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Unternehmensanleihen Waterford Wedgwood unter Druck

13.11.2007 ·  Luxuskristall und -porzellan sind im Zeitalter der Spülmaschine weniger gefragt. Das bekommt der Hersteller Waterford Wedgwood seit Jahren zu spüren. Zu den zahlreichen Sorgen hat sich nun auch noch der Verfall des Dollars hinzugesellt.

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Heftig unter Druck steht die Anleihe des irischen Porzellan- und Kristallherstellers Waterford Wedgwood, gleichzeitig auch Mutterkonzern der deutschen Nobelmarke Rosenthal. In der laufenden Woche stieg die Rendite des 2010 fälligen und mit 9,825 Prozent verzinsten Bonds um fast 400 Basispunkte auf 18,06 Prozent.

Ursache sind die vorgelegten Halbjahresergebnisse des hoch verschuldeten Konzerns. Hatte sich im Juni noch ein Hoffnungsschimmer ergeben, als der Konzern dank Betriebsschließungen und Arbeitsplatzabbaus für das im März 2007 zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2006/2007 einen um 62 Prozent niedrigeren Jahresfehlbetrag vermelden konnte.

Dollarverfall setzt dem Unternehmen zu

Auch wenn der Umsatz um weitere vier Prozent geschrumpft und die Nettoverschuldung um weitere elf Prozent gestiegen war, so hatte man immerhin einen operativen Gewinn von 15 Million Euro verbucht, verglichen mit einem Verlust von 30,9 Millionen Euro im Vorjahr.

Doch die Halbjahresergebnisse konnten mitnichten an die positiven Seiten der Entwicklung im Vorjahr anknüpfen. Der Fehlbetrag stieg gegenüber dem Vorjahr drastisch um 170 Prozent auf 56,7 Millionen Euro und auch die Umsätze fielen weiter, diesmal um zehn Prozent auf nur noch 317,4 Millionen Euro. Der Betriebsverlust vor Sondereffekten stieg im Vergleich zum Vorjahr gleichfalls um mehr als das Doppelte auf 28,6 Millionen Euro.

Das Unternehmen hat mit knappen finanziellen Ressourcen und preiswerter fernöstlicher Konkurrenz zu kämpfen, zudem mit veränderten Konsumgewohnheiten. Jüngere Kunden wollen vorwiegend spülmaschinenfestes Geschirr - da haben Luxusporzellan und -kristall keine Chance. Darüber hinaus kam Waterford unter die Räder des schwindsüchtigen Dollar, da das Unternehmen den größten Teil seiner Umsätze in den Vereinigten Staaten macht. Auch Lieferengpässe bei bestimmten Produkten spielten eine Rolle.

Gewinnziel gefährdet

Analysten nannten die Ergebnisse enttäuschend. Auch der Vorstandsvorsitzende Peter Cameron warnte, die Erreichung des Ziels eines Betriebsgewinns im Gesamtjahr sei gefährdet und die Wende ins Stocken geraten. Ein operativer Gewinn werde indes erzielt werden.

Positiv ist indes zu vermerken, dass der Auftragsbestand zum 1. November 14 Prozent über dem Bestand des Vorjahres lag, nicht zuletzt auch, weil es im ersten Halbjahr zu Lieferengpässen gekommen war, die auch auf den Mangel an liquiden Mitteln zurückgingen. John Foley, Vorstand der Kristallsparte betonte, die Auslieferungen im September seien seit 2003 nicht mehr so hoch gewesen.

Die Bilanzsumme schrumpfte von 771,6 Millionen Euro zum 30. September 2006 auf 683,2 Millionen Euro zum gleichen Stichtag zusammen. Immerhin sank das Eigenkapitaldefizit um rund vier Prozentpunkte auf 12,4 Prozent, vor allem weil sich die Vermögenswerte der Pensionsfonds besser entwickelten und deren Defizit dadurch von 234,6 Millionen Euro auf 93,1 Millionen sank.

Arbeitsplatzabbau belastet

Weitere nicht-operative Belastungen für den Konzern stammen aus dem massiven Arbeitsplatzabbau und Betriebsschließungen. In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat der Luxuskonzern 2.300 Arbeitsplätze abgebaut. Das spart zwar 90 Millionen Euro pro Jahr, kostete aber zunächst 400 Millionen.

Und der Prozess geht weiter. Der Verwaltungsratsvorsitzende Tony O'Reilly kündigte im vergangenen Monat die Emission von Vorzugsaktien im Volumen von 100 Millionen Euro an um den weiteren Arbeitsplatzabbau zu finanzieren. Waterford will nach Angaben der Gewerkschaft weitere 500 Stellen in Irland abbauen und nach Slowenien verlegen. Das wären 56 Prozent der Belegschaft.

Was dem Unternehmen zudem Kummer macht, ist auch die Inflationsrate, die bei gleichzeitig rückläufigem Wachstum mittlerweile drei Prozent erreicht hat. Regierung und Wirtschaft fürchten daher weiteren Lohndruck.

Schlechte Ratings, hohe Verlustrisiken

Der Aktienkurs des Unternehmens ist seit dem Jahr 2000 um mittlerweile knapp 99 Prozent eingebrochen, doch die Großaktionäre wie Verwaltungsratschef Tony O'Reilly und sein Schwager und Stellvertreter Peter Goulandris, haben zuletzt bei einer Kapitalerhöhung weitere 83 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt und auch für die Emission der Vorzugsaktien ein Abnahmevolumen von 17 Millionen Euro zugesagt.

Allerdings scheint sich die Plazierung angesichts der schwierigen Verhältnisse auf den Kapitalmärkten komplizierter zu gestakten als bislang. So sagte Cameron der „Irish Times“, dass die ungenannten Interessenten angesichts der Krise, wie alle anderen, sich überlegen müssten, was sie tun.

Es gibt immer noch Hoffnung, dass dem Unternehmen die Wende gelingt und es im Jahr 2010 in der Lage sein wird, die 166 Millionen Euro schwere Anleihe zu tilgen. Riskant ist die Anleihe allemal. Moody's vergibt mit „Caa2“, dem zweitschlechtesten Rating noch die beste Note. Standard & Poor's bewertet das Papier mit der schlechtesten Note „CCC-“.

Fitch bestätigte erst am Freitag das Rating, das auf „CC“ lautet. Vor allem aber vergibt die Agentur ein sogenanntes „Recovery-Rating“ von „RR6“. Das ist die niedrigste Kategorie und bedeutet, dass man für die Inhaber im Insolvenzfall nur geringe Chancen sieht. Auch Moody's vergibt hier die Note LGD5 und rechnet so im Fall der Zahlungsunfähigkeit mit einem Verlust von 70 bis 90 Prozent.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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