eine Stufe über dem spekulativen Bereich gelegen.
Finanziert werden acht von Plambeck entwickelte Windparks mit einer Nennleistung von rund 140 Megawatt, die seit durchschnittlich fünf Jahren in Betrieb sind. Laufzeitende des Papiers ist am 31. Dezember 2025, Träger eine Zweckgesellschaft mit dem schönen Namen „Alte Liebe 1“ (Isin: XS0249208017), koordiniert wurde das Projekt von der Dresdner Kleinwort Wasserstein. Auch hier sollen Bankfinanzierung abgelöst werden. Der Kupon beträgt 4,761 Prozent, die Tilgung erfolgt auch hier halbjährlich bis zum Laufzeitende.
Schwierige Vergleichbarkeit
Vergleichspapiere, die an der Börse notiert sind, sind nur schwer zu finden. Das liegt schon allein daran, daß die Tilgungen halbjährlich und nicht zum Laufzeitende erfolgt. In der Regel passen die Laufzeiten oder das Rating nicht. Das gilt besonders für die erste Tranche der Breeze Two.
Alte Liebe und Breeze Two B zeigen dagegen deutlich höhere Renditen. Allerdings ist aufgrund der Strukturierung, sprich der Tilgung über die Laufzeit die Vergleichbarkeit deutlich eingeschränkt.
Jens Rosebrock von Dresdner Kleinwort Wasserstein erwartet, daß diese Emissionen erst den Anfang darstellen. Er erwartet in kommenden zwölf bis 18 Monaten weitere Plazierungen. So hat Airtricity, Irlands größter Windparkbetreiber laut Manus O'Donnell aus der Finanzierungsabteilung des Unternehmens Interesse an einer Bondfonanzierung von Windparks im Mittelmeer und der Ostsee.
Unternehmerische Risiken bleiben in milderer Form
Abgesehen von dem garantierten Alte-Liebe-Bond hängen die Risiken der Anlagen stark von den Bedingungen der verbrieften Projekte ab. So mildern zwar die gesetzlichen Regelungen in Frankreich und Deutschland das unternehmerische Betreiberrisiko aufgrund garantierter Einspeisevergütungen. Doch gibt es nicht überall ähnliche Vergünstigungen. Niemand weiß auch mit Sicherheit zu sagen, wie die politischen Winde wehen. So sollen die französischen Windparks ab 2021 dem Marktpreisrisiko ausgesetzt werden. Und letztlich muß man zum Kassieren einer Einspeisevergütung auch erst einmal Strom einspeisen können.
Ein Extrarisiko gibt es auch für die Offshore-Windparks, wie sie etwa Airtricity durch Bonds finanzieren möchte. Hier fehlen noch die Langzeiterfahrungen, wie sich die Parks unter den rauhen Bedingungen des Meeres behaupten können. Die Risiken werden durch die Bündelung verschiedener Parks unterschiedlicher Betreiber deutlich gemildert. So kann es dem Anleiheinhaber letztlich egal sein, ob von den 39 Windparks fünf Verluste produzieren, solange die Zweckgesellschaft solvent bleibt. Anders sieht es für Inhaber geschlossener Fonds auf, die lediglich auf ein Projekt setzen.
Zusätzliche Risiken birgt indes der fehlende Börsenhandel. Zwar ist es mindestens ebenso schwer, eine illiquide börsennotierte Anleihe loszuwerden, doch vereinfacht dies die Handelbarkeit dennoch für Kleinanleger deutlich.